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Dienstag, 18. Juni 2013
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Amerikas Basketball-Team Die Herren der Ringe bekommen Konkurrenz

 ·  Das legendäre amerikanische Dream-Team von 1992 ist noch immer das Maß aller Dinge im Basketball. Doch Kobe Bryant, der am Sonntag mit dem Jahrgang von 2012 ins Turnier startet, sieht das anders.

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© AFP Bereits zum großen Wurf: Kobe Bryant und „Team USA“ bei den Olympischen Spielen

Es ist Zeit für eine Geschichtsstunde im Basketball. Das sagen Delegationsmitglieder der amerikanischen Olympiamannschaft und legen im Geiste die Hand aufs Herz: 20 Jahre „Dream-Team“. Schon läuft der Film ab vom Auftritt des ersten Profiteams aus der besten Liga der Welt im Olympischen Hain.

Ervin „Magic“ Johnsons traumhafte Pässe, Michael „Air“ Jordans unendliche Höhenflüge zum Korb, Larry Birds vernichtende Schüsse aus der Ecke. Diese Zaubermeister haben ihre besondere Kunst des Basketballs in die Welt hinausgetragen und Millionen Kinder in allen Winkeln dieses Globus inspiriert. Und was hatten die Erfinder des Basketballs davon?

Die Ausländer werden immer besser, kommen aus ganz Europa, aus Südamerika, Afrika, Australien und Asien in die Eliteklasse, um eines Tages diese Superstars vergessen zu machen. Das ist ihr Traum. Aber bislang hat es nicht annähernd gereicht. Die größte Gefahr kommt immer noch aus dem eigenen Schoß. „Wir“, sagt Kobe Bryant, Star der Los Angeles Lakers und die zentrale Figur der sechsten Dream-Team-Ausgabe in London, „würden sie schlagen!“

Jordan, Johnson und Co. überholt? Das ist ein Sakrileg, aus britischer Sicht eine ungehörige Attacke auf die „Ritter der Tafelrunde“ des Basketballs. Selbst der mächtigste Mann der Welt hat sich schon eingemischt. Präsident Barack Obama glaubt nicht recht an eine bessere Kopie des Originals. „Kobe liebt den Wettkampf, da ist es doch nicht ungewöhnlich, dass er jede Gelegenheit für ein paar Sprüche nutzt.“

Die Amerikaner sprechen von „Trashtalk“, wenn ein Profi auf dem Feld selbst einem Gegner von NBA-Format in den Ohren liegt mit Fragen wie: Heute schon mal getroffen? Das unerschütterliche Selbstbewusstsein provoziert zwar Widerspruch. Aber die Dream-Team-Fans ballen die Faust in der Tasche. Der fünfmalige NBA-Champion Bryant hat zu viele starke Punkte zu bieten, unter anderem fast 29 500 seit seinem Debüt 1996. Und außerdem stehen ihm trotz der Ausfälle der langen Kerls Dwight Howard und Chris Bosh Größen zur Seite: Kevin Durant, LeBron James, Carmelo Anthony.

Und so wartet die Fan-Gemeinde der Legenden von Barcelona auf den Tag des Finals. Ohne Gold braucht sich Bryant in der Heimat nicht zu zeigen. Und falls er und seine Teamkollegen wirklich am Lack der Oldies kratzen wollen, dann müssen sie mit Beginn des ersten Spiels (an diesem Sonntag gegen Frankreich) als Herrn der Ringe auftreten. Das Dream-Team I spazierte mit im Schnitt 44 Punkten Differenz pro Spiel zur Siegerehrung. Das war ein Kunststück, bei dem sogar mancher Gegner applaudierte.

