http://www.faz.net/-gtl-42q2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2003, 14:58 Uhr

Nordische Kombination Ackermann fehlt eine Skilänge zum Heimsieg

Felix Gottwald hat am Neujahrstag den ersten Ski-Weltcup des Jahres gewonnen. Der Österreicher setzte sich beim Sprint der nordischen Kombinierer gegen Ronny Ackermann durch.

© AP Im Endspurt ohne Chance: Ackermann (l.) verliert gegen Gottwald

0,4 Sekunden fehlten dem Dauer-Zweiten Ronny Ackermann zum Heimsieg im Nebel von Oberhof. Mit einer Skilänge Rückstand stürzte der deutsche Kombinierer-Star beim Weltcup hinter dem jubelnden Österreicher Felix Gottwald ins Ziel und musste sich bereits zum dritten Mal in dieser Saison mit dem Silberplatz begnügen.

Auch im Gesamtweltcup liegt der Olympiazweite auf dem ungeliebten zweiten Rang - Wunderknabe Björn Kircheisen verteidigte trotz einer Knieverletzung mit Platz fünf das Gelbe Trikot erfolgreich. „Ich bin gleich zu Beginn des Langlaufs gestürzt und Felix hatte im Zielsprint einfach ein Quäntchen mehr Kraft. Vielleicht klappts beim nächsten Mal mit einem Sieg, jedenfalls habe ich wieder ein gutes Feeling“, erklärte der mit 14.200 Euro an Prämien getröstete Ackermann: „Immerhin habe ich endlich mal das Springen gewonnen. Das ist doch ein guter Start ins neue Jahr.“

Mehr zum Thema

Österreicher segeln mit „Wunderanzügen“

Der Oberhofer kam vor 3.000 Zuschauern im Nebel als Zweiter auf die kurze Zielgerade und konnte seinen Erzrivalen trotz Heimvorteil einfach nicht mehr auf dem Weg zum 13. Weltcup-Sieg stoppen. Platz drei belegte bei dem wegen Sturms um einen Tag von Silvester auf Neujahr verlegten Sprint-Wettbewerb der Österreicher Mario Stecher mit 31,3 Sekunden Rückstand.

Die Austria-Winterzweikämpfer hatten auf der vernebelten Großschanze am Kanzlersgrund die Grundlage für den Sieg gelegt. Mit den „Wunderanzügen“ ihrer Skispringer ausgerüstet, landeten sie auf den Plätzen zwei bis vier hinter den auf 131,5 Meter gesegelten Sprunglaufsieger Ackermann. „Die Österreicher haben brutal viel ins Material investiert“, meinte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Kircheisen bleibt im Gelben Trikot

Beim 7,5-km-Langlauf rund um die neblige Wolfsschlucht setzte das Austria-Trio dann Ackermann unter Druck. „Der Felix und ich haben das Tempo gemacht. Das Duell war sicher eine Werbung für die Kombination, auch wenn ich verloren habe“, meinte der 25-Jährige Ackermann.

Werbung in eigener Sache betrieb wieder einmal der erst 19-jährige Kircheisen, der von Platz 18 nach dem Springen noch auf Platz fünf stürmte. Lohn für den Dreifachsieger des Dezembers war die Verteidigung des Gelben Trikots mit 510 Punkten vor Ackermann (435): „Ich bin um mein Leben gelaufen und habe noch das Optimale rausgeholt.“

Neujahr: Ein ganz normaler Arbeitstag

Chefcoach Weinbuch lobte seinen Wunderknaben: „Björn hat sich Silvester bei einem Spiel den Meniskus eingeklemmt und war nicht ganz topfit. Der Junge ist zum ersten Mal mit dem Gelben Trikot in der Heimat angetreten und hat das gut gemacht.“ Das starke deutsche Mannschaftsresultat vervollständigten der von Platz 29 auf zehn vorgestürmte Sebastian Haseney (Zella-Mehlis) und Georg Hettich (Rohrhardsberg) als Elfter.

Deutschlands Kombinierer hatten vor dem Sprint gemeinsam Silvester im „Parkhotel“ gefeiert, allerdings waren Kircheisen und Co blitzschnell nach Mitternacht im Bett verschwunden. Verständlich: Schließlich begann bereits am Neujahrsmorgen um 8.45 Uhr mit dem Trainingsspringen ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag.

Oberhof bleibt auch weiterhin die Hauptstadt der Kombinierer: Am Freitag (3. Januar) findet hier der in Reit im Winkl abgesagte Weltcup statt. Auch für den am 5. Januar in Schonach ausgefallenenen dritten Wettbewerb des Deutschland-Grand-Prix ist Oberhof der einzige mögliche Ausweichort. FIS-Kombinationschef Ulrich Wehling: „Die Entscheidung über einen dritten Weltcup in Oberhof fällt spätestens Donnerstag.“ Spätestens dann will Ackermann endlich seinen zehnten Weltcup-Sieg feiern.

Quelle: sid, dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Bundesliga Darmstadt wartet auf die gebratenen Tauben

Darmstadt 98 bereitet sich derzeit mit zu wenigen Feldspielern auf die neue Bundesliga-Saison vor. Der Klub muss sich dringend verstärken – doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Mehr Von Alex Westhoff, Darmstadt

24.07.2016, 08:27 Uhr | Rhein-Main
Cas Klage gegen Olympia-Ausschluss russischer Leichtathleten abgewiesen

Die russischen Leichtathleten dürfen laut Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes nicht an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Die Einsprüche und Klagen des russischen Olympischen Komitees sowie der 68 Athleten seien zurückgewiesen worden, so Cas-Generalsekretär Matthieu Reeb. Mehr

21.07.2016, 15:38 Uhr | Sport
Frankreich-Rundfahrt Hauptsache, die Tour hat sich herausgeputzt

Ein Kontrollfreak in Gelb, eine Macht in Orange und ein blasser Schimmer aus deutschen Landen. Die Tour de France ist sehr auf ihr Image bedacht. Doch bei der diesjährigen Rundfahrt werden längst nicht alle Träume erfüllt. Mehr Von Rainer Seele, Saint-Gervais Mont Blanc

23.07.2016, 17:29 Uhr | Sport
Bevorstehende Rückkehr zum BVB Ancelotti wünscht Götze viel Glück

Nach dem Testspiel zwischen Bayern München und Manchester City am Mittwochabend war der anstehende Wechsel von Mario Götze zu Borussia Dortmund ein wichtiges Thema. Bayern-Coach Carlo Ancelotti äußerte sich verhalten zur Personalie. Im Falle eines möglichen Vereinswechsel wünschte Ancelotti Götze jedoch viel Glück. Mehr

21.07.2016, 11:22 Uhr | Sport
Frankfurt Das kann man alles in 24 Stunden schaffen

Seit vergangener Woche hat Uwe Becker noch mehr zu tun: Nun ist er auch als Bürgermeister unterwegs. Seine Familie ist die vielen Termine gewohnt. Der Stress könnte allerdings noch zunehmen. Mehr Von Tobias Rösmann

23.07.2016, 12:17 Uhr | Rhein-Main

Wozu noch Olympia?

Von Peter Sturm

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, Russland nicht komplett von den Spielen in Rio auszuschließen, zeugt von Feigheit. Dem IOC und seinem Präsidenten ist der eigene Ruf offenbar völlig gleichgültig. Mehr 103 175

Abonnieren Sie den Newsletter „Sport-Analysen“