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Freizeitsport an Copacabana : Wo jeden Sonntag Olympia ist

  • -Aktualisiert am

Olympische Spiele mal anders: An der Copacabana finden in der Dämmerung abseits der Arenen kleine Beachvolleyball-Spiele statt. Bild: Getty Images

An der Copacabana sind alle gleich, Hauptsache, sie treiben Sport. Einmal in der Woche tragen dort die Einheimischen ihre Spiele aus.

          Die wöchentliche Revolution beginnt mit Sirenengeheul. Die kleine Armada der Polizeifahrzeuge verscheucht kurz nach Sonnenaufgang die Autos von der Avenida Atlantica. Von nun an gehört der küstennahe Teil der sechsspurigen Verkehrsschlagader Rio de Janeiros ganz alleine dem Volk. Die ersten Revolutionäre kommen schon kurz nach sieben. Diesmal sind es rote Herzen, die sie in den Sand der Copacabana stecken. Darüber flattert ein Plakat im Wind, dessen rote Schrift auf weißen Grund mit dem Blau des Himmels um die Aufmerksamkeit des Betrachters kämpft. Es geht um die Bildungspolitik, eines der großen Sorgenkinder der Regierung. „Bildung ist Menschenrecht“ steht auf der Leinwand, die eine Gruppe von Frauen tapfer gegen die heftigen Windböen verteidigt.

          Marta, die resolute Frau, die das Kommando hat, gibt noch ein paar Tipps: „Tiefer in den Sand eingraben. Die dürfen nicht umfallen“, ruft die pensionierte Lehrerin. Nach einer guten halben Stunde ist das Meer von roten Herzen im Sand aufgestellt, sind die Plakate plaziert. Für die nächsten Stunden beginnt der Kampf um die Fotos, die sich ihren Weg in die sozialen Netzwerke fressen sollen, damit möglichst viele Menschen etwas von der Aktion mitbekommen. Genau deshalb stehen sie hier, weil die Kulisse so einmalig ist. Weil die Menschen am Sonntag hierherkommen, um ich zu entspannen. „Aber sie nehmen sich eben auch mal eine Minute Zeit, um sich mit uns auseinanderzusetzen. Und alle haben ihre Handys dabei, um Bilder zu machen“, sagt Marta.


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          Die Avenida Atlantica ist die vielleicht olympischste Straße Rios. Hier vermischen sich Sport und Politik. Alle Hautfarben, alle sozialen Schichten, alle Religionen verschmelzen hier zu einer großen Community. Zumindest für ein paar Stunden. Diesmal versammeln sich die Gegner und Befürworter der endgültigen Amtsenthebung der suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff. Zurzeit haben die Gegner des Interimspräsidenten und Profiteurs des Machtwechsels Michel Temer zumindest in der internationalen Medienwelt die Nase vorn. Das beflügelt: „Golpista“ haben sie auf den Asphalt gemalt: Einen Putschisten nennen sie Temer.

          Sogar auf den Balkonen der Luxusapartments mit Blick auf die Copacabana ist zu lesen: „Kein Putsch“. Unmittelbar vor Beginn der Olympischen Spiele trafen sich hier ein paar Tausend Anhänger von Rousseffs Arbeiterpartei, um gegen die Amtsenthebung zu demonstrieren. „Fora Temer“ (Temer raus) brüllen sie und schmeißen sich vor die Kameras der Weltpresse. Als wenig später auch im Beachvolleyball-Stadion ein paar Plakate auftauchen, werden sie vom Rest der Brasilianer allerdings niedergebrüllt. Sie haben eine andere Wahrnehmung der Geschichte. Sie halten Rousseff für eine Komplizin des korrupten Netzwerkes der brasilianischen Politik. Auch das Anti-Dilma-Lager hat seine Kräfte gebündelt. Vor Wochen versammelten sie hier Hunderttausende. Doch auf der Avenida Atlantica geht es trotz aller Differenzen friedlich zu. Gewalt, zumindest bei politischen Demonstrationen, ist den Brasilianern fremd.

          Die Jugend der Welt trifft sich derzeit in Barra da Tijuca zu den Olympischen Spielen. Aber auf der Avenida Atlantica trifft sie sich jeden Sonntag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Und sie nutzen den Sport zur Kommunikation. Denn in dem babylonischen Sprachengewirr der Vielvölkerbesucher ist manchmal ein guter Aufschlag beim Beachvolleyball oder ein toller Pass beim Fußball im Sand der Beginn einer jahrelangen Freundschaft. Es sind die Olympischen Spiele der Cariocas, wie die Einwohner von Rio de Janeiro heißen. Klimmzüge an den öffentlichen silbernen Turngeräten, Inlineskater auf dem Asphalt, Schmettern im Sand. Wer will, findet hier zehn, zwölf verschiedene Wettbewerbe und Sportarten gleichzeitig. Jeden Sonntag. Mal organisiert von der Strandfußballliga, mal spontan.

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