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Nationalmannschaft Klinsmann und Bierhoff sollen es richten

22.07.2004 ·  Jürgen Klinsmann ist bereit, bei der Führung des Fußball-Nationalteams eine wichtige Rolle zu spielen - möglicherweise auch als Team-Chef. Oliver Bierhoff als Team-Manager und Holger Osieck als Assistent sollen ihm zur Seite stehen.

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Die Suche nach einem neuen Teamchchef für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat eine unerwartete Wendung genommen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, gilt jetzt Jürgen Klinsmann als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Rudi Völler.

Harald Stenger, der Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), teilte am Mittwoch mit, daß DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt am Dienstag in New York Gespräche mit dem hundertachtmaligen Nationalspieler und Weltmeister von 1990 geführt hätten. Nach Informationen dieser Zeitung soll Klinsmann gegenüber dem DFB großes Interesse an der Aufgabe gezeigt haben - allerdings nicht in der Rolle eines Managers, sondern in der Position des Cheftrainers. Der 39 Jahre alte Schwabe hatte vor vier Jahren zusammen mit Matthias Sammer und anderen früheren Nationalspielern die Prüfung als Fußball-Lehrer erfolgreich abgelegt.

Verhandlungen in New York

Fünf Stunden lang verhandelten Mayer-Vorfelder und Schmidt mit Klinsmann in New York. Am Mittwoch um elf Uhr kehrten sie nach Frankfurt zurück, und schon eine Stunde später traf die vierköpfige Trainerfindungs-Kommission des DFB mit Mayer-Vorfelder, Schmidt, Franz Beckenbauer und DFL-Chef Werner Hackmann zum dritten Mal in Frankfurt zusammen. Details über die Verabredungen mit Klinsmann wurden vom DFB zunächst nicht bekanntgegeben, jedenfalls nicht offiziell. Aus gut informierten Quellen war indessen zu vernehmen, daß bei dem Treffen auch über eine Konstellation mit Klinsmann als Bundestrainer und dem ähnlich weltgewandten Oliver Bierhoff als Manager debattiert wurde. Bierhoff hatte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung für die Installation eines Manager-Postens für die Nationalmannschaft plädiert.

Man wolle "die Verhandlungen zur Nachfolge von Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe zügig zu einem Ende bringen", ließ Stenger lediglich verlauten. Doch allein die Tatsache, daß der DFB das Treffen in New York öffentlich machte, weist auf ein mögliches Engagement Klinsmanns hin. Bis zu diesem Mittwoch galten nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel der Niederländer Guus Hiddink und der Däne Morten Olsen als aussichtsreichste Kandidaten. Doch beide machten zuletzt nicht den Eindruck, als wären sie ohne Umschweife bereit für die Führung der deutschen Nationalelf. Für Lothar Matthäus fand sich in der DFB-Spitze keine Mehrheit, und auch der kamerunische Nationalcoach Winfried Schäfer gilt eher als Notlösung.

Parallele zu Franz Beckenbauer

Sollte Klinsmann tatsächlich Bundestrainer werden, wäre dies eine Parallele zum Werdegang von Rudi Völler und auch von Franz Beckenbauer. Beide übernahmen die sportliche Leitung der Nationalmannschaft, ohne vorher Erfahrungen als Trainer gesammelt zu haben. Unter Beckenbauer wurden die Deutschen 1990 in Italien Weltmeister. Zwölf Jahre später erreichte die DFB-Auswahl mit Völler als Trainer bei der WM in Südkorea und Japan den zweiten Rang.

Der in Los Angeles lebende Klinsmann hatte nach dem Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Portugal und Völlers Demission heftige Kritik am DFB und seinen Strukturen geübt. "Im Ausland wird über uns gelacht, weil wir ein jämmerliches Bild abgeben", hatte Klinsmann dieser Zeitung gesagt und sich, wie später auch Bierhoff, für die Schaffung eines Manager-Postens ausgesprochen. Offenbar gehen die Überlegungen der DFB-Führung unterdessen in die gleiche Richtung.

Seit Ende seiner Karriere 1998 lebt der gebürtige Schwabe mit seiner Familie in Los Angeles und hat sich seitdem vom deutschen Fußball weit entfernt. Er kümmert sich in einer von ihm 1995 gegründeten Stiftung um benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2004 / Nr. 168
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