18.03.2004 · Der Baukonzern Alpine hat eine Zahlung von 1,4 Millionen Euro an Beschuldigte im Schmiergeldskandal um den Bau des Münchner Fußballstadions zugeben. Diese sei „weder unredlich noch unüblich“ gewesen.
Der österreichische Baukonzern Alpine hat nach eigenen Angaben für den Auftrag zum Bau des neuen Münchner Fußballstadions 1,4 Millionen Euro gezahlt.
Sein Unternehmen habe 0,5 Prozent der Auftragssumme in Höhe von rund 280 Millionen Euro bezahlt, sagte Alpine-Geschäftsführer Dietmar Aluta-Oltyan am Donnerstag vor Journalisten in Salzburg. Das Geld habe der inhaftierte Schulfreund von Karl-Heinz Wildmoser junior erhalten. Den Vorwurf der Bestechung wies Aluta-Oltyan vehement zurück.
„Tip für ein tolles Projekt“
Die Staatsanwaltschaft München I ging bisher von 2,8 Millionen Euro Schmiergeld im Zusammenhang mit dem Bau der „Allianz Arena“ aus.
Bei den 1,4 Millionen Euro habe es sich um Gelder gehandelt, die der Schulfreund von Karl-Heinz Wildmoser junior für „einen Tip für ein tolles Projekt“ erhielt, betonte Aluta Oltyan. Der Mann, mit dem Alpine bereits bei Projekten in Dresden kooperiert habe, sei in Salzburg vorstellig geworden und habe für den Fall eines positiven Bewerbungsausgangs für Alpine ein „Arrangement Fee“ verlangt. Dies sei „weder unredlich noch unüblich“, sagte Aluta-Oltyan. Das Geld sei nicht auf den Angebotspreis aufgeschlagen worden.
Daß der Mann Kontakt zu Karl-Heinz Wildmoser junior hatte und daß ein Teil des Geldes auch an Wildmoser geflossen sein soll, habe Alpine erst jetzt erfahren. Mit Wildmoser habe er lediglich im Rahmen der Verhandlungen mit der Jury Kontakte gehabt, betonte der Geschäftsführer. Keinesfalls sei Geld für Hinweise über einen von den Bauherren intern festgelegten Höchstpreis geflossen.
„Korrekt, sauber und transparent“
Bei dem Vergabeverfahren mit einer 17köpfigen Kommission sei es „völlig unmöglich“ gewesen, „in irgendeiner Weise einzugreifen oder zu beeinflussen“, betonte Aluta-Oltyan. Gegen ihn sowie einen weiteren Alpine-Geschäftsführer hat die Salzburger Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet. Aluta-Oltyan bezeichnete die Vorwürfe als rufschädigend und kündigte abermals mögliche rechtliche Schritte an. Die Auftragsvergabe sei vollkommen „korrekt, sauber und transparent“ gelaufen. Berichte, nach denen bei der Durchsuchung der Alpine in der vergangenen Woche ein Mitarbeiter versucht haben soll, Daten zu löschen, wies Aluta-Oltyan zurück. Ein solcher Versuch hätte ohnehin nichts genützt, da es für alle Daten Sicherungskopien gebe.
Der inzwischen als Präsident des Bundesliga-Clubs TSV 1860 München zurückgetretene Karl-Heinz Wildmoser senior (64), sein Sohn (40) und zwei weitere Beschuldigte sollen laut Staatsanwaltschaft Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe der „Allianz Arena“ kassiert haben. Der frühere „Löwen“-Präsident und einer der Beschuldigten wurden inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen, Wildmoser junior und sein Schulfreund sitzen dagegen weiterhin im Gefängnis.