08.09.2010 · Keine Überraschung in Paris: Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbands Fia hat bei seiner Sitzung keine weiteren Strafen für Ferraris arrangierten Doppelsieg von Hockenheim beschlossen.
Ferrari ist in der Teamorder-Affäre von Hockenheim ohne weitere Strafe davongekommen. Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbands Fia bestätigte am Mittwoch in Paris lediglich das bereits von den Rennkommissaren verhängte Bußgeld von 100.000 Dollar gegen den italienischen Formel-1-Rennstall. Die Punkte in der WM-Wertung für den Doppelerfolg beim Großen Preis von Deutschland darf das Team nach Angaben des italienischen Fia-Delegierten behalten.
Ferrari-Pilot Felipe Massa hatte bei dem Rennen seinen Teamkollegen Fernando Alonso überholen lassen und ihm damit den Sieg geschenkt. Möglicherweise hatte es zuvor eine entsprechende Anweisung des Teams gegeben, worauf Massa mit sichtbarer Verärgerung reagierte. Eine derartige