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Rafed El-Masri Schwere Entscheidung in fremden Kategorien

 ·  Vor vier Jahren ist der Schwimmer Rafed El-Masri in Athen noch für Syrien ins Olympiabecken gesprungen. In Peking krault der Kurzstreckenspezialist für Deutschland - wenn der syrische Verband noch rechtzeitig die Starterlaubnis liefert.

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Das Denken in nationalen Kategorien gefällt Rafed El-Masri überhaupt nicht. Wohl auch deshalb ist dem Schwimmer die Entscheidung, für welches Land er denn bei den Olympischen Spielen nun an den Start gehen sollte, so schwergefallen. Der viermalige deutsche Meister über die 50-Meter-Freistilstrecke hat lange mit sich gerungen. Fast zu lange.

Erst in der vergangenen Woche erhielt der 25 Jahre alte Deutschsyrer vom Internationalen Schwimm-Verband (Fina) die „Freigabe des Startrechts für Deutschland“, wie es offiziell hieß. Damit konnte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) El-Masri für die letzte Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Dienstag vorschlagen. Sein Start für Deutschland in Peking gilt damit als gesichert, die Zustimmung des syrischen Verbands gilt als sicher. „Es ist phantastisch, dass das ganze Hin und Her endlich ein Ende hat“, sagt El-Masri.

Per Doppelpass im Schwimmbecken erfolgreich

El-Masri ist ein sportlicher Internationalist und lebt das aus. In Clausthal-Zellerfeld wurde er geboren, weil sein syrischer Vater dorthin aufbrach, um im Oberharz Geologie zu studieren. Früh erkannte die Familie El-Masri, dass sie in Deutschland eine neue Heimat gefunden hatte. Mit fünf Jahren beantragte sie für ihren Sohn Rafed die deutsche Staatsbürgerschaft.

Seitdem besitzt er zwei Pässe: einen syrischen und einen deutschen. Dass dieser nationale Doppelstatus ihm in seiner Schwimmkarriere später abwechselnd mal helfen und ihn dann wieder blockieren könnte, war damals für die Familie El-Masri natürlich nicht abzusehen.

„Dann eben für Syrien“

Der Rekordhalter über 50 Meter Freistil in Deutschland (22,11 Sekunden, zeitgleich mit Steffen Deibler) ging bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 für Syrien an den Start. „Das habe ich damals ganz pragmatisch gesehen und danach gehandelt. An der deutschen Olympianorm schwamm ich um acht Hundertstelsekunden vorbei. Aber ich wollte unbedingt an den Spielen teilnehmen. Dann eben für Syrien“, sagt der Sportstudent, der seit einigen Jahren im Berliner Szene-Stadtteil Friedrichshain wohnt.

Die Syrer empfingen ihn mit offenen Armen. Syrien gilt nicht gerade als Schwimmnation. Das Land war froh, einen wie El-Masri in ihrem Olympia-Aufgebot zu haben.

Asienmeister für Syrien, Kaffetrinken in Kreuzberg

Zwischen den Jahren 2004 und 2007 startete er weiter für die SG Neukölln, trainierte mit der deutschen Nationalmannschaft, ging aber für Syrien an den Start: erst in Athen, dann bei den Weltmeisterschaften 2005 in Montreal und 2007 in Melbourne. Für Syrien wurde er im Jahr 2006 Asienmeister.

Die Syrer versprachen ihm immer viel, „hielten aber längst nicht alles“, wie El-Masri sagt. Und irgendwann merkte er auch, dass es ihn nicht sonderlich bewegte, „wenn im 5000 Kilometer entfernten Damaskus die Leute auf der Straße stehen, Fahnen schwenken und meine Erfolge feiern, ich aber gleichzeitig in einem Kreuzberger Café sitze“.

Ein Jahr als Staatenloser

Zudem schwamm er immer schneller, und der Entscheidungsdruck des DSV auf ihn nahm zu. El-Masri nutzte das komplette professionelle Umfeld des DSV, vertrat dann aber im internationalen Wettkampf ein anderes Land. „Ich habe es ihm richtig angemerkt, wie schwer er es sich mit der Entscheidung gemacht hat“, sagt der Generalsekretär des DSV, Jürgen Fornoff.

Im vergangenen Jahr schließlich rang sich der Muslim El-Masri dazu durch, vom syrischen Verband die Freigabe zu erbitten. Er erhielt sie sofort. Die Entscheidung der Fina jedoch, ob er für Deutschland an den Start gehen dürfe oder nicht, ließ bis zur vergangenen Woche auf sich warten. „Warum das so lange gedauert hat, können wir uns auch nicht erklären“, sagt Fornoff.

So stieg El-Masri knapp ein Jahr lang sportlich als Staatenloser auf die Blöcke. Drei Monate trainierte er Anfang dieses Jahres in der Schwimm-Sprinter-Hochburg in Miami mit den amerikanischen Athleten und Trainern. Quasi zwischendurch kehrte er zu den deutschen Meisterschaften nach Berlin zurück und meisterte locker die vorgegebene Olympia-Normzeit über 50 Meter Freistil. „Ich war noch nicht mal in besonders guter Form“, sagt El-Masri. Das soll erst in Peking der Fall sein - und dann für Deutschland.

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