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Nationalmannschaft Lehmann stichelt weiter gegen Kahn

04.10.2004 ·  Vor dem Länderspiel am Samstag im Iran hat Ersatzkeeper Jens Lehmann seine Ansprüche auf einen Stammplatz im deutschen Tor erneuert. Er habe es verdient, „in den nächsten Jahren zu spielen“.

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Während Fußball-Deutschland noch den erneuten Ausraster von Oliver Kahn diskutiert, hat Jens Lehmann seine Ansprüche auf die Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft erneuert.

„Ich will bei der WM 2006 spielen und auch vorher ein paar Mal“, bekräftigte Lehmann vor dem ersten Länderspiel ohne Kahn unter der Regentschaft von Jürgen Klinsmann. Er habe es auf Grund seiner sportlichen Leistungen verdient, „in den nächsten Jahren zu spielen“, unterstrich der Torwart des FC Arsenal London im „Kicker“ und überraschte mit der Aussage, er wolle nach der WM 2006 eigentlich „noch ein zwei Jahre“ für den FC Bayern auflaufen.

Dies sei nur zur Hälfte als Scherz zu verstehen, ergänzte Lehmann: „Meine Familie zieht es später in die Münchner Gegend.“ Ernsthafter fügte der 34-Jährige, der am Samstag beim Länderspiel im Iran (18.00 Uhr) von Beginn an spielen wird, hinzu: „Es gibt immer viele Optionen. Ich würde auch gern bei Arsenal verlängern, um meine Karriere hier zu beenden.“ Er habe sich in der Zeit in England als Torhüter auch weiter verbessert: Die Schnelligkeit im Mitdenken und auch die körperliche Verfassung seien jetzt besser. Daß ihn Klinsmann dennoch nur als „Herausforderer“ bezeichnet, wertete Lehmann als Wortspiel: „Wichtig ist für mich die Chancengleichheit.“ Seinem Konkurrenten Oliver Kahn, dem der Bundestrainer eine „Regenerationswoche“ und damit auch Ruhe in der Heimat gestattet, wird Lehmann beim Treff der Nationalelf an diesem Dienstag in München nicht begegnen. Kahn sieht sich nach seiner „Finger-Attacke“ gegen den Bremer Nationalmannschafts-Kollegen Miroslav Klose zahlreichen Vorwürfen aus der Bundesliga ausgesetzt.

Hinter Frings steht ein Fragezeichen

Für den 35jährigen Münchner nimmt Klinsmann den zehn Jahre jüngeren Stuttgarter Timo Hildebrand mit nach Teheran. Auf Mittelfeldspieler Torsten Frings muß Klinsmann womöglich auch verzichten. Der Profi von Bayern München zog sich am vergangenen Samstag beim 2:1 des Rekordmeisters bei Meister Werder Bremen eine Verletzung im Oberschenkel zu. Frings begab sich am Montag zu einer genaueren Untersuchung zu Bayern- und Nationalmannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Das iranische Innenministerium und der gastgebende Fußball-Verband haben für den Aufenthalt des Vizeweltmeisters, der am Donnerstag nach Teheran fliegt, zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Im Hotel Asadi wurden zwei komplette Stockwerke für den DFB-Tross reserviert und für andere Gäste gesperrt. Das Hotel ist nur wenige Meter vom berüchtigten Ewin-Gefängnis entfernt, wo mehrere iranische Dissidenten inhaftiert sind. Aus Sicherheitsgründen wurden für die Partie am Samstag im „Azadi Sports Stadium“ auch nur 90.000 Tickets verkauft, obwohl die größte Arena Asiens mindestens 100 000 Zuschauer fasst.

„Eine ganz andere Welt“

Klinsmann sieht die Partie in Iran nicht nur als „weiteres Vorbereitungsspiel auf die WM 2006“, sondern ordnet der Reise gerade für die junge Garde auch einen hohen Erfahrungswert zu. „Man wird mit einer ganz anderen Welt konfrontiert. Es erwarten uns dort 100 000 Zuschauer im Stadion, das kann sich im Moment bildlich noch gar keiner vorstellen. Ich kann mir aber denken, daß da richtig der Teufel los sein wird. Darauf muß man sich einstellen“, betonte der Bundestrainer und verwies auf eigene Erfahrungen: „Wir haben 1998 gegen die Iraner bei der WM gespielt und richtig große Probleme gehabt. Das wird alles andere als eine einfache Sache. Wir werden schon in München versuchen, die Spieler darauf einzustellen.“

Ab Dienstag versammelt Klinsmann die 20 Auserwählten im Hotel Hilton Park beim Englischen Garten in München. „Wir werden wie schon bei den zwei vorhergehenden Spielen erneut einen Trainingsschwerpunkt setzen“, kündigte Löw an, ohne Details zu verraten. Das Team wird sich auch intensiv mit dem Gegner beschäftigen, „denn der ist ja nicht so wichtig einzuschätzen“, so der Klinsmann-Assistent. Aus den jüngsten Spielen nehmen die DFB Trainer positive Signale mit: „Die Stuttgarter sind gut drauf, Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger zeigten gute Form, und die Trefferquote von Miroslav Klose spricht für sich“, meinte Löw. Der Neu-Bremer könnte im Sturm den verletzten Stuttgarter Kevin Kuranyi, der in den zwei Partien unter Klinsmann alle vier Tore erzielt hatte, ersetzen. Lehmann sieht dem Freundschaftsspiel in Teheran gelassen entgegen. „Insgesamt sehe ich dieses Spiel mehr als Abenteuerreise denn als den totalen sportlichen Vergleich“, sagte er.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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