22.03.2011 · Der 21 Jahre alte Stefan Bradl gewann in Qatar den WM-Auftakt in der Moto2-Klasse. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Chancen auf den WM-Titel, die Aufmerksamkeit, die ein Motorradpilot bekommt, und seine Ziele für die nächste Saison.
Haben sich die Gegner darüber gewundert, dass mal wieder ein junger Deutscher ganz oben auf dem Podium stand?
Das ist mir egal, ob die sich gewundert haben oder nicht. Die haben gesehen, dass ich schnell bin. Das wussten sie schon nach den Tests in Jerez. Ich glaube, dass die mich schon auf der Rechnung hatten. Wenn nicht, dann sollten sie das spätestens nach diesem Wochenende haben.
Sie klingen überhaupt nicht überrascht über Ihren Erfolg.
Nein, das bin ich auch nicht. Das ganze Wochenende bin ich dominant gewesen, das fing schon im ersten Training an, ging weiter mit der Pole-Position und hörte mit dem Sieg auf. Ich habe vorher versucht, ein bisschen tiefer zu stapeln. Ich wollte nicht so großen Druck aufkommen lassen. Aber irgendwie habe ich gewusst, dass etwas möglich ist. Mit so einem Gefühl bin ich noch nie in ein Rennen gegangen. Dass ich es umsetzen konnte, macht mich sehr, sehr glücklich. Und wenn ich das einmal schaffe, warum soll mir das nicht auch ein zweites Mal gelingen?
Mit einem Schlag sind Sie nun Mitfavorit auf den WM-Titel.
Ja, momentan bin ich WM-Leader. Aber es ist noch zu früh für eine Prognose. Wir stehen ganz am Anfang der Saison, und die Gegner sind richtig stark. Immerhin wissen wir nun, dass wir konkurrenzfähig sind. Ich kann trotzdem nicht sagen, dass es so weitergeht.
Hat sich schon etwas verändert?
Nichts, ich hatte ja auch kaum Zeit für mich. Zuerst habe ich Interviews gegeben, dann bin ich ins Hotel gefahren, habe geduscht und meine Sachen gepackt. Wir sind noch in der Nacht zurück nach Deutschland geflogen. Jetzt trinken wir ein bisschen Kaffee, und abends werden wir schön Essen gehen mit der Familie und meinen Freunden.
Entschuldigung, aber das klingt reichlich unspektakulär. Als Formel-1-Fahrer wären Sie jetzt ein gefragter Mann.
Sicher schaut man manchmal ein bisschen wehmütig zu den Jungs rüber. Die machen natürlich einen großartigen Job, aber ich glaube, dass unserer mindestens genauso hart ist. Dass dies trotzdem nicht richtig gewürdigt wird, das ist eben so. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und Leistung zeigen. Das war in der Formel 1 nicht anders. Erst Michael Schumacher hat diesen Sport in Deutschland wieder zu einer Top-Sportart gemacht.
Das ginge im Motorradsport vielleicht einfacher, wenn Sie in der höchsten Klasse fahren würden, in der Moto-GP gegen Stars wie Valentino Rossi.
Natürlich würde ich da gerne fahren, und es ist auch realistisch. Ich habe gezeigt, dass ich mit diesem Mittelklasse-Motorrad gut zurechtkomme, und ich traue mir die Moto-GP zu. Das geht dann schon ein bisschen in die Richtung Formel 1, da brauchst du richtig gutes Material. Aber wir haben jetzt erst einmal ein hartes und hoffentlich erfolgreiches Jahr vor uns. Das wollen wir gut hinter uns bringen, und dann wird man vielleicht schon im Laufe dieser Saison das eine oder andere Gerücht hören.
Die Fragen stellte Michael Wittershagen.