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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Tennis Murrays erster Wimbledon-Sieg

 ·  Der Schotte Andy Murray lässt sich vom Olympiateam des vereinigten Königreichs inspirieren. Er deklassiert Roger Federer im olympischen Tennis-Finale in Wimbledon und wird zum Liebling aller Briten.

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© REUTERS Großer Brite: Andy Murray

Eine Woche lang hatte sich Andy Murray so entspannt gegeben wie nie zuvor in Wimbledon. Lächelnd ließ sich der Schotte überall sehen, genoss sichtlich die olympische Ausnahmesituation, nur einer von vielen britischen Hoffnungsträgern zu sein. Und nicht, wie alle Jahre wieder, wenn im Frühsommer die All England Championships anstehen, die Last des ganzen Königreichs auf seinen Schultern tragen zu müssen. Wenn er die Zeitungen gelesen oder den Fernseher angeschaltet habe, sagte Murray, wären andere abgefeiert worden: „Ich musste nicht zuhören, wie jeder nur über mich sprach.“

Die außergewöhnliche Ruhe ist seit Sonntag vorüber: Auch Murray wurde zu einem Liebling der Spiele, indem er die kunterbunten „Wimblympics“ (The Times) für sich vergoldete. „Es ist unglaublich, ich hatte es nicht erwartet“, sagte der Schotte, der 104 Jahre nach dem ersten britischen Olympiasieg zum zweiten Spieler wurde, der am Ende triumphierte. Nicht nur auf dem sonst so gediegenen Centre Court, auf dem tausendfach gejubelt und hundertfach der „Union Jack“ geschwenkt wurde, gerieten die Landsleute aus dem Häuschen.

Der Fünfundzwanzigjährige besiegte in einer einseitigen Neuauflage des Londoner Herren-Finals vor vier Wochen Roger Federer 6:2, 6:1 und 6:4. Er habe sich inspirieren lassen von den Kollegen aus dem Team Großbritanniens, die tags zuvor sechsmal Gold sammelten: „Das Momentum des Teams ist einfach gut gewesen“, sagte Murray, der am Vorabend den Leichtathleten im Olympiastadion die Daumen gedrückt hatte.

Dagegen musste sich Federer auf seinem Lieblingsbelag mit Silber begnügen und damit, dass er schon einmal Gold umgehängt bekam: vor vier Jahren in Peking, als er mit Stanislas Wawrinka im Doppel gewann. Gegen den mächtigen Murray kam Federer nicht einmal in die Nähe einer Chance, zusätzlich zu seinen Titeln bei allen vier Grand-Slam-Turnieren auch bei Olympia zu triumphieren und den sogenannten „Karriere Grand Slam“ zu komplettieren, den bisher nur die Herren Andre Agassi und Rafael Nadal erreichten.

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Am Ziel seiner Träume: Andy Murray © AFP Am Ziel seiner Träume: Andy Murray

Andy Murray hatte die Chance gewittert und genutzt. Zwar hatte ihn Federer zuvor bei drei bedeutenden Finalbegegnungen besiegt. Doch anders als bei den Grand-Slam-Endspielen von US Open (2006), den Australian Open (2010) und in Wimbledon vor vier Wochen war der Schweizer den finalen olympischen Druck nicht gewohnt. „Die meisten Situationen hat er schon einmal erlebt, aber er nie zuvor um Gold gespielt“, hatte Murray gehofft. Gleich im allerersten Spiel musste sich der Schotte zweier Breakbällen erwehren. Doch sein Gegner zeigte an diesem Tag erstaunliche Schwächen, auch beim Abschluss.

Im zweiten Satz, als Federer dem Spiel womöglich noch eine Wende hätte geben können, konnte er beim Stand von 0:2 sechs Gelegenheiten, Murrays Aufschlag zu durchbrechen, nicht nutzen. Murray hielt sein Service bis zum letzten allerletzten Punkt und nutzte seinen ersten Matchball nach 1:56 Stunden mit einem Ass.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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