Kaum Freude über den Derby-Sieg, stattdessen bange Blicke auf das Champions-League-Duell gegen Celtic Glasgow: Unmittelbar nach dem mühevollen 1:0 (1:0) im 198. Stadtduell gegen den TSV 1860 dachte bei Bayern München schon alles an den Auftritt am Dienstag in Schottland - und das abermals drohende frühe Aus in der „Königsklasse“.
„Für Glasgow reicht diese Leistung nicht“
„Das wird ein existenzielles Spiel. Diese Leistung reicht noch lange nicht für Glasgow. Wenn wir dort bestehen wollen, müssen wir 50, 60 Prozent drauflegen. Sonst brauchen wir dort nicht anzutreten“, mahnte Oliver Kahn, der aber nach wie vor von seinem Team überzeugt ist: „Ein gutes Pferd springt eben nur immer so hoch, wie es muß.“
Auch Trainer Ottmar Hitzfeld erwartet von seiner Mannschaft deutlich mehr Engagement. „Wir müssen uns gewaltig steigern. Wir müssen besser nach vorne spielen und mehr Laufbereitschaft zeigen“, sagte er. „Ich gehe davon aus, daß es in Glasgow eine Schlacht geben wird.“ Während sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wortkarg gab („Für uns ist wichtig, daß wir im Moment gewinnen. Das Spiel in Glasgow wird sicherlich schwerer werden“), forderte auch Manager Uli Hoeneß eine Steigerung: „Wir müssen noch viel verbessern. Allerdings haben wir in der Vergangenheit schon oft gut gespielt, wenn wir mit dem Rücken zur Wand standen.“
Nach Ansicht von „Löwen“-Präsident Karl-Heinz Wildmoser können sich die Bayern den Trip auf die Insel dagegen sparen. „Ich glaube, daß die in Glasgow nicht viel gewinnen werden. Die werden sauber aus dem Stadion hinausgehauen. Das ist schade für den deutschen Fußball“, meinte der Klubchef und machte seinen Spielern, die zum siebten Mal nacheinander gegen den großen Nachbarn unterlagen, Komplimente. „Das war schon hervorragend, wie die Mannschaft aufgetreten ist. Man hat gesehen, daß sie nie aufgesteckt hat und unbedingt gewinnen wollte.“
Die Löwen als „moralischer Sieger“
Trainer Falko Götz sah „die Blauen“ sogar als „moralische Sieger“ - lediglich bezwungen durch einen Treffer des Holländers Roy Makaay (34.), der in bisher elf Bundesliga-Spielen nun schon siebenmal erfolgreich war. In der Tat hatte der deutsche Rekordmeister vor 69.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion während der gesamten Partie kaum zu seinem Spiel gefunden. Zwar standen „die Roten“ in der Abwehr einigermaßen sicher, das war's dann aber auch schon. „Wir haben nicht gut gespielt und zu wenig für die Offensive getan“, monierte auch Hitzfeld und fügte hinzu: „Es ist mir unerklärlich, daß man in einem Derby nicht so heiß ist, daß man konzentriert zur Sache geht.“
Ein wenig Wirbel gab es derweil um den Platzverweis von Bayern-Profi Hasan Salihamidzic: Schiedsrichter Herbert Fandel hatte den Bosnier in der 61. Minute mit einer Roten Karte des Feldes verwiesen. Der Unparteiische, der gleichzeitig „Löwen“-Spieler Andreas Görlitz wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte zeigte, hielt dies nach Schlußpfiff allerdings für einen Fehler.
„Ich bewerte die Szene nun anders. Aus der Totalen heraus hat es sich so dargestellt, daß Salihamidzic am Boden liegend nachgetreten hat. Nach Betrachten der anderen Perspektive war dies aber nicht der Fall. Ich kann nur bestätigen, daß ich mich geirrt habe“, sagte Fandel, der seinen Spielbericht an den Kontrollausschuß des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schicken wird. Dieses Gremium entscheidet, ob gegen Salihamidzic Anklage erhoben wird. Für Hitzfeld ist der Fall indes klar: „Ich gehe davon aus, daß Hasan freigesprochen wird.“