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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

London Calling Zwischenruf aus Helsinki

 ·  Die Leistungssteuerung ist auf Olympia ausgerichtet, doch kommende Woche messen sich Europas Leichtathleten erst mal bei den Europameisterschaften in Helsinki - für manche könnte es das Sprungbrett nach London sein.

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© IMAGO Sprunghoffnung für Helsinki: Sinje Florczak

Olympia ist das Größte für Sportler, so heißt es immer, aber manche freuen sich auch auf kleinere Ereignisse. „AHHH!!!! EUROPAMEISTERSCHAFTEN - ICH BIN DABEI!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ hat zum Beispiel Weitspringerin Sinje Florczak bei Facebook gepostet, nachdem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Montag ihre Nominierung für die EM kommende Woche in Helsinki (27. Juni bis 1. Juli) bekannt gegeben hat.

Ihre Freude ist berechtigt, schließlich ist die für den LC Paderborn springende Hamburgerin mit 25 Jahren zum ersten Mal bei einem Großereignis am Start und sie hatte auch ein bisschen Glück, dass der DLV ein Auge zudrückte: die EM-Norm liegt bei 6,65 Meter, Sinje Florczaks Bestleistung einen Zentimeter darunter.

Nicht alle deutschen Leichtathleten gehen die europäischen Titelkämpfe im Olympiajahr so begeistert an wie die Spätberufene von der Elbe. „EM ist halt EM. Und Olympia ist halt das, auf was man sich vorbereitet“, sagt Christina Obergföll so beiläufig, wie es nur geht. Die Speerwerferin ist mit 30 Jahren reich an internationaler Erfahrung und Medaillen, sie hat seit 2005 schon zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen und war in Peking 2008 sogar die einzige deutsche Leichtathletik-Medaillengewinnerin überhaupt.

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Eckpfeiler des deutschen Teams: Hochspringerin Ariane Friedrich (l.), Diskuswerfer Robert Harting und Sprinterin Verena Sailer © dpa Eckpfeiler des deutschen Teams: Hochspringerin Ariane Friedrich (l.), Diskuswerfer Robert Harting und Sprinterin Verena Sailer

„Schade, dass man zwei Höhepunkte in einem Jahr machen muss“, moniert Diskuswerferin Nadine Müller die vermeintliche Doppelbelastung, nicht realisierend, dass daraus auch doppelte Chancen erwachsen. Ihr Disziplinkollege Robert Harting ist da mit anderem Siegeswillen gesegnet: „Ich finde es sehr gut, dass zwei internationale Wettkämpfe stattfinden. So kann sich die Leichtathletik ein bisschen in den Vordergrund schieben“, meint der nimmermüde Berliner - und er ist immerhin schon zweifacher Diskus-Weltmeister.

„Wer nicht antritt, kann nicht Europameister werden“

Für Hochspringerin Ariane Friedrich könnte die EM erstmal der Rettungsanker einer bislang nicht befriedigend verlaufenen Saison werden. Nach ihrem Achillessehnenriss kam die Frankfurterin noch nicht über 1,92 Meter hinaus. EM-Norm zwar geschafft, Olympia-Norm dagegen noch nicht: die peilt sie nun in Helsinki an - am besten mit einem medaillenreifen Flug.

Für Verena Sailer war eine andere EM - die von 2010 - sogar das Schlüsselereignis ihrer Karriere gewesen. In Barcelona wurde die flotte Sprinterin vor zwei Jahren Europameisterin - seitdem darf sie sich „schnellste Frau von Europa“ nennen. Zwar fiebert auch sie schon Olympia entgegen, aber realistischerweise kann sie in London froh sein, wenn sie den Endlauf erreicht, während sie in Helsinki durchaus wieder als Sieganwärterin gilt.

Das vermeintliche B-Ereignis ist zu einer A-Meisterschaft aufgewertet worden, als die Meldeliste publik wurde: Die besten Nationen gehen mit voller Teamstärke an den Start, selbst die Briten, die sich auf die Heim-Spiele konzentrieren sollten, nominierten mehr als 100 Athleten. Da steht die deutsche Mannschaft mit 94 Sportlern nicht viel kleiner da.

Sprungbrett Helsinki

Es ist ja auch irgendwie logisch, dass alle, die gesund sind, daran teilnehmen: die Konkurrenz ist kleiner als bei Olympia; das Ereignis mit nur fünf Tagen Dauer überschaubar, und am Ende fragt keiner mehr nach, in welchem Jahr die Medaille gewonnen wurde, wenn sie denn gewonnen wird. „Wer in Helsinki nicht antritt, kann nicht Europameister werden“, sagt der für Leistungssport im DLV zuständige Günther Lohre lapidar: „Die Europameisterschaft ist kein Ereignis zweiter Klasse.“

Für Sinje Florczak ist es das Ereignis überhaupt. Die frühere Jugend-Meisterin hatte mit dem Sport schon abgeschlossen und erst nach einer zweieinhalbjährigen Auszeit wieder Feuer gefangen - wobei nicht auszuschließen ist, dass das familiäre Vorbild ihr auf die Sprünge geholfen hat: Vater Uwe Florczak ist Weitsprung-Bundestrainer.

Beim Karriere fördernden 6,64-Satz Ende Mai in Wesel hat die Tochter am Brett noch elf Zentimeter verschenkt - so dass sie nun sogar mit einer Teilnahme an den großen Spielen liebäugelt. Die Olympia-Norm liegt bei 6,75 Metern. Nicht auszuschließen, dass der Ruf aus London sie in Helsinki ereilt.

Die Olympischen Spiele vom 27. Juli bis zum 12. August werden das Sportereignis des Jahres 2012. Achim Dreis, Bernd Steinle und Peter Penders hören ihrer Zeit voraus: „London Calling“ - die vorolympische Kolumne bei FAZ.NET.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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