Obwohl mehr als zweitausend Jahre alt, ist Taekwondo auf der Höhe der Zeit. Während im vergleichsweise jungen Fußball das Wohl und Wehe elektronischer Hilfsmittel bis zum Geht-nicht-mehr hin und her gewendet wird, um danach eine Entscheidung weiter aufzuschieben oder sich zu einem Reförmchen durchzuringen, macht die Kampfkunst ernst.
Obwohl erst zum vierten Mal im olympischen Hauptprogramm, hat sich Taekwondo seit seinem Debüt 2000 in Sydney in kurzer Zeit gehörig modernisiert. So werden in London die Tritte oder Schläge gegen Kopf oder Oberkörper erstmals auf dreifache Weise bewertet: Neben den traditionellen Kampfrichtern, deren alleiniges Urteil in der Vergangenheit oft die Gemüter erhitzte, kommen auch Videobeweis und elektronische Weste zum Einsatz.
„Die Elektronik ist kein Allheilmittel, aber ein echter Fortschritt“, sagt Helena Fromm, eine von zwei deutschen Taekwondo-Frauen, die seit Mittwoch um eine Medaille kämpfen. Zuvor seien die Kämpfe oft „politisch“ entschieden worden, behauptet die Sauerländerin. Was bedeutet: im Zweifel für Korea, das Mutterland des Taekwondo.
Zwei Unternehmen mit zwei verschiedenen Westen konkurrieren auf dem internationalen Markt. Das bedeutet für die Kampfsportler: Je nach Turnier müssen sie sich eine andere Weste umschnallen. In London wird jenes elektronische System benutzt, bei dem es weniger auf die Wucht der Treffer ankommt als auf die Annäherung an den Oberkörper.
„Sie ist schöner für unseren Sport, denn man kann mehr Kombinationen und Techniken ausführen“, sagt Helena Fromm. Für die Bewertung von Kopftreffern, die mehr zählen als jene auf den Oberkörper, erst recht, wenn sie mit dem Fuß aus einer Drehung heraus erzielt werden, gibt es indes noch keine elektronische Hilfe.
Hierbei sind die vier Kampfrichter gefordert, die sich durch den Videobeweis einigen oder ihr Urteil absichern können. Mitunter beharren die Unparteiischen aber auf ihrer strittigen Meinung, Videobeweis hin oder her. Helena Fromm hat sich damit abgefunden: „Dann hätte ich halt fester zutreten müssen. Dann hätte jeder gesehen, dass es ein Kopftreffer war.“
Herr Klemm,
Michael Müller (MichaelMueller)
- 10.08.2012, 15:07 Uhr