Zu einem beispiellosen Canossa-Gang für den norwegischen Sender TV2 hat die Verbreitung falscher Doping-Anklagen gegen die populärsten Sportler im eigenen Land wie die vielfachen Olympiasieger Björn Daehlie, Vegard Ulvang und Johann Olav Koss geführt.
Wie TV2 am Dienstag in Bergen bestätigte, musste sich Vorstandschef Kare Valebrokk gegenüber dem Sportverband NIF zur Zahlung von fünf Millionen Kronen (700 000 Euro) als Schadensersatz für falsche Dopinganklagen gegen norwegische Olympiasieger bei den Winterspielen in Lillehammer 1994 verpflichten. TV2 sagte weiter zu, in Briefen an das IOC und europäische Sportverbände sowie die Antidoping-Agentur WADA die volle Verantwortung für die falschen Doping-Anklagen zu übernehmen.
Behauptungen haltlos
Weiter vereinbart wurden bei Verhandlungen am Montagabend auf dem Osloer Flughafen Gardermoen TV-Pressekonferenzen im Inland sowie bei einem am Wochenende in Finnland anstehenden Weltcuprennen der Langläufer. Einziger Vorteil für die TV-Station dürfte das Wegfallen mehrerer drohender Schadensersatzklagen sein. „Es tut uns sehr leid. Wir haben bekannten Sportlern große Probleme bereitet und dem norwegischen Sport Schaden zugefügt“, sagte Kare Valebrokk, Chef von TV2: „Es ist ein schwarzer Tag für uns.“ Der Sender habe nicht behaupten wollen, dass norwegische Sportler tatsächlich unerlaubte Mittel benutzt hätten.
Der Sender hatte in einer weltweit stark beachteten Reportage in der letzten Woche behauptet, dass für die in Lillehammer mit zehn Goldmedaillen sehr erfolgreichen norwegischen Wintersportler offiziell große Mengen verbotener medizinischer Präparate eingekauft worden seien. Es hieß weiter, spurlos verschwunden seien während der Spiele 72 Liter des damals noch nicht verbotenen, aber als sehr gefährlich geltenden Ausdauermittels HES.
Fünf Millionen Kronen Schadenersatz
Die namentlich in dem Beitrag nicht direkt genannten, aber nach Meinung aller Beobachter gemeinten Lillehammer-Olympiasieger Daehlie, Ulvang und Koss protestierten in einem offenen Brief heftig gegen die Vorwürfe und drohten mit Klagen gegen den Sender. Dazu kam es aber nicht, weil der Sender sich schon nach zwei Tagen ohne Vorbehalte entschuldigte, nachdem alle Kernaussagen der Reportage durch einhellige Zeugenaussagen entkräftet werden konnten.
Von den fünf Millionen Kronen als Schadensersatz sollen 1,5 Millionen für Inserate in ausländischen Medien genutzt werden, um über die Haltlosigkeit der TV-Anklagen zu informieren. Denselben Betrag muss TV2 für Werbespots gegen Doping aufwenden. Jeweils eine Million Kronen sind außerdem für die Arbeit der internationalen Antidoping-Agentur WADA sowie für die NIF-Jugendarbeit vorgesehen.
Ulvang erklärte, er sei mit den Vereinbarungen zufrieden und sagte weiter: „Hoffentlich weckt das Ganze die Leute gegen diese Art von Journalismus auf.“ Die auch von Ulvang mitgeprägte, totale Überlegenheit der norwegischen Skilängläufer in den neunziger Jahren hatte immer wieder zu Dopingverdächtigungen geführt, ohne dass aber jemals ein Norweger überführt werden konnte.