Als Favorit geht der Kugelstoßer David Storl in den Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe an diesem Freitag. Schließlich ist er seit dem vergangenen Jahr Weltmeister, und das nicht zum ersten Mal. In der Jugend und bei den Junioren, unter 18 und unter 20 Jahren, setzte sich der Sachse aus Dölitz schon durch, bevor er in Daegu mit 21 Jahren, so jung wie kein Kugelstoßer vor ihm, den Titel gewann. Vierzehn Tage nach den Spielen von London wird er erst 22 Jahre alt, und sein Trainer Sven Lang sagt gern, dass Storl eigentlich erst bei den Spielen von Rio de Janeiro 2016 im richtigen Alter für einen Kugelstoßer sein werde. Doch soll er ihn bremsen?
Das Gesicht der deutschen Mannschaft
Mit seiner Mischung aus jugendlicher Frische und sportlicher Erfahrung ist David Storl das Gesicht der deutschen Mannschaft, die sich seit den Enttäuschungen der Spiele von Athen 2004 mit nur zwei Medaillen und dem Tief von Peking 2008, bei dem allein der dritte Platz der Speerwerferin Christina Obergföll herausragte, in eine Art Jugendbewegung verwandelt hat. Unter den Schwergewichten der Leichtathletik sticht der 1,97 Meter lange Storl mit seinem Jungengesicht und seiner athletischen Figur heraus. Nicht, dass die amerikanischen Superschwergewichte Christian Cantwell und Reese Hoffa ihre mächtigen Körper von gut und gern 140 Kilogramm Lebendgewicht nicht in Schwung bringen könnten; schließlich führen sie die Bestenliste des Jahres mit Stößen von bis zu 22,31 Meter an. Doch im Gegensatz zu ihnen setzen Storl und sein Trainer statt auf Kraft auf Schnellkraft, statt auf Masse auf Athletik.
Nach den Zahlen ist er die Nummer fünf des Jahres
Wie ein Musiker die Tonart wechselt Storl im Training am Olympiastützpunkt Chemnitz die Kugeln: Neun verschiedene Eisenkugeln setzt er ein, vom Leichtgewicht mit 4000 Gramm bis zu Heavy Metal von neun Kilo. Das schont die Gelenke, das verbessert die Technik, und es sorgt für Abwechslung. Regelmäßig muss Storl sogar zum Ausdauertraining auf Waldwege und in Loipen - unvorstellbar bei seinen Konkurrenten. Bei der Hallen-WM in Istanbul Anfang des Jahres kam der David unter den Goliaths zu seiner Enttäuschung nur auf Platz zwei, den Titel bei den Europameisterschaften in Helsinki überließen ihm Konkurrenten wie der polnische Olympiasieger Tomasz Majewski, indem sie fernblieben.
Auf den ersten Blick machen Storl seine Siegweite von der EM, 21,58 Meter, und seine Bestleistung von 21,78 Meter aus dem vergangenen Jahr nicht zu einem Anwärter auf den Olympiasieg. Nach den Zahlen ist er die Nummer fünf des Jahres. Doch Storl hat auch in der Jahresplanung das beste Timing. Während andere sich bei Titelkämpfen mühen, ihren früh erzielten Bestleistungen nahe zu kommen, hat sich Storl bisher stets im wichtigsten Wettkampf der Saison zu steigern gewusst. Es wäre eine Überraschung, würde er ausgerechnet in London seinen Einsatz verpassen.