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Olympia-Kommentar Gedopter Reporter

21.02.2006 ·  ARD-Moderator Gerd Rubenbauer versucht sich als Dopinganalytiker. Dabei ist seine Art der Ferndiagnose unpassend. Denn jede Verharmlosung fängt bei der unpassenden Wortwahl an. Und die inflationäre Verwendung eines Begriffes stumpft seine Aussagekraft ab.

Von Hans-Joachim Waldbröl
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Nun nehmt ihn doch endlich! Wie oft soll sich Gerd Rubenbauer denn noch als Dopingfahnder bewerben? Ständig seid Ihr Not am Mann - hört man. Und dieser Bursche hat wirklich immense Kenntnisse in erfindungsreicher Biochemie und ein phänomenales Gespür für den gefühlten Betrug von Sportlern, die ungehemmt drauflosmanipulieren.

Also weg mit diesen nächtlichen Überfällen, lästigen Urintests und aufwendigen Blutproben. Wer braucht denn noch Labors mit komplizierten Gaschromatographen oder Massenspektrometern, um nach Tagen und Wochen herauszubekommen, daß ein Sportler oder ein Athlet verbotene Mittel geschluckt oder gespritzt hat, um seine schlechter gedopten Gegner abzuhängen: Kostet alles viel zuviel Personal, Zeit und Geld.

„Das ist Doping der besonderen Art“

Rubenbauer macht das billig und schnell, passend und übrigens ganz gegen den Trend seines Mediums, das solche Schmuddelthemen gerne ausblendet: per Television. Gewissermaßen Dopinganalytik mit Ferndiagnose. Und wie der böse Zufall es will, hat er just an diesem vermaledeiten Montag einen der ohnehin schon blutgebeutelten Österreicher erwischt; sogar einen dicken Fisch, der gerade erst Doppel-Olympiasieger geworden ist: Thomas Morgenstern. Als der Skispringer, der schon Gold auf der Großschanze gewonnen hat, im Mannschaftswettbewerb wieder einen weiten Satz machte, enttarnte ARD-Experte Rubenbauer sofort dessen Erfolgsgeheimnis: "Das ist Doping der besonderen Art."

Dieser visuelle Beweis ist dem Kommentator schon zum wiederholten Male in diesem Winter gelungen. Auch bei den alpinen Rennläufern entgeht nichts seinem unerbittlichen Blick. Wenn ein Slalomläufer im ersten Durchgang eine besonders flotte Fahrt hinlegt: "Doping der besonderen Art." Wenn eine Abfahrerin sich durch eine Bestzeit als Favoritin für den folgenden Superriesenslalom empfiehlt: "Doping der besonderen Art."

Warum hakt da keiner nach?

Warum hakt da eigentlich kein Fahnder mal mit einer Zielkontrolle nach? Oder, um das schlimme Thema ganz im gebührenden Ernst abzuschließen, ein sensiblerer Kollege mit einem wohlmeinenden Wortvorschlag: Anreiz, Ansporn, Ermutigung, Motivationsschub - anschaulich genug, um das auszudrücken, was Rubenbauer, der - ehrlich! - ein ansonsten exzellenter Skifachmann und ideenreicher Wortschöpfer ist, eigentlich sagen will. Dann sollte er es auch tun - und Doping nur in den Mund nehmen, wenn es passiert. Dazu gibt es leider oft genug Gelegenheit. Jede Verharmlosung fängt bei der unpassenden Wortwahl an. Und inflationäre Verwendung eines Begriffes stumpft seine Aussagekraft bekanntlich ab: das nur als Hinweis der besonders bescheidenen Art.

Quelle: F.A.Z. vom 22. Februar 2006
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