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Schwimmen bei Olympia : Zwei Weltrekorde und eine Befreiung

Mit neuem Selbstbewusstsein ins Finale geschwommen: Paul Biedermann Bild: dpa

Dana Vollmer und Cameron van der Burgh gewinnen Goldmedaillen mit Weltrekordzeiten. Und auch Deutschlands Schwimmer tauchen wieder auf sich: Paul Biedermann schwimmt ins Finale über 200 Meter Freistil.

          Paul Biedermann blieb äußerlich ruhig, von großer Erleichterung war nicht viel zu merken. Dabei hatte er gerade im olympischen Halbfinale über 200 Meter Freistil am Sonntagabend nach dem Rückschlag über 400 Meter Freistil tags zuvor einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. In 1:46,10 Minuten, seiner mit Abstand schnellsten Zeit in diesem Jahr, schaffte er als Viertbester den Sprung ins Finale an diesem Montag. „Das hat sich schon wieder wie Schwimmen angefühlt“, sagte er. „Heute war ich wieder in meinem Element, habe mich wieder gut gefühlt, es war wieder das, was ich kenne und so liebe.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der 25 Jahre alte Weltrekordhalter gewann seinen Halbfinal-Lauf vor dem 400-Meter-Lagen-Olympiasieger Ryan Lochte, der allerdings anschließend noch in der amerikanischen Sprintstaffel gefordert war. Am Morgen hatte Biedermann im Vorlauf bei seiner Zeit von 1:47,27 noch einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Für ihn zählte allerdings vor allem, sich nach dem enttäuschenden Aus über 400 Meter Freistil Schritt für Schritt zurückzukämpfen. „Heute morgen konnte ich wieder ein bisschen Selbstbewusstsein tanken“, sagte Biedermann. „Jetzt freue ich mich aufs Finale und hoffe, ich kann mich da noch steigern.“

          Am Samstag hatte ihn eine taktische Fehleinschätzung den Einzug ins Finale über 400 Meter Freistil gekostet - in mäßigen 3:48,50 Minuten kam er im Vorlauf nur auf Platz 13. Um Kraft zu sparen für die Rennen in den folgenden Tagen sollte er etwas ruhiger schwimmen, mehr aus den Beinen heraus, so hatte ihm das sein Trainer Frank Embacher mit auf den Weg gegeben. „Aber das war dann auch der Grund dafür, dass er am Ende nicht so explodiert ist wie sonst“, sagte Embacher. „Das muss ich klipp und klar auf meine Kappe nehmen.“

          Es blieb nicht der einzige Faux-pas am Samstagabend. Auch in der 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen verspekulierten sich die Deutschen. Im Vertrauen auf die Stärke aus dem vergangenen Jahr, als die Staffel in der gleichen Besetzung mit Britta Steffen, Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber WM-Dritte 2011 in Schanghai geworden war, lautete die Marschroute, noch Reserven zu lassen für den scheinbar sicheren Endlauf am Samstagabend - der aber dann ausfiel, weil das deutsche Quartett nur die neuntschnellste Zeit schwamm und das Finale verpasste.

          „Das fühlte sich wieder wie Schwimmen an“ Bilderstrecke

          Ein „rabenschwarzer Tag“ eben für den Deutschen Schwimm-Verband, so Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Als Konsequenz aus der bitteren Lektion rief die DSV-Führung umgehend einen Strategiewechsel aus. „Bei Olympischen Spielen kann man keinen einzigen Lauf mit Taktik angehen, dazu reicht das Leistungspotential unserer Mannschaft nicht aus“, sagte Buschkow. „Wir müssen jeden Vorlauf ernst nehmen, Pokern ist die falsche Taktik.“

          Jedes Rennen, als wäre es das Letzte

          Und so lautete die Ansage für Sonntag: Nimm jedes Rennen so, als ob es Dein letztes sein kann. Oder auch, wie das der Sprinter Marco di Carli formulierte, als er das taktische Konzept der deutschen 4x100-Meter-Freistilstaffel der Männer am Sonntag erläuterte: „Volle Rotze“. So schafften die DSV-Athleten tatsächlich eine Art Trendwende. Die Freistil-Männer mit Benjamin Starke, Markus Deibler, Christoph Fildebrandt und Marco di Carli qualifizierten sich mit deutscher Rekordzeit von 3:13,51 Minuten für das Finale am Abend, wo sie dann eine Hundertstelsekunde langsamer waren und Sechste wurden.

          Auf den Einzelstrecken zog Sarah Poewe über 100 Meter Brust ins Halbfinale ein, wo ihr dann allerdings nur Platz elf blieb - ihre Vorlaufzeit von 1:07,12 Minuten hätte für das Finale gereicht. Über 100 Meter Rücken kann Helge Meeuw nach seinem siebten Platz im Halbfinale in 53,52 Sekunden an diesem Montag im Endlauf um eine Medaille kämpfen.

          „Die Mannschaft hat den Ernst der Lage erkannt und den Kampf bei den Spielen angenommen“, sagte Buschkow. Dennoch ist nach zwei Tagen auch offenbar geworden, dass die Medaillen in London sehr hoch hängen für die deutschen Schwimmer.

          Weltrekorde von Vollmer und van der Burgh

          Weltmeisterin Dana Vollmer aus den Vereinigten Staaten hatte den zweiten Finaltag der Schwimmer mit dem zweiten Weltrekord der Olympischen Spiele in London eröffnet. Die Staffel-Olympiasiegerin von 2004 siegte über 100 Meter Schmetterling in 55,98 Sekunden und blieb damit als erste Frau in einem Rennen unter 56 Sekunden.

          Cameron van der Burgh wurde danach als erster südafrikanischer Schwimmer Olympiasieger. Der vom früheren deutschen Bundestrainer Dirk Lange betreute WM-Dritte setzte sich mit Weltrekordzeit von 58,46 Sekunden durch. Er verbesserte die alte Bestmarke des Australiers Brenton Rickard um zwölf Hundertstelsekunden.

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