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Reiterin Angelika Trabert : „Dann leih’ mir mal dein Bein“

  • -Aktualisiert am

Olympionikin: Angelika Trapert mit ihrem Pferd Londria Bild: Tobias Schmitt

Die hessische Reiterin Angelika Trabert startet bei den Paralympics. Hindernisse lauern für die 40 Jahre alte Sportlerin überall. So fehlen ihr die Schenkel, mit denen sie dem Pferd die Hilfen geben könnte.

          Morgens früh um acht ist es noch ruhig in der Reithalle in Herbstein im Vogelsberg. Einzig Angelika Trabert ist mit ihrer Fuchsstute Londria in der Bahn unterwegs. Vor dem Übergang vom Trab zum Galopp schnalzt sie leise mit der Zunge und gibt dem Pferd unmerklich mit einer der beiden Gerten ein Zeichen. Die Schenkel, mit denen sie dem Pferd die Hilfen geben könnte, fehlen der 40 Jahre alten Reiterin, die für Deutschland bei den Paralympischen Spielen vom 6. bis 17. September in Hongkong starten wird. „Aber auch mit Handicap kann man professionell Sport treiben. Man braucht nur Mut“, sagt die lebendige Frau, deren schulterlanges rötlich-blondes Haar perfekt zum Fell des Hannoveraners passt.

          Die gebürtige Frankfurterin Angelika Trabert ist dafür das beste Beispiel. Schon im Alter von sechs Jahren saß sie zum ersten Mal auf dem Pferd, seit 1991 ist sie auch international im Reitsport aktiv. Bei drei Paralympischen Spielen, vier Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften gewann sie insgesamt schon zehn Silber- und eine Goldmedaille. Je nach Schwere der körperlichen Beeinträchtigung werden die behinderten Dressurreiter in die Grade I bis IV eingeteilt. Da der Hessin von Geburt an beide Beine fehlen und sie an der rechten Hand nur drei Finger hat, startet sie international in Grad II. In Deutschland misst sie sich auch mit Reitern ohne Behinderung, auf Turnieren bis zur Klasse M war sie schon erfolgreich.

          „So ganz nebenbei muss ich ja auch noch Geld verdienen“

          In der Halle galoppiert Angelika Trabert auf dem Zirkel. Kleine Schweißperlen bilden sich auf ihrer Stirn. „Schieb‘ sie wieder nach außen“, ruft Trainer Heinrich Brähler. „Dann leih’ mir mal dein Bein“, antwortet die Reiterin kess, und beide lachen. Aus dem Spaß wird jedoch schnell wieder Ernst: „Eigentlich bräuchte sie jetzt für Hongkong noch mal zwei Wochen intensives Training“, sagt Brähler, mit dem Angelika Trabert seit viereinhalb Jahren zusammenarbeitet. „Zumal sie die Stute erst seit etwas mehr als einem Jahr reitet.“ Aber eine nachhaltige Vorbereitung auf die großen Wettkämpfe ist für sie nicht drin. „So ganz nebenbei muss ich ja auch noch Geld verdienen“, sagt Trabert, die in Dreieich wohnt.

          Im Stall ist Trabert mit dem Rollstuhl unterwegs

          Die promovierte Narkoseärztin arbeitet freiberuflich im Rhein-Main-Gebiet und als Angestellte in der Tagesklinik Höchst. Allein für die Spiele in Hongkong muss sie fünf Wochen Urlaub nehmen. „Da braucht man einen verständnisvollen Chef.“ Leider sei es für behinderte Sportler, selbst auf ihrem Niveau, noch immer schwer, Sponsoren zu finden, sagt sie. Und auch die offizielle Förderung der Athleten könne deutlich besser sein. Dankbar ist Angelika Trabert, die für das Hofgut Petersau in Frankenthal startet, jedoch für die Förderung durch den Landessportbund Rheinland-Pfalz. „Nur so war es mir t möglich, dieses Pferd zu kaufen.“

          Hilfsmittel müssen genehmigt werden

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