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NHL : Igor Larionov: Alles gewonnen und doch noch hungrig

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Den Puck stets im Blick: Igor Larionov Bild:

Eishockey -Legende Igor Larionov ist auch mit 41 Jahren ein wichtiger Faktor im Finale des Stanley-Cups.

          Wenn ein Finalspiel um die im Profisport am schwierigsten zu erringende Trophäe 114 Minuten und 47 Sekunden dauert, wenn die beiden Gegner sich in einem Stanley- Cup- Finale sechs Drittel, also zwei Spiele lang intensiv beharken, dann erwartet man zuletzt, dass der älteste Spieler auf dem Eis die Entscheidung herbeiführt.

          Igor Larionov, der Senior der Detroit Red Wings und der kompletten NHL, hat genau das getan. Im zarten Alter von 41 Jahren und 187 Tagen schoss Larionov zwei Tore im dritten Stanley- Cup Finale zwischen Carolina und Detroit, darunter den Siegtreffer in der Verlängerung. Nach 114 Minuten und 47 Sekunden Spielzeit. Tore, die den Favoriten Detroit in der Best-of-seven Serie mit 2:1 Siegen in Führung brachten. Das 3:2 bezeichnete er Russe als "das wichtigste meiner Karriere.“

          Alles gewonnen und doch noch hungrig

          Das mag verwundern. Denn wenn jemand im Welt- Eishockey alles gewonnen hat, was da so an Trophäen herumschwirrt, dann ist es der kleine Mittelstürmer aus Voskresensk. Viermal Weltmeister, zweimal Olympiasieger, Canada Cup, russischer Meister, Europapokalsieger und - selbstredend - auch zweimal Stanley- Cup Sieger. „Ich habe aber in meiner Karriere nicht viele Tore in der Verlängerung geschossen. Und diese war ja nun etwas besonderes."

          Es ist bezeichnende für eine Finalserie, die bisher enger verläuft, als es Experten und Fans voraussagten, dass die Oldies entscheidende Akzente setzen. Bei den sehr routinierten Red Wings (Altersschnitt 30) konnte man das erwarten. Immerhin hat die Mannschaft drei Spieler in ihren Reihen, die in ihrer Karriere über 600 Tore erzielten.

          „Lieber alt und klug, als jung und dumm"

          Aber die "Canes" sind jung, defensivstark und unganehm bissig. Dennoch haben auch sie mit dem 39jährigen Kapitän Ron Francis einen Veteranen, der den Aussenseiter bisher zu beachtlichen Leistungen führte.

          „Je besser das Spiel, desto besser spielt Ron", sagt Hurricanes-Trainer Paul Maurice. Welch Kontrast: Maurice ist mit 35 der jüngste NHL-Coach. Neun Spieler der Red Wings sind älter als er. „Lieber alt und klug, als jung und dumm", sagte Brett Hull zu seinem Teamkameraden Larionov nach dessen Siegtor. "Jugend kann dich bis hierher führen. Aber dann macht oft Erfahrung den Unterschied aus."

          Gretzky des Ostens

          Jetzt stehen sie aber unter Druck und müssen das nächste Heimspiel gewinnen. Ob es wieder eines wird, dem in der Biographie von Igor Larionov ein Kapitel gewidmet wird? Das Buch über den "Gretzky" des Ostens ist fast schon fertig.

          Allein, es fehlt der Schluß. "Thinking Forward" heißt es. Ein Wortspiel, dass ebenso bedeutet, nach vorne zu denken, wie "denkender Stürmer". Kaum jemand in der Geschichte des Eishockeys hat derart große strategische Fähigkeiten, wie Larionov. "Professor" nennen ihn seine Mitspieler liebevoll. Nachvollziehbar, wenn man ihn in Zivil sieht. 1 Meter 75 groß, zarte 75 Kilo schwer. Nickelbrille. Als Depp kommt man in der Welt der NHL- Kraftmeier mit 41 kaum durch.

          Kämpfer gegen Doping

          Gleichwohl ist Igor Larionov ein Kämpfer und ein mutiger Mann dazu. Zu UdSSR- Zeiten, als er mit Sergej Makarov und Vladimir Krutov die berühmte KLM- Sturmreihe bildete, traute er sich, gegen das ständige Doping aufzubegehren.

          Seite an Seite mit Vyatscheslav Fetisov, der auf dem Eis hinter ihm verteidigte, prangerte er derartige Missstände im repressiven System um Trainer- Zuchtmeister Viktor Tichonov an.

          „Es war unerhört, was wir taten, eigentlich unmöglich. Aber Igor hat unglaublich viel für die Meinungsfreiheit getan und auch für die Freizügigkeit", erinnert sich Fetisov, heute russischer Sportminister.

          Drei russische Generationen bei den Red Wings

          Mit 29 Jahren durften beide in die NHL wechseln, gewannen zusammen mit den Red Wings zweimal den Stanley- Cup. In einer Mannschaft, in der Mitte der 90er zum erstenmal in der NHL- Geschichte ein Block komplett aus russischen Spielern spielte. Von der "russian five" ist neben Larionov nur noch Sergej Fedorov übrig.

          Der 32jährige gehört ebenso zu den unverzichtbaren Bestandteilen der Wings und zu den besten NHL- Spielern. Es gibt sogar drei russische Eishockey- Generationen in Detroit, feiert man doch den 23 Jahre alten Pavel Datsiuk als "neuen Larionov". Der Vergleich ist dem jungen Supertechniker unangenehm. Als er neu zu nach Detroit kam, sagte er zu der Legende, die sein Vater sein könnte, "Sie".

          Vater ist Igor Larionov im richtigen Leben längst. Seine beiden Töchter sind Teenager und haben bei Heimspielen der Red Wings schon die Nationalhymne gesungen. Die Terminplanung sieht eigentlich vor, dass Papa Igor aufhört, wenn sie mit der Schule fertig sind.

          Aber es gibt noch den dreijährigen Igor Junior und die Forderung vom besten Freund Slawa Fetisov: "Er muss weitermachen, bis der Kleine fähig ist, mitzubekommen, welch großartiger Spieler sein Vater ist. Er kann noch mindestens fünf Jahre spielen. Er war schon immer schlau und er ist fit. Er kann ewig spielen."

          "Wenn man gewinnt, möchte man das wieder tun"

          Die Zeichen, dass Fetisovs Appell erhört wird, stehen gut. "Ein oder zwei Jahre möchte ich schon noch spielen", hatte Larionov im Lauf der Saison gesagt. "Aber im Sommer werde ich mich zuhause in meinem Wohnsitz in Florida mit einem guten Glas Rotwein an den Pool setzen und endgültig darüber entscheiden."

          Gut möglich, dass dann weiter Geschichte geschrieben wird, selbst wenn ein dritter Stanley- Cup Sieg ein optimaler Ausklang der Karriere wäre. "Wissen Sie", sagt der 41jährige und die Augen hinter der Nickelbrille glänzen dabei. "Jedesmal wenn man gewinnt, möchte man wieder gewinnen." Und wenn es zwei Stunden dauert.

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