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Nationalmannschaft „An Otto Rehhagel kommt man nicht vorbei“

 ·  „Wir werden versuchen, möglichst geheimnisvoll zu bleiben“, heißt es aus der Kommission, die einen neuen Bundestrainer finden soll. Otto Rehhagel ist Favorit - aber die Griechen wollen ihn nicht hergeben.

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Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versucht Ordnung ins Chaos der letzten Tage zu bringen. Am Freitag soll eine Kommission eine Konsenslösung im Machtkampf zwischen DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und seinem Herausforderer Theo Zwanziger erarbeiten, um eine Schlammschlacht bis zum DFB-Bundestag am 23. Oktober zu verhindern. Zudem ist die neu geschaffene und sogenannte Trainerfindungskommission („TFK“) damit beschäftigt, möglichst schnell einen Nachfolger für Rudi Völler zu finden. Dabei gilt Otto Rehhagel nach der Absage von Ottmar Hitzfeld nach wie vor als großer Favorit.

„Selbstverständlich gehört Otto Rehhagel zu den Kandidaten. Mit diesen Erfolgen, die er in Deutschland und jetzt mit der griechischen Nationalmannschaft hatte, kommt man an ihm nicht vorbei“, sagte Franz Beckenbauer am Mittwoch in München. Der Chef des Organisationskomitees für die WM 2006 gehört neben Mayer-Vorfelder, Liga-Präsident Werner Hackmann und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt der „TFK“ an.

Alle Kandidaten sind vertraglich gebunden

Ansonsten wollte sich Beckenbauer nicht zu den aktuellen Spekulationen äußern, nur soviel erklärte er. „Wir haben schon einiges getan und haben uns in fünf Minuten geeinigt, welchen Weg wir gehen wollen. Wir haben den ersten Gang eingelegt“, sagte der „Kaiser“ und fügte an: „Wenn ich jetzt voreilig einen Namen nenne, kann man die Sache morgen schon wieder beerdigen. Wir werden versuchen, möglichst geheimnisvoll zu bleiben.“ Allerdings verriet Beckenbauer dann immerhin, daß die in Frage kommenden Kandidaten „alle unter Vertrag stehen, darauf müssen wir Rücksicht nehmen“.

Der griechische Verband (EPO) hat am Mittwoch bereits eine Freigabe für Rehhagel kategorisch ausgeschlossen. „Es ist kein Thema, daß er uns verläßt. Mich interessiert nicht das Szenario, daß der Deutsche Fußball-Bund uns womöglich um eine Freigabe bittet. Herr Rehhagel wird noch zwei Jahre in Griechenland bleiben“, sagte EPO-Präsident Vassilis Gagatsis am Mittwoch in Athen.

Rehhagel selbst scheint einem Engagement in seinem Heimatland trotzdem nicht abgeneigt zu sein. Kontakt zum DFB hat es schon gegeben. Jetzt müsse er nachdenken, meinte „König“ Otto, der am Dienstag die Feierlichkeiten nach dem EM-Triumph in Griechenland beendet hat und nach Essen zurückgekehrt ist. Zu Hause wird der 65jährige nun auch mit seiner Frau Beate „verhandeln“ müssen, die einem Engagement beim DFB erst zustimmen muß: „Das habe ich immer so gehalten.“

Schaaf, Finke, Matthäus - oder doch Hiddink?

Sollte es mit Rehhagel nicht klappen, stehen auf der Geheimliste der Findungskommission angeblich die Namen von Werder Bremens Meistertrainer Thomas Schaaf, von Volker Finke (SC Freiburg) und weiterhin von Ungarns Nationalcoach Lothar Matthäus. Aber auch die „ausländische Variante“ mit dem Niederländer Guus Hiddink, dem Dänen Morten Olsen und dem Franzosen Arsene Wenger ist weiter ein Thema. „Wir brauchen keine schnelle, sondern eine gute Lösung“, hat Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bereits gemahnt.

Doch daran glaubt etwa Finke nicht: „Bei der Teamcheffrage ist der richtige Zeitpunkt verpaßt worden. Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen.“ Die Chancen, einen guten Nachfolger für Völler zu finden, seien gleich Null. Dabei hat etwa Chef-Kritiker Paul Breitner am Mittwoch den Freiburger Coach selbst favorisiert: „Er würde alle Kriterien erfüllen und würde den DFB revolutionieren. Er könnte den Weg öffnen für einen Fußball, der uns mehr Spaß machen würde.“

Neben der Trainerfrage beschäftigt die DFB-Führung aber weiterhin auch der Machtkampf an der Spitze, nachdem DFB-Schatzmeister Zwanziger gegen Mayer-Vorfelder um das Amt des Präsidenten kandidieren will. Da auch „MV“ nicht freiwillig das Feld räumen wird, soll nun eine Kommission, die erstmals am Freitag tagen wird, eine Lösung finden. Klar ist, daß eine Kampfabstimmung am 23. Oktober in Osnabrück vermieden werden soll.

Selbst Bundesinnenminister Otto Schily schaltete sich nun in die Diskussionen beim DFB ein. „Ich hoffe, daß alle Beteiligten kein Porzellan zerschlagen. Wir können es uns nicht leisten, daß es in der Führung des DFB zu keiner klaren und baldigen Entscheidung kommt“, so Schily. „Zwei Kandidaten? Das wäre die schlechteste Lösung. Ich bin der Meinung, daß man das bis Oktober nicht durchhalten kann. Da muß man einen Konsens finden“, betonte auch Beckenbauer.

Rückkehr von Völler als Teamchef?

Da Zwanziger nach derzeitigem Stand über die Unterstützung des Großteils der Regional- und Landesverbände verfügt, kann es nur darum gehen, Mayer-Vorfelder zu einem Verzicht auf seine Kandidatur zu bewegen. Doch „MV“, der seit 28. April 2001 die Geschicke des DFB leitet, hatte zuletzt immer wieder betont, nichts verbrochen zu haben und deshalb wieder zur Wahl antreten zu wollen. Am Mittwoch wollte sich der DFB-Präsident in München am Rande der Jubiläumsveranstaltung des WM-Triumphes von 1974 nicht zum aktuellen Geschehen äußern.

Indes deutet sich eine Rückkehr von Rudi Völler, der nach dem EM-Vorrundenaus am 24. Juni zurückgetreten war, zum DFB an. „Ich denke, der Rudi wird Teamdirektor. Dazu muß ihn der DFB einfach nur überreden“, sagte Leverkusens früherer Manager Reiner Calmund in einem Interview. „Es gibt keinen besseren auf dieser Position, er hat eine riesige Popularität und könnte dem neuen Bundestrainer den Rücken freihalten. Diese Karte muß der DFB unbedingt ausspielen.“

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