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Oscar Pistorius „95 Prozent sind für mich“

Es ist eine Frage, die polarisiert: Soll ein Prothesenläufer bei Olympia starten dürfen? In der F.A.Z. beschreibt Oscar Pistorius, warum seine Teilnahme in London richtig ist und was man über das Laufen mit Beinprothesen wissen muss.

© dpa Startschuss in London: Oscar Pistorius steht im Halbfinale über 400 Meter

Das Bein, das ich benutze, ist ein Modell, das seit 1996 hergestellt wird. 75 Prozent der Top-Paralympier benutzen genau dieses Modell. Ich habe keine anderen Beinprothesen benutzt, seit ich 2004 angefangen habe. Der Sportgerichtshof Cas hat entschieden, dass dieses Modell uneingeschränkt benutzt werden darf.

Die Fortschritte, die ich seitdem gemacht habe, haben nichts mit irgendwelchen Vorteilen zu tun oder mit Änderungen an den Prothesen, sondern nur mit hartem Training und den vielen Opfern, die ich gebracht habe. Kein Zweifel, dass sie bei den Fortschritten, die es gibt, eines Tages in der Lage sein werden, ein prothetisches Bein zu bauen, das dir Vorteile verschafft, wenn sie das nicht schon längst können. Aber ich bin zufrieden mit dem Bein, das uns erlaubt ist und das keinen Vorteil verschafft.

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Um den Vorteil zu belegen, hat der Welt-Leichtathletikverband IAAF drei Tests im Verlauf von zwei Tagen gemacht. Wir haben in über drei Wochen sechzehn verschiedene Tests gemacht. Ich bin getestet worden, die Prothesen sind isoliert getestet worden. Es ging um Beschleunigung, Abbremsen, anhaltende Laufgeschwindigkeit, Energieverlust in Sehnen und Gelenken.

Manchmal verschwende ich Zeit damit, viele von den unrichtigen Informationen dort draußen zu lesen. Was man nicht vergessen darf, ist, den Gesamtvorteil und den Gesamtnachteil aufzuwiegen. Ich habe Leute sagen hören, dass ich dadurch einen Vorteil hätte, dass ich ohne Beine leichter sei. Aber ich habe auch weniger Blut. Ich habe keine Sehnen, weil Füße und Unterschenkel amputiert sind. Es wird immer über die Vorteile gesprochen und selten über die Nachteile.

Eine einfache Prothese verschafft mir mehr Vorteile

Wenn das wirklich so ein avanciertes Stück Ausrüstung wäre, das es seit gut vierzehn Jahren gibt, das Tausende von paralympischen Athleten benutzen, warum brechen sie dann nicht alle Rekorde, warum rennen sie nicht alle an 45 Sekunden ran über 400 Meter oder 46 oder auch nur 49? Man könnte viele Worte machen. Aber am Ende ist es ganz einfach: Dies ist ein Stück Ausrüstung.

Es ist nicht wirklich schwer herzustellen; es ist aus einem Stück Kohlefaserstoff gemacht, wie er seit zwanzig Jahren für Prothesen benutzt wird. Die einfache Prothese, die ich im Alltag trage, verschafft mir mehr Vorteile als diese Rennprothese. In der Leichtathletik werden ständig die Schuhe verbessert, es wird geforscht, und sie werden den Sportlern maßgeschneidert.

Es wird immer so viel Staub aufgewirbelt

Meine prothetischen Beine sind nicht maßgeschneidert. Zehntausende paralympische Athleten benutzen sie. Es gibt keinen Vorteil. Wenn ich auf die Ablehnung gehört hätte, die mir entgegenschlägt, wäre ich nicht hier bei den Olympischen Spielen. 95 Prozent der Menschen sind für mich. Was das Anderssein angeht: Bei den Olympischen Spielen sind schon Läufer gestartet, deren Sehfähigkeit eingeschränkt war.

Es wird immer so viel Staub aufgewirbelt. Ich glaube nicht, dass viele Athleten dagegen sind, gegen mich zu laufen. Wir trainieren gemeinsam, wir rennen gemeinsam. Ich habe das Gefühl, dass sie mich ziemlich normal finden. Am Ende des Tages laufen wir alle 400 Meter. Dazu muss man seinen Körper benutzen. Ich trainiere sehr hart dafür. Wenn der Unterschied zwischen mir und anderen ein Grund sein soll, mich auszuschließen, muss das diskutiert werden.

In meinem Herzen weiß ich, was recht ist

Aber ich will mich nicht darauf einlassen. Es wird immer jemanden geben, der seine Meinung sagen will. Meine Geschichte ist jedes Jahr besser geworden. Man kann seine Gefühle diskutieren, die moralische Seite. Aber gucken wir auf die Fakten: Der Cas hat geurteilt. Das Urteil ist leicht zu finden im Internet. Jeder kann es nachlesen. In meinem Herzen weiß ich, was recht ist. Ich würde hier nicht laufen, wenn ich Zweifel hätte.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.08.2012, 16:40 Uhr