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Nach Urteil zum Fußballmassaker Tödliche Krawalle in Ägypten

 ·  Ein Jahr nach der schlimmsten Fußballtragödie in Ägypten mit 74 Toten werden gegen die ersten 21 Täter Todesurteile ausgesprochen. In der Stadt Port Said brechen daraufhin Krawalle aus. Mehr als 30 Personen werden getötet. Die Regierung entsendet Truppen.

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© REUTERS Vergrößern Als „Ultras“ bekannte Al-Ahly-Fans feiern das Todesurteil gegen 21 Angeklagte Al-Masri-Fans in Kairo

Wegen ihrer Beteiligung an den schlimmsten Fußballkrawallen in der Geschichte Ägyptens sind in Kairo 21 Menschen zum Tode verurteilt worden. Der mit Spannung erwartete Richterspruch wurde am Samstag vom Staatsfernsehen direkt übertragen. Für 52 weitere Angeklagte soll das Urteil am 9. März fallen. Am Gerichtsort in Kairo brach nach der Verkündigung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer aus. In Port Said hingegen versuchten Angehörige der Verurteilten nach Bekanntwerden des Richterspruchs, das Gefängnis zu stürmen, in dem ihre Verwandten inhaftiert sind. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetze. Zwei Polizeiwachen wurden von der Menge gestürmt.

Das Innenministerium sprach von „gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen“ in Port Said. Ein Armeegeneral teilte mit, dass Truppen in die Hafenstadt an der nördlichen Einfahrt zum Suez-Kanal
geschickt worden seien, um für Ruhe zu sorgen und öffentliche Einrichtungen zu schützen.

Die blutigsten Ausschreitungen in der Fußballgeschichte Ägyptens

Vor einem Jahr, am 1. Februar 2012, waren im Fußballstadion der Stadt Port Said 74 Menschen ums Leben gekommen. Unmittelbar nach Abpfiff hatten Fans des Gastgebervereins Al Masri damals das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Fans des Kairoer Vereins Al Ahly losgegangen. Von den Al-Masri-Fans wurden 61 wegen Mordes angeklagt. Die Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al Ahly zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt. Vor Gericht stehen auch neun Polizisten. Sie wurden wegen Nachlässigkeit im Dienst angeklagt, weil sie die Fans vor dem Spiel nicht gründlich nach Waffen durchsucht hätten. Sie waren allerdings nicht unter den ersten Verurteilten.

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© dpa Vergrößern Im Gericht in Port Said reagieren Angehörige der angeklagten Al-Masri-Fans aufgebracht auf das Urteil

Längst ein Politikum

Der schwarze Tag im ägyptischen Fußball vor fast genau einem Jahr ist in dem nordafrikanischen Land längst zum Politikum geworden. Die Tragödie gilt als Symbol für die desolate Lage Ägyptens. Präsident Muhammad Mursi zählte die 74 Toten jüngst zu den offiziellen „Märtyrern der Revolution“.In wenigen Tagen wollen Regierung und Fußballrepräsentanten nun ein neues, friedliches Kapitel aufschlagen. Am 1. Februar soll die Fußball-Liga wieder starten.

Die Krawalle in Port Said stehen in keinem direkten Zusammenhang mit der seit zwei Tagen anhaltenden Gewalt in mehreren Städten Ägyptens. Sie war zum zweiten Jahrestag der Revolution am Freitag ausgebrochen, als Gegner von Präsident Mursi gegen seine Politik und den Einfluss der Muslimbruderschaft demonstrierten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind in den vergangenen drei Tagen insgesamt 20 Menschen getötet worden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle  (FDP) hat sich besorgt über die anhaltende Gewalt in Ägypten  geäußert. Er sehe „mit Sorge“, dass es in Ägypten nicht gelinge,  „die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft  des Landes friedlich zu führen“, sagte Westerwelle am Samstag.  Berlin verurteile jede Anwendung von Gewalt, „von welcher Seite  auch immer“. Abermals sicherte der Minister Ägypten die Unterstützung  Deutschlands beim „langen und auch schwierigen  Transformationsprozess“ zu.

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