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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Olympia-Kommentar Heras Badeanstalt

 ·  Der griechischen Göttin Hera zu huldigen mag ein wenig rückständig sein. Aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) weiß schon, was es tut, wenn es immer wieder zu den antiken Ruinen Olympias zurückkehrt.

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© dpa Kostümfest in Hera-Gewand: Die Entzündung der olympischen Flamme

Das IOC hält dort eine Art Kostümfest ab. Dann hüllt sich eine Schauspielerin in das hohepriesterliche Faltengewand, ruft die Zeus-Gattin an und lässt in einem Hohlspiegel das Feuer für die folgenden Spiele aufflammen.

Immer dasselbe Schauspiel

Hera, so geht die Sage, war eine frühe Kunstspringerin. Jedenfalls tauchte sie auf Samos einmal im Jahr in den Fluss Imbrasos und stellte damit ihre Jungfräulichkeit wieder her. Damit ist der Fall klar: Solch ein Reparaturbad hie und da könnte dem IOC und seinen Partnern auch guttun.

Am Donnerstag war wieder einmal Hera-Tag: Die Flamme für London wurde in Anwesenheit höchstrangiger Olympier entzündet, und nun rennen, bevor der Zünder England erreicht, erst einmal 500 Fackelträger durch Griechenland.

Vorbei an Trümmern der Volkswirtschaft

Sie rennen vorbei an den Trümmern der hellenischen Volkswirtschaft, um schließlich in Athen anzukommen, wo die leeren Prunkstadien der Olympischen Spiele 2004 vor sich hin gammeln. Aber dieser Sündenfall liegt lange zurück. London soll ihn endgültig vergessen machen: Nachhaltigkeit ist inzwischen olympische Disziplin geworden. Dem stimmen die olympischen Sponsoren feurig zu. Nehmen wir nur die sogenannten Nachhaltigkeits-Partner der Spiele 2012, BP oder Electricité de France (EdF).

Mangels eines eigenen Flusses Imbrasos haben sie Olympia selbst gewählt, um sich reinzuwaschen. BP liefert Biosprit aus Zuckerrohr und Gräsern, um mehr als 5000 olympische Fahrzeuge anzutreiben. Und EdF, allein in England Betreiber von 15 Atomreaktoren, wird die Spiele mit Strom versorgen. Schließlich hat London 2012 den Anspruch einer vorbildlichen Kohlendioxidbilanz.

Assoziationen sollen verschwimmen

So sollen irgendwo in den Zwischenräumen der fünf Ringe andere Assoziationen verschwimmen: Der Gedanke an die Ölpest vor zwei Jahren im Golf von Mexiko. Oder an die Reaktorkatastrophe in Fukushima. Es wird sich zeigen, ob man seine Weste einfach so durchs olympische Weihwasser ziehen kann. Der IOC-Sponsor Dow Chemical jedenfalls wird trotzdem immer wieder mit der Giftkatastrophe von Bhopal 1984 konfrontiert. Aber die Olympier halten mit großem Stehvermögen zu ihrem Geldgeber. Schließlich haben sie Erfahrung: Man kommt mit Zählen nicht mehr nach, wie oft es seit 1896 schon hieß, Olympia habe seine Unschuld verloren. Als Täter bezichtigt wurden Doper, Politiker, Brachial-Vermarkter, Gigantomanen oder übermächtige Fernsehbosse. Doch dank Heras Gunst ist immer alles gutgegangen, denn im Zweifel hilft, sollte man keinen antiken Fluss zur Hand haben, bei Olympia auch schon mal ein Bad in der Menge.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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