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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Olympia-Kommentar Schlaflos bis 2020

 ·  150 Wissenschaftler und 850 Mitarbeiter sollen Doper in London überführen. Nur: Die Spuren könnten längst verwischt sein - oder das Mittel der Wahl nicht nachweisbar. Die Hoffnung liegt im Eisfach.

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© dpa Das Schlussklassement steht noch nicht: Athen 2004

Rekorde sind seit Jahren eine heikle Angelegenheit: gerne gesehen, aber schnell in Frage gestellt. So kann man auch den ersten sicheren Weltrekord noch vor Beginn der Olympischen Spiele einschätzen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird nach eigenen Angaben 6350 Anti-Doping-Kontrollen (inklusive Paralympics) in Auftrag geben, so viele wie noch nie in seiner von Manipulations-Skandalen erschütterten Geschichte. Ist das denn kein gutes Signal?

In London wird angepackt, hier werden 150 Wissenschaftler und 850 Mitarbeiter ausgesandt, den Spitzbuben das Handwerk zu legen. Das Labor, sagt ein Analytiker mit Einblick in den Enthüllungskomplex, genügt höchsten Ansprüchen. Wahrscheinlich werden diesmal alle verfügbaren und gerichtsfesten Untersuchungsmethoden angewandt. Vor vier Jahren in Peking war das nicht der Fall.

Deshalb gab Hugh Robertson, der für Sport und Olympia zuständige Staatssekretär, mit stolz geschwellter Brust das Ergebnis vor der Jagd bekannt: „Unsere Nachricht an jeden Athleten, der über Doping nachdenkt: Wir kriegen dich.“

Die Qual der Wahl

Noch so ein Weltrekord nach Ansage: eine hundertprozentige Trefferquote. Englands Meisterdetektiv Sherlock Holmes hätte andere Schlüsse aus der komplizierten Doping-Materie gezogen.

Erstens: Potentielle Delinquenten unter den Kraftbolzen der Spiele neigen bei Sachverstand eher dazu, sich lange vor Beginn der Wettkämpfe mit Anabolikakuren aufzublasen und die Spuren mit einer rechtzeitigen Absetzung zu verwischen. Diese Damen und Herren muss man vorher überführen.

Zweitens: Wer sich während der Spiele für die kurzfristige, pharmakologische Steigerung seiner Ausdauer entscheidet, hat die Qual der Wahl. Von dem Medikament Erythropoietin, seit gut zwanzig Jahren beliebt unter Manipulateuren, gibt es seit Ablauf des Patentes etwa 160 Varianten.

Zeitspiel bis zur Verjährung

Das sagen Experten, die nach ihnen fahnden. Etwa achtzig können sie zurzeit entdecken, die anderen achtzig nicht. Kombiniere: Wer nicht genau weiß, wonach er suchen muss, wird auch nichts finden.

Das ist betrüblich, aber kein Grund, die Fahndung einzustellen. Im Gegenteil. Denn neben den groben Fehlern der Betrüger gibt es für die Doping-Jäger eine zweite Chance. In den Kühlschränken des IOC-Labors von Lausanne sollen die 6350 Proben acht Jahre überwintern. Bis zur Verjährung bleibt also genügend Zeit, bislang unbekannte Substanzstrukturen aufzuspüren oder bessere Nachweismethoden zu entwickeln. Das ist schon gelungen.

Weil die Öffentlichkeit im Frühjahr das IOC zu Nachtests zwang, zittern angeblich Olympioniken der Spiele von 2004 in Athen vor einer Entlarvung im letzten Moment. Die Nachricht von positiven Fällen kam wohl nicht ganz zufällig gut zwei Wochen vor dem Start in London an die Öffentlichkeit. Falls nun auch noch Namen bekanntwerden sollten, dann entfacht das Zeitspiel seine zweite große Wirkung: Jeder Doper merkt, dass er sich nicht sicher sein darf.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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