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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Hockey-Finale Stimmungsfühler Markus Weise

 ·  Die deutschen Hockey-Männer stehen im Olympia-Endspiel. Wieder einmal. Für Bundestrainer Markus Weise ist es sogar der Final-Hattrick. Er ist ein Erfolgsgarant - weil er der Mannschaft Spielraum lässt.

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© dpa „Er bringt uns auf den Punkt zur Höchstleistung“: Bundestrainer Markus Weise ist ein Erfolgsgarant

Schon wieder im Finale. Das hatte man erwartet von den Hockey-Herren. Die Ansprüche des Deutschen Olympischen Sportbundes an den Olympiasieger von 2008 gingen sogar so weit, von der erfolgreichsten deutschen Teamsport Gold zu verlangen. So aufgeschrieben und besiegelt, als niemand wissen konnte, wie sich so eine empfindliche Zweckgemeinschaft von sechzehn Topspielern mit unterschiedlichen Charakteren, Erfahrungen und Ansprüchen entwickeln würde.

Am Donnerstag studierten Hockeykenner aus aller Welt das Ergebnis beim 4:2 im Halbfinale über den Weltmeister Australien mit Vergnügen. Da spielte das Ensemble von Trainer Markus Weise (Foto) erstmals in voller Harmonie mit Schläger und Ball, nahezu fehlerlos in der Abwehr, variabel und effektiv im Angriff. „Das war“, sagt Timo Weß, „ein perfektes Spiel.“

Die Deutschen haben ein paar Anläufe für dieses Meisterstück gebraucht, fünf Versuche mit mäßigen Auftritten, mit einer Niederlage gegen den Finalgegner Niederlande und einem 5:5 nach einem 2:5-Rückstand gegen Neuseeland. Nicht viel sprach für eine Dominanz im Halbfinale. Und so fragte eine australische Journalistin den deutschen Kapitän, wie Chefcoach Weise diese Steigerung gelungen sei: „Er versteht es, den Wechsel zwischen Konzentration und Entspannung hinzubekommen, er bringt uns auf den Punkt zur Höchstleistung.“

Als Max Müller so sprach, senkte Weise den Blick auf den Tisch vor ihm. Trotz der Teamkappe mit großem Schirm ließ sich das Mienenspiel einfangen. Weise genoss den Augenblick für einen winzigen Moment. Dann schaltete er in den Final-Modus. „Wir wären ja bescheuert, jetzt nicht an Gold zu denken. Jetzt kommt es darauf an, die Balance hinzukriegen.“

„Gefühlte 112 Mal gegeneinander gespielt“

Da sprach der Coach Weise, der Stimmungsfühler, Bremser und Beschleuniger mit der Erfahrung zweier langer Wege zu Gold. Vor den Herren hatte er 2004 die Damen zum Triumph auf dem Olymp geführt. Niemand anderem ist es bislang im Hockey gelungen, die Schwankungen von zwei so unterschiedlichen Spielgemeinschaften während eines olympischen Turniers so gewinnbringend einzufangen.

Das wird der Schlüssel für das Finale an diesem Samstag gegen die Niederlande (21.00 Uhr / Live im Olympia-Ticker bei FAZ.NET) sein. „Wir haben gefühlte 112 Mal gegeneinander gespielt, wir kennen uns taktisch in- und auswendig. Es wird auf den Willen ankommen.“ Was Entspannung voraussetzt. Deshalb arbeitet Weise mit der Hilfe eines Psychologen auf die Kunst der optimalen Regeneration hin: „Das ist nicht so einfach, weil der Abhänggrad hier viel höher ist als in Peking.“

Ein Tag Pause am Freitag, dann ein langer Samstag mit quälenden Stunden, bis es endlich zur Abenddämmerung losgeht. Da ist die Gefahr groß, zwischen Training und Bettruhe an der Playstation Gold zu verlieren. „Olympia im Fernsehen schauen ist okay“, sagt Weise, „aber die elektronischen Spiele fressen irgendwann Energie.“ Es gibt also einen ausgeklügelten Tagesplan für Erwachsene, für studierte Profis mit Amateurgehalt. „Natürlich“, sagt Weise, „brauchen die Spieler auch Freiheiten.“

Wahrscheinlich folgen sie dem 49 Jahre alten Mannheimer, weil er von Freiheiten nicht nur spricht. Im Gegensatz zu seinem ebenfalls erfolgreichen Vorgänger Peters lässt er seinem Team auch auf dem Platz Spielraum. „Das deutsche Hockey hat sich enorm weiterentwickelt. Früher hatte man einen dominanten Trainer und zwei, drei Führungsspieler, die diese Rolle für sich beanspruchten und ausfüllten. Jetzt haben wir viel mehr Selbstverantwortung. Das hat sich gut entwickelt“, sagt Stürmer Christopher Zeller.

„Die Mannschaft hat das gut überstanden“

Gut 90 Tage arbeitete die Auswahl im Jahr vor Olympia daran, ihr technisches und taktisches Kapital zu verfeinern und auf Spielentwicklung richtig zu reagieren. Vor allem in heiklen Momenten, wenn eine Partie kippen kann. „Die Mannschaft hat das gut überstanden“, sagte Weise zum Halbfinale: „Sie hat Unabhängigkeit von dem Geschehen gezeigt, von Gegentoren, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter und Foulspiel. Das ist vielleicht ihre größte Leistung gewesen.“ Und die des Trainers Weise.

Eine Würdigung werden alle erst akzeptieren, wenn sie die Holländer im siebenten olympischen Finale einer deutschen Mannschaft seit 1936 geschlagen haben. „Wir haben ja noch nichts“, sagt Weß. Zumindest aber kreist im Oberstübchen der beschwingende Gedanke einer Revanche für das 1:3 vom vergangenen Sonntag.

„Das können sie richtig gut“

Da bietet sich das 186. Länderspiel (80 Siege, 51 Niederlagen, 55 Unentschieden) gegen die Nachbarn, die erste Begegnung in einem olympischen Finale, geradezu an. Aber Weise warnt: „Wenn man die laufen und auf Tempo kommen lässt, ist das nicht sinnvoll. Das können sie richtig gut.“

Mit 9:2 Toren überrannten die Holländer die Briten im Halbfinale. Deren Kommentatoren wussten am Freitag nicht so recht, wer denn nach diesen brillanten Vorstellungen im Endspiel noch mehr zu bieten habe. Weise schon: „Es ist nicht viel Platz nach oben, aber es gibt schon noch Spielraum.“

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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