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O-Töne „Der Zuschauer ist das höchste Gut“

10.01.2006 ·  Im Falle einer Panik können bauliche Mängel in einigen der zwölf WM-Stadien verheerende Folgen haben, meint Stiftung Warentest. Was sagen die betroffenen Betreiber der Arenen?

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Im Falle einer Panik können bauliche Mängel in einigen der zwölf WM-Stadien verheerende Folgen haben, meint Stiftung Warentest. Was sagen die betroffenen Betreiber der Arenen?

Wolfgang Schäuble (Bundesinnenminister): „Wir nehmen die Bedenken der Stiftung Warentest ernst und es ist im Sinne der WM-Zuschauer aus Deutschland und der ganzen Welt, das die Stadien 150 Tage vor WM-Beginn noch einmal von unabhängiger Stelle überprüft worden sind. Die vorgelegten Ergebnisse, verbieten nach der ersten Bewertung durch unsere Experten allerdings jegliche Panikmache. Die zwölf WM Stadien sind unter modernsten baulichen Normen, unter Einbeziehung der Fifa-Auflagen und unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse erbaut oder umgebaut worden. Beim erfolgreichen Testlauf Confederations Cup und in der Fußball-Bundesliga wurden und werden die Arenen regelmäßigen Praxistests unterzogen. Diese haben die WM-Stadien, mit wenigen Ausnahmen, gut bestanden. Für Empfehlungen, die die Sicherheit in den Stadien verbessern, sind wir dankbar und werden auf eine Umsetzung drängen.“

Hans Rütten (Geschäftsführer Kölner Sportstätten GmbH): „Einige Punkte der Warentest-Studie waren in Bezug auf unserer Stadion faktisch falsch. Es wurden fehlende Fluchttore angeprangert, die es aber gibt. Außerdem existieren so genannte Paniktore, die im Notfall geöffnet werden. Wir sehen keinen Grund, bauliche Maßnahmen zu ergreifen. Ich halte die Studie für nicht seriös. Man kann nicht rufen, es brennt, es brennt, und will dann noch 14 Tage mit der Veröffentlichung warten. Die Brisanz wurde nicht erkannt. Ich habe mir die Pressekonferenz vor Ort angeschaut, der Raum für die Journalisten hätte doppelt so groß sein müssen.“

Christoph Meyer (Sprecher der Betreibergesellschaft Olympiastadion Berlin GmbH): „Wir werden die Ergebnisse natürlich prüfen, denn der Zuschauer ist das höchste Gut, und das gilt es zu schützen. Aber wir haben in Berlin ein historisch gewachsenes Gebäude, das von 2000 bis 2004 unter Denkmalschutzrichtlinien renoviert wurde. Dem muß man in den Untersuchungen Rechnung tragen. Was den Vorwurf der mangelnden Fluchtmöglichkeit auf Grund des tiefen Grabens angeht, kann ich nur auf einen eigenen Evakuierungstest hinweisen, bei dem die Zuschauer in wenigen Minuten auf dem Rasen waren.“

Ralf Schnitzmeier (Stadionchef der AWD-Arena in Hannover): „Wir haben uns mit den Untersuchungsergebnissen der Stiftung Warentest auseinander gesetzt und diese analysiert. Wir sind natürlich erleichtert, daß man uns insgesamt gute Noten ausgestellt hat. Die gefundenen Mängel lassen sich leicht beheben. Wo wir die Möglichkeiten dazu haben, werden wir dies natürlich auch tun. Sollten weitere Fragen entstehen, werden wir die Kommunikation mit der Stiftung noch einmal aufnehmen. Daß wir auf das Schreiben der Tester nicht geantwortet haben, erklärt sich dadurch, daß wir zum damaligen Zeitpunkt erheblich Turbulenzen im Verein (Entlassung von Trainer Ewald Lienen, d.Red.) hatten und dadurch nicht reagieren konnten.“

