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Obama und Sport Schönen Dunk

 ·  In Sachen Sport und Bewegung ist Familie Obama vier Jahre lang ein Vorbild gewesen. Am Wahltag betrieb der alte und neue amerikanische Präsident schließlich noch einen Volkssport. In Deutschland wäre kommendes Jahr wenigstens eine Kandidaten-Partie Schach drin.

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Echt cool, dieser Präsident. Sitzt am Wahltag nicht bibbernd daheim auf dem Sofa und fürchtet um seine Wiederwahl, sondern geht Basketball spielen. Trifft sich mit ehemaligen NBA-Größen wie Scottie Pippen und versenkt ein paar Würfe, während viele Landsleute beim Urnengang kaum vorankommen in den Menschenschlangen.

Später schlendert er vor Tausenden Anhängern auf die Bühne und appelliert an den Teamgeist aller Amerikaner. Barack Obama, im Amte ergraut, aber nicht erschlafft, hat am Dienstag doppelt gewonnen: am Vormittag mit seiner Mannschaft das Basketballspiel bei „Attack Athletics“ in Chicago, am späten Abend zum zweiten Mal die Präsidentschaftswahl. Seine sportliche Betätigung geschah allerdings nicht nur spaßeshalber, sondern auch aus Aberglaube. Nur ein einziges Mal in seiner Politikkarriere hatte Obama auf ein Basketballspiel an einem Wahltag verzichtet - und verlor 2008 prompt bei den Vorwahlen der Demokraten im Bundesstaat New Hampshire gegen Hillary Clinton.

Auch wenn frühere Mitspieler wie der Schriftsteller Tucker Max behaupten, dass es mit den Basketballkünsten des Präsidenten nicht so weit her ist: Es war ein gutes Zeichen, das von Obamas Dribbeln und Dunken am Dienstag ausging: Bleibt selbst in schweren Zeiten entspannt! Vor allem aber: Bewegt Euch, wann immer es geht! In dieser Hinsicht ist die First Family vier Jahre lang ein Vorbild gewesen.

Der Präsident hat viele Stunden auf dem Basketballfeld und, was die Rivalen von den Republikanern ihm gerne vorwarfen, noch mehr Zeit auf dem Golfplatz verbracht. Nebenbei soll er, wann auch immer, das Basketballteam seiner jüngeren Tochter Sasha ein wenig betreut haben. Auch Michelle Obama hat in ihrer Funktion als Präsidentengattin versucht, dem übergewichtigsten Volk dieser Welt Beine zu machen. Zu ihrem Eifer passt, dass es die sportliche First Lady nur schwer verknusen kann, im Tennis gegen ihren Gatten zu verlieren.

So viel Coolness, wie von Obama demonstriert, wünschte man sich auch hierzulande am Tag der nächsten Bundestagswahl 2013. Von Kanzlerin Merkel, bekennender Gärtnerin und Sammlerin von Kunstpostkarten, ist ein sportlicher Auftritt nicht zu erwarten. Eher vom SPD-Spitzenkandidaten Steinbrück: Am Wahltag eine Partie Schach mit Altkanzler Helmut Schmidt, das wäre zumindest ein kleines Zeichen von Entspannung in Krisenzeiten.

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07.11.2012, 17:14 Uhr

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