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Robert Harting : Ein einsamer Kämpfer

Für sich? Oder für Deutschland? Harting und die Goldmedaille Bild: AFP

Diskuswerfer Robert Harting ist das deutsche Gesicht der Olympischen Spiele in London. Er hat vieles geopfert und Gold gewonnen - und fühlt sich doch vom Staat vernachlässigt: „War Angela Merkel bei uns?“

          Berlin. Robert Harting ist groß. Auf olympische Dimensionen hat der amerikanische Sportartikelhersteller Nike das Abbild des mächtigen Goldmedaillengewinners vergrößert. In der Nachbarschaft von dessen Vorzeige-Shop in der Tauentzienstraße von Berlin hängt Harting gleich zwei Mal im Himmel. Als der Diskuswerfer am Freitagabend im Original zu Filmaufnahmen und Fotoshooting vor dem Hintergrund seiner selbst erscheint, bildet sich ein Menschenauflauf. Händeschütteln, Autogramme, Fotos - der Riese von 2,01 Meter Körpergröße ist die Freundlichkeit in Person.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er lächelt und erfüllt jeden Wunsch. Für den Fotografen hängt er sich die Goldmedaille um. „Ich erlebe, dass alle sehr stolz sind“, sagt er. „Das mit den Riesenbildern brauche ich nicht fürs Ego. Aber dass ich die Leute stolz gemacht habe, finde ich cool.“ Schon am Flughafen Tegel begrüßte ihn, obwohl er dort am Dienstag mit sechs Stunden Verspätung aus London eintraf, eine lärmende Gruppe, die seinen Namen skandierte. Seitdem trainiert er wieder.

          Ein Holzhund im deutschen Haus

          Robert Harting ist sich treu geblieben. Die Sporthilfe wolle die Olympiaprämien abschaffen, erzählt er nach den Aufnahmen und lacht. Es ist ein bitteres Lachen. Die Prämien sind sein Thema. Schon vor London hatte er sich lustig gemacht über die 15.000 Euro, die von der Sporthilfe bei einem Olympiasieg zu erwarten sind. Am Abend seines Olympiasieges in London sprach er von 155.000 Euro Prämie - ein böser Witz. Harting hatte die 15.000 Euro mit den 140.000 Euro zusammengezogen, die einem Olympiasieger aus Griechenland winkten - und „die am Ende wir bezahlen“, wie Harting sagt.

          Er weiß, dass er zu diesem Thema noch einige Fragen zu beantworten hat, deshalb scherzt er: „Ich habe im deutschen Haus einen Holzhund geschenkt bekommen. Jetzt habe ich alles, was ich will.“ Die Überweisung von der Sporthilfe, womöglich die letzte Prämie in deren Geschichte, ist noch nicht eingegangen.

          Harting hielte die Abschaffung von Siegprämien zugunsten einer kontinuierlichen Förderung für falsch. „Damit verlagert man nur das Problem“, sagt er. Insgesamt verfüge die Sporthilfe über zu wenig Geld, und nun schaffe sie auch noch einen Anreiz zur Leistung ab. „Wer mit Bananen bezahlt, bekommt nur Affen“, zitiert er den ehemaligen Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange, mit dem er gerade gemeinsam in einer Talkshow saß.

          Gewichtheber Matthias Steiner, Olympiasieger von Peking 2008, sagte in dieser Sendung: „Das Gesicht dieser Spiele ist für mich Robert Harting.“ Das reicht Harting nicht, und auch die Medaille hat ganz offensichtlich einen größeren Symbolgehalt als Goldanteil - von ihr kann man jedenfalls nicht leben. Was würde eine richtige Belohnung, sagen wir: 150.000 Euro Siegprämie, verändern? „Das wäre der entscheidende Schritt, wie ich mich an einen Olympiasieg heranarbeite“, sagt der Olympiasieger.

          „Der perfekte kantige Olympionike“ nennt das Fachblatt „Werben & Verkaufen“ den 27 Jahre alten Berliner. Vom Deo bis zum Lkw könne er für alles stehen, und bis Rio 2016 werde er interessant bleiben. Das Problem: Harting ist wirklich kantig. Noch ist er nicht bereit, über seine Zukunft als Spitzensportler nachzudenken, da er sich bereits das Knie derart ruiniert hat, dass er trotz einer Operation im vergangenen Jahr nur unter Schmerzen oder unter hohen Dosen von Schmerzmitteln trainieren konnte.

          „Du bist eine Nutte“

          Schon vor den Spielen hatte Robert Harting beklagt, dass er nur einen Bruchteil seines Werbewertes von fast einer halben Million Euro einspiele. Daraufhin meldeten sich die ersten potentiellen Sponsoren. Durch den Olympiasieg dürfte sich das Interesse vergrößert haben. „Ich kann nicht sieben, acht Sponsoren bedienen“, wehrt Harting nun ab. Wenn allein jedes Unternehmen fünf, sechs Termine für Autogrammstunden oder Fotoshootings verlange, und das sei sein gutes Recht, sagt Harting, sei das unmöglich mit dem Sport zu vereinbaren: „Da bist du nur am Rennen. Du bist eine Nutte.“

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