Karl-Heinz Vehling (Stadion-Chef Hannover): „Wir sind froh, daß die AWD-Arena in Hannover zu den besten Stadien gehört. Gleichwohl bin ich nicht glücklich über die Vorgehensweise der Stiftung Warentest. Ihre Beanstandungen richten sich weniger an die Stadionbetreiber als an den Gesetzgeber, nach dessen Vorschriften und Regeln die WM-Arenen gebaut worden sind. Dennoch nehmen wir die Dinge ernst. Wo wir nicht regelkonform sind, werden wir nachbessern.“

Patrick Meyer, (Geschäftsführer Frankfurter Stadionbetreiber): „Manchmal lassen sich Baurecht und Sicherheitsdenken nicht auf eine Linie bringen. Die Stiftung Warentest stellt die Panikforschung zu sehr in den Mittelpunkt. Die normale Nutzung eines Stadions wird dabei vernachlässigt. Wir halten die Studie aber für konstruktiv.“

Susanne Eisenmann, (Stuttgarter Sportbürgermeisterin): „Wir reagieren mit großer Gelassenheit. Das Stadion ist sicher und weist auch keine deutlichen Mängel im Bereich der Sicherheit auf. Wir haben die genannten Punkte mit unseren Fachleuten besprochen. Sie teilen die Einschätzung der Stiftung Warentest nicht. Die Frage ist, ob bei diesem Gutachten nicht die Publicity im Vordergrund gestanden hat.“

Winfried Lonzen (Geschäftsführer der ZSL Betreibergesellschaft mbH, Leipzig): „Der Hauptvorwurf der Stiftung Warentest, die Fluchtmöglichkeiten auf das Spielfeld seien nicht ohne Probleme, trifft aus unserer Sicht nicht zu. Diese Fluchtmöglichkeit ist nur in Stadien zwingend vorgeschrieben, die die bessere Fluchtmöglichkeit nach außen nicht realisieren können. Die von uns realisierten, modernen und effizienteren Fluchtmöglichkeiten in das Umfeld des Zentralstadions bieten den Besuchern mehr und vor allem schneller Sicherheit und Schutz. Schon Ende 2004 wurde das Zentralstadion von allen Instanzen (TÜV, Versicherungen, Bauordnungsamt, Brandschutz, etc.) mängelfrei abgenommen. Auch die FIFA hat das Zentralstadion in dieser Form mit dem Länderspiel Deutschland gegen Kamerun und dem folgenden Confederations Cup abgenommen.“

Peter Peters (Geschäftsführer Schalke 04): „Das Ergebnis der Studie hat nicht nur für uns, sondern auch für die anderen Stadion-Betreiber und Organisatoren der WM zu einem verantwortungslosen Imageschaden geführt. Für uns macht sich die Stiftung Warentest mit diesem Ergebnis lächerlich. Sie haben das wohl nur gemacht, um die eigene Auflage zu erhöhen. Wir sind am Dienstag mit den Baubehörden alle Kritikpunkte durchgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, daß keine baulichen Veränderungen in der Arena notwendig sind. Die Vorschriften in Deutschland sind im Vergleich in Europa die schärfsten. Wenn das Ergebnis der Studie stimmt, kann man auf der ganzen Welt kein Stadion mehr mit einem zweiten oder dritten Rang bauen.“

Frank Baranowski (Oberbürgermeister Gelsenkirchen): „Die Baugenehmigung für die Arena ist seinerzeit mit allen auch heute noch gültigen Vorschriften des Baurechts und der Versammlungsstättenverordnung erteilt worden. Für uns als Bauordnungs-Behörde gibt es keinen Zweifel an der Baugenehmigung. Aus unserer Sicht ist die Arena sicher.“

Ulrich Dagel (Technischer Leiter VeltinsArena): „Hätten die Mitarbeiter der Stiftung Warentest die kompetenten Stellen befragt, wären sie niemals zu diesem Ergebnis gekommen.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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