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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

London Calling Quoten-Teams und Österreicher

 ·  An den Olympiaturnieren in den großen Sportspielen nehmen 54 Nationen mit mindestens einem Team teil. Glaube keiner, dass jeweils die besten Mannschaften den Sprung nach London geschafft haben.

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© REUTERS Last-Minute-Qualifikanten: Nigerias Basketballteam

Volleyball, Hockey und Hockey. Dass sich nur drei von zwölf möglichen deutschen Mannschaften für die Olympischen Spiele in London qualifizieren konnten, hatte vielfältige Gründe: ein einzige Niederlage im falschen Spiel bei den Fußball-Frauen, verlorene Nerven bei den Wasserball-Männern oder das Überschreiten des Zenits der Handball-Männer.

Welche Länder haben es besser gemacht? Sieht man von Großbritannien ab, das als Gastgeber in allen zwölf Turnieren eine Wildcard besitzt, stellen die Spanier, deren Sportboom immer noch reziprok zur Wirtschaftskrise einhergeht, mit sieben Teams die größte europäische Armada. Besser vertreten als Deutschland sind außerdem noch Russland (6), Frankreich (5), Kroatien, Serbien und Italien (je 4).

Global betrachtet haben es nicht weniger als 54 Nationen von Ägypten bis Weißrussland geschafft, wenigstens ein Team in einem der zwölf Turniere von Basketball über Hockey bis Wasserball zu platzieren. Eine erstaunliche Vielfalt bei nur 144 Plätzen. Doch glaube keiner, dass jeweils die acht, zwölf oder 16 besten Mannschaften den Sprung nach London geschafft haben. Neben der Qualität steht die Quote, es wird sehr darauf geachtet, dass die ganze Welt angemessen vertreten ist.

Zwar dominiert Europa die Teilnehmerfelder mit 72 Mannschaften - also 50 Prozent - doch längst nicht in allen Sportarten. Während die Felder im Männer-Handball (neun) und -Wasserball (zehn) noch stark eurozentriert sind, was auch dem Leistungsstand entspricht, sind sie es im Frauen-Hockey (vier) und -Fußball (drei) überhaupt nicht.

Seltsam erscheint die Fragmentierung im Frauen-Fußball: Asien, Afrika, Nordamerika und Südamerika spielten jeweils zwei Startplätze, Ozeanien einen, in separaten Qualifikationsrunden aus. In Europa wurden dagegen einfach die beiden besten WM-Teams für Olympia gesetzt. Dass Deutschland da im Viertelfinale an Japan scheiterte - das ja nicht wirklich in Europa liegt - ist nur eine pointierte Fußnote dieses merkwürdigen Modus. Schweden und Frankreich profitierten davon.

Zersplittertes Afrika, zentriertes Amerika

Ein großer Gewinner der olympischen Quotenregel sind die Vertreter Ozeaniens: So darf Australien insgesamt sieben Mannschaften schicken. Die Sportsfreunde vom fünften Kontinent nutzen sehr geschickt die sich bietenden Chancen im Basketball und im Wasserball bei beiden Geschlechtern. Nur im Fußball hatte Australien zweimal das Nachsehen gegenüber Neuseeland. Dafür sicherten sich die beiden großen Nationen „Down Under“ im Hockey via Ozeanien-Cup sogar jeweils zwei Tickets.

Im Volleyball dagegen, wo dem fünften Kontinent kein eigener Startplatz zusteht, schafften es die Aussies über den Umweg Asienqualifikation. Nur im Handball waren sie zu schlecht, da kam Südkorea zum Zug, einer der weiteren großen Gewinner der Startplatz-Lotterie. Der Olympia-Ausrichter von 1988 ist mit sechs Teams in London vertreten. Dahinter stellen China (5) und Japan (4) die stärksten Kontingente Asiens. Insgesamt entsendet der Kontinent 19 Mannschaften.

Die 15 Vertreter Afrikas teilen sich auf zehn Nationen auf. Tunesien und Südafrika sind als stärkste Länder mit drei Teams vertreten - liegen also gleichauf mit Deutschland. Als allerletztes Team sprangen Nigerias Basketballer auf den Olympia-Zug - mit überraschenden Siegen in der weltweiten Last-Minute-Qualifikation gegen Griechenland und die Dominikanische Republik.

Von den 14 südamerikanischen Mannschaften kommen zwölf aus den beiden großen Staaten Brasilien (7) und Argentinien (5). Die 13 Plätze Nordamerikas gehen hauptsächlich auf ein Konto, nämlich das der Vereinigten Staaten (8). Kanada stellt zwei Vertreter, keine einzige Mannschaft - noch nicht mal im Volleyball - schickt dagegen die stolze Sportnation Kuba nach London. Sie teilt damit das Schicksal Österreichs, das ebenfalls leer ausgeht. Und das ist dann doch auch für die Deutschen wieder ein Trost.

Die Olympischen Spiele vom 27. Juli bis zum 12. August werden das Sportereignis des Jahres 2012. Achim Dreis, Bernd Steinle und Peter Penders hören ihrer Zeit voraus: „London Calling“ - die vorolympische Kolumne bei FAZ.NET.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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