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Nahost-Konflikt Erfolgreicher Gefangenenaustausch auf deutschem Boden

29.01.2004 ·  Nach dem erfolgreichen Gefangenenaustausch auf dem militärischen Teil des Köln/Bonner Flughafens ist am Donnerstag eine erste Maschine zum Rückflug in Richtung Nahost gestartet.

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Überschattet von einem neuen blutigen Anschlag in Jerusalem ist der von Deutschland vermittelte Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah erfolgreich abgeschlossen beendet worden: Auf dem Flughafen Köln-Bonn wurden am Donnerstag 29 bis dahin in Israel einsitzende Häftlinge freigelassen. 400 palästinensische Gefangene wurden direkt in ihre Heimat überstellt.

Im Austausch dafür erhielt Israel die sterblichen Überreste dreier Soldaten, außerdem entließ die Hizbullah den vor drei Jahren als Geisel genommenen Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum in die Freiheit. Etwa sieben Stunden, bis zum frühen Nachmittag, dauerte die Aktion in Köln. Tannenbaum sowie die Särge der drei im Jahr 2000 in Libanon getöteten Soldaten waren mit einem Airbus der Bundesluftwaffe nach Köln gebracht worden.

Größter Gefangenenaustausch in der Geschichte des Konflikts

Israelische Wissenschaftler identifizierten die sterblichen Überreste der drei eindeutig - und machten damit den Weg frei für eines der größten Gefangenenaustauschverfahren in der Geschichte des Nahost-Konfliktes. Ein Großteil der 29 in Köln freigelassenen Häftlinge wurde am Nachmittag mit einem Airbus der Bundesregierung vermutlich nach Beirut geflogen.

Aber mindestens einer von ihnen wollte in Deutschland politisches Asyl beantragen, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker mitteilte. Es handelte sich dabei um einen Syrer, der nach Israel desertiert und dort festgenommen worden war. Er habe sich an die Bundesgrenzdirektion Köln-Wahn gewandt, hieß es. Unter den freigelassenen Häftlingen befanden sich der als Helfer der Hizbullah verurteilte Deutsche Steven Smyrek sowie die Hizbullah-Führer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid. Der Austausch fand unter strikter Abschirmung des Flugfeldes statt.

Fischer: Das notwendige Vertrauen auf beiden Seiten

Bundesaußenminister Joschka Fischer dankte den Sicherheitsdiensten, die den Austausch nach jahrelanger Vorarbeit zum Erfolg geführt hätten. Er wolle sich nicht direkt zu der Aktion äußern, sagte Fischer, doch habe die Bundesrepublik in dieser Sache hilfreich sein können. „Offensichtlich hat Deutschland auf beiden Seiten das notwendige Vertrauen“, erklärte er.

Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau sagte, der Ringtausch sei politisch bedeutsam für Deutschland. Zuvor hatte Uhrlau Iran für dessen Rolle beim Zustandekommen des Austauschs gewürdigt. Die Aktion war von langer Hand vorbereitet worden. Dazu nutzte die Bundesregierung ihre über Jahre aufgebauten Kontakte in der Region. Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre als Vermittler in Austauschverfahren zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet.

400 Palästinenser direkt in die Heimat überstellt

Mitarbeiter vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), darunter ein Arzt, begleiteten die Gefangenen auf ihrem Weg nach Deutschland. Mit allen Häftlingen seien in den vergangenen Tagen Einzelgespräche geführt worden, ob sie mit dem Austausch und den Bedingungen einverstanden seien, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal in Genf.

Das Rote Kreuz überwache auch die Freilassung der rund 400 Gefangenen an der israelisch-palästinensischen Grenze. Darüber hinaus wollte Israel die sterblichen Überreste von 60 getöteten libanesischen Kämpfern freigeben. Das IKRK wollte die Toten am Freitag den Familien übergeben.

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