14.03.2004 · Mit einem bizarren PR-Kreuzzug kämpft Karl-Heinz Wildmoser um seinen Posten als Präsident des TSV München 1860. Weiterhin wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Beihilfe zur Untreue gegen ihn ermittelt.
Karl-Heinz Wildmoser, der Präsident des TSV München 1860, will mit aller Macht an der Spitze des Bundesligaklubs bleiben. Für dieses Unterfangen unternimmt der Vierundsechzigjährige via Fernsehen einen bizarren PR-Kreuzzug. Dem Auftritt im "Sportstudio" des ZDF folgte am Sonntag morgen der Abstecher zum "Doppelpaß" im Deutschen Sportfernsehen. Für diesen Montag hat er sich für die Sendung "Blickpunkt Sport" des Bayerischen Fernsehens angesagt.
Machte Wildmoser am Samstag abend einen reichlich geschafften Eindruck, so wirkte er am Sonntag, zwei Tage nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre rund um den Bau der neuen Allianz Arena, ausgesprochen agil, sobald es um die Beteuerung seiner Unschuld ging. Dabei hat sich an seinem Status, wonach der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt ist, nichts geändert. Weiterhin wird wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Beihilfe zur Untreue ermittelt. Wildmoser indes weist jegliche Mitwisserschaft weit von sich, wenn es um die Geschäfte seines Sohnes Karl-Heinz geht, der sich nach seinem Geständnis noch in Untersuchungshaft befindet.
Seine Unterschrift verharmlost Wildmoser
Einen Einblick, wie Wildmoser senior Probleme aus der Welt zu schaffen pflegt, gewährte er im "Sportstudio". Auf die Frage des Moderators Rudi Cerne an den "Löwen"-Präsidenten, wie dieser reagiert hätte, wenn er Kenntnis von den Verstrickungen seines Sohnes gehabt hätte, antwortete der Vater: "Ich hätte versucht, das zu regeln. Es ist ein Problemfall in der Familie, und da will ich's lassen." Kritische Worte findet der Patriarch für alle jene, die seine Kreise stören: etwa die "Süddeutsche Zeitung", die er, konfrontiert mit Auszügen eines dort in der Samstagausgabe veröffentlichten Beitrags, "eine Käszeitung" nannte. "Vater Wildmoser", so heißt es dort, habe "Schriftstücke abgezeichnet, auf denen zumindest in Teilen der Eingang des Schmiergeldes der Firma Alpine von knapp 2,4 Millionen Euro erkennbar aufgelistet gewesen sei". Seine Unterschrift verharmlost Wildmoser nun als Bagatelle, weil er nicht so genau hingesehen habe.
Lieber eröffnete Wildmoser einen Nebenschauplatz, indem er darauf verwies, daß "Franz wegen einer Steuergeschichte in Amerika" war. Der damit angesprochene Bayern-Präsident Beckenbauer ließ sich ebensowenig aus der Reserve locken wie Karl-Heinz Rummenigge. In seiner Eigenschaft als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München zählt er neben anderen zu den von beiden Klubs gestellten Gesellschaftern der Allianz Arena München Stadion GmbH. Rummenigge will prüfen lassen, ob Schadensforderungen im Zusammenhang mit dem Korruptionsfall geltend gemacht werden können.
Wildmoser hält sich für unentbehrlich
An diesem Montag abend beraten beide Vereine gleichzeitig über die Nachfolge in der Geschäftsführung der Stadion GmbH nach der Abberufung von Wildmoser junior und dem für den 1. April verkündeten Rücktritt von Fritz Scherer, Vizepräsident des FC Bayern, in diesem Gremium. Der Aufsichtsrat der Fußballabteilung des TSV 1860 wird zudem darüber diskutieren, ob Wildmoser senior Präsident des Gesamtvereins bleiben soll.
Ein Neuanfang, den Oberbürgermeister Christian Ude auch in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsmitglied fordert, wird allerdings nur dann möglich sein, wenn ihn eine hierfür einzuberufende außerordentliche Delegiertenversammlung absegnet. Karl-Heinz Wildmoser setzt alles daran, sich als unentbehrlich für seine "Löwen" zu profilieren. So ist er Präsident geworden, und so will er es bleiben.