Vermutlich sind sie es bei der Sporthilfe leid, dass ihnen ständig vorgehalten wurde, was Olympiasieger in anderer Herren Länder für Belohnungen erwarten dürfen: Haus am Meer, Luxusauto, Berge von Geld. Im Vergleich zu diesen Reichtümern wirken die 15.000 Euro, mit denen die Stiftung aus Deutschland den Goldmedaillen ihrer Athleten ein bisschen Glanz aufzusetzen versucht, sehr bescheiden. Auf 1,25 Millionen Euro Prämien summieren sich die deutschen Erfolge von London trotzdem, und nach allem, was man so hört, dürfte dies das letzte Mal gewesen sein, dass die Sporthilfe Erfolge honoriert.
Das liegt womöglich auch daran, dass nicht nur einzelne Canadierfahrer und Diskuswerfer Goldmedaillen gewinnen, sondern Beachvolleyballspieler, Kanuten und Radsprinterinnen paarweise, Ruderer im Achter (plus Steuermann) und Hockeyspieler zu sechzehnt. Das kostet. Und dann fordern auch noch die Athleten der Paralympics Gleichbehandlung. Mit rund zehn Millionen Euro fördert die Sporthilfe knapp viertausend Sportlerinnen und Sportler. Rechnerisch entspricht das einem monatlichen Essenszuschuss von 208 Euro.
Praktisch ermöglicht das Budget immerhin eine Eliteförderung bis gut zweitausend Euro monatlich - allerdings für kaum mehr als drei Dutzend Athleten und nur vor Olympia. Nun hält sich die Sporthilfe einiges darauf zugute, unsere freie Gesellschaft zu vertreten und nicht zu agieren wie besagter Länder Herren. Diese überschütten ihre sportlichen Lieblinge schon mal mit Gaben, die sie ihrem Volk geraubt haben, welches dennoch zu Hymne und Flagge jubeln soll. Solche Herrscher setzen gern auch Leibrenten aus, etwas, das auch bei uns immer mal in der Diskussion aufscheint.
Sporthilfe setzt auf Unterstützung von Herausforderern
Nur: Welche Art von Gerechtigkeit ist das, wenn der Zweite, wegen einer Hundertstelsekunde oder eines Messfehlers vielleicht, auf gesellschaftliche Absicherung verzichten muss? Und der Vierte schon gar? Die Sporthilfe setzt statt auf Rente für Sieger auf breite Unterstützung von Herausforderern. Was heute in die Möglichkeit zur beruflichen Ausbildung fließt, kommt morgen verzinst als Rente zurück. Insofern haben Monatsbeiträge einen Sinn, die sich ergeben, wenn man die Medaillenprämien in Monatszahlungen für alle vierhundert Mitglieder der Olympiamannschaft 2012 umlegt: 260 Euro für jeden.
Das ist klug gedacht, das ist gerecht gehandelt. Doch die Sporthilfe sendet damit verhängnisvolle Signale. Sie schafft in der Siegprämie eine starke Geste der Gesellschaft für ihre Sieger ab. Sie nimmt Athleten einen mehr als symbolischen Anreiz, Leistung in Erfolg umzumünzen. Unterm Strich aber steht das deutlichste Signal: Das Geld der Sporthilfe reicht nicht, um zu fördern und zu belohnen. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Aber Prämien für unsere Olympiasieger sind nicht drin?