Heute ist die Meister-Schüler-Beziehung schwieriger. 38 NBA-Spieler, die nicht aus dem Mutterland des Basketballs stammen, treten in London an. „Das ist schon wieder ganz anders als in Peking 2008. Die Mannschaften haben sich verbessert“, sagte Bryant dem „Guardian“, „sie glauben, dass sie uns schlagen können.“ Sie glauben es nicht nur. 2004 scheiterte die Garde der Amerikaner im Halbfinale an Argentinien, 2006 schoss Griechenland James und Kollegen mit einer atemraubenden Distanzwurfserie in der ersten Halbzeit aus dem Halbfinale der Weltmeisterschaft.

„Wir müssen härter arbeiten und besser spielen“

In Peking bot Spanien beim olympischen Finale bis wenige Minuten vor dem Ende Paroli. „Wir müssen härter arbeiten“, sagt Bryant, „und besser spielen.“ Die Europäer scheinen mit Spanien als Speerspitze den Amerikanern inzwischen so nah, dass Spötter bei der jüngsten Diskussion über die Zukunft des olympischen Turniers schon vor der Angst des Meisters vor dem Lehrling sprechen.

NBA-Chefmanager David Stern denkt, unter Druck von den Besitzern der NBA-Klubs, an einen Rückzug vom Olymp. In Zukunft sollten aus der Eliteliga nur Spieler unter 23 Jahren um Gold spielen. Der Generalsekretär des Internationalen Basketball-Verbandes, Patrick Baumann, bestätigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprechende Absichten. Dabei geht es aber wohl weniger um die Ehre, sondern viel mehr ums Geld, um die Verteilung, den Anteil der Klubbesitzer am Gewinn der Olympier mit dem NBA-Team.

Man will nach den Spielen reden, sagt Baumann, „um die beste Lösung für alle Beteiligten und das Spiel“ zu finden. Nur die Spieler werden offenbar nicht gefragt, ob schon in London, erst in Rio 2016 oder gar danach die Zeit der Dream-Teams ausläuft. „Ich würde gerne weiterspielen“, sagt Kevin Durant, „ich bin 23 und hätte dann keine Chance mehr. Ich hoffe, es wird nichts geändert.“ Die Kollegen nicken, ob James, Carmelo Anthony, Chris Paul oder James Harden. „Ich meine“, erklärte Bryant am Freitag, „dass die Spieler entscheiden sollten, ob sie bei Olympia antreten wollen.“

U23? Bryant spielt schon seit drei Jahren in der Ü30. Sein Salär für 2011 schätzte das Magazin “Forbes“ auf rund 53 Millionen Dollar, je zur Hälfte von den Lakers und Sponsoren gezahlt, die ihn um die Welt schicken. Der Mann hat also schon viel gesehen. Aber es bleibt noch Spielraum. Bryant möchte mal zum Bogenschießen, zum Turnen und zum Gewichtheben. Wenn es die Zeit erlaubt. Er spürt, dass sie langsam abläuft, ein paar graue Haare sind ihm gewachsen. „Das Altern ist eine Herausforderung. Ich muss mich darauf einstellen, meine Ernährung ändern, das Tempo meines Spiels.“

„Eines Tages wollen wir Teil dieser Geschichte sein“

Acht Kilo hat er zur Entlastung seiner Knie abgenommen, die Lust aufs Spiel aber ist dabei gewachsen. „Weil man merkt, dass es nicht mehr so viele Jahre sein werden. Das gibt mir den Antrieb, bei der Vorbereitung jeden Stein umzudrehen. Ich spüre, dass meine Leidenschaft mit dem Alter steigt.“ Die Überväter Johnson und Jordan sind nicht ganz unschuldig an dieser Passion.

Als Byrant mit seinen Eltern nach Italien zog, weil der Vater dort als Basketballprofi sein Geld verdiente, flüchtete er sich vor Einsamkeit in die Welt seines Sports; tagsüber auf dem Platz und abends vor dem Fernseher. Der Großvater hatte ihm Spiele aufgenommen und geschickt: von der NBA mit Johnson und Jordan. „Das waren Legenden“, sagt Bryant und lächelt: „Eines Tages wollen wir Teil dieser Geschichte sein.“

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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