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Olympischer Geist : Läuferinnen helfen einander auf die Beine

Sturzopfer Abbey D’Agostino und Nikki Hamblin: „Wir müssen das hier beenden“ Bild: Reuters

Die Neuseeländerin Nikki Hamblin und die Amerikanerin Abbey D’Agostino stürzen im Vorlauf über 5000 Meter. Beide zeigen olympischen Sportsgeist – und werden sogar dafür belohnt.

          Ellenbogengesellschaft in der Leichtathletik? Olympischer Verdrängungswettbewerb um jeden Preis? Nicht immer und nicht überall. Im zweiten Vorlauf über 5000 Meter zeigen in Rio de Janeiro zwei Läuferinnen vorbildliches Verhalten. Die Neuseeländerin Nikki Hamblin und die Amerikanerin Abbey D’Agostino waren im Pulk des Langstreckenlaufs zu Boden gegangen - und halfen sich anschließend gegenseitig wieder auf die Beine.

          Hamblin war im Gedränge zuerst gestürzt und hatte D’ Agostino mitgerissen. Die 24 Jahre alte Amerikanerin hätte allen Grund gehabt, sauer zu sein. Doch nachdem sie sich als Erste aufgerappelt hatte, hetzte sie nicht etwa dem enteilten Feld hinterher, sondern schaute nach ihrer Konkurrentin. „Auf einmal war da eine Hand auf meiner Schulter", schilderte die vier Jahre ältere Hamblin später den ersten Moment nach dem Schock. D’Agostino habe ihr zugerufen, sie müsse aufstehen und weiterlaufen, so Hamblin: „Ich bin ihr so dankbar, dass sie das gemacht hat. Sie verkörpert den wahren olympischen Geist."

          Lange Umarmung im Ziel: so entstehen Freundschaften Bilderstrecke

          Im weiteren Verlauf des aussichtslosen Rennens zeigte sich dann, dass die Neuseeländerin noch die Stärkere der beiden ist. Die Amerikanerin hatte sich dem ersten Anschein nach eine Knieverletzung zugezogen. Und nun war es an Hamblin - sie zu stützen und anzufeuern.

          Am Ende kam Nikki Hamblin, deren Bestzeit bei 15:18,02 liegt, nach 16:43,61 Minuten mit knapp eineinhalb Minuten Rückstand auf Laufsiegerin Almaz Ayana (15:04,35) aus Äthiopien als Vorletzte ins Ziel. Abbey D'Agostino, die in ihren Glanzzeiten schon mal 15:03,85 schaffte, schleppte sich unter sichtbaren Schmerzen eine weitere halbe Minute später über die Ziellinie, wo sie von Hamblin schon erwartet wurde. Beide fielen sich in die Arme und verharrten für eine ganze Weile in dieser Pose. Wegen ihrer Knieschmerzen musste D'Agostino anschließend sogar im Rollstuhl aus dem Stadion geschoben werden.

          Nach Ansicht aller Szenen erwiesen sich auch die Kampfrichter des Internationalen Leichtathletik-Verbandes überraschend salomonisch. Sie entschieden, dass beide Läuferinnen eine Wildcard für das Finale am Freitag (21.40 Uhr Ortszeit) bekommen. Nikki Hamblin und Abbey D'Agostino werden dort vermutlich keine Medaillen holen, selbst wenn sie ohne Sturz ins Ziel finden – aber die Herzen des Publikums haben sie längst gewonnen.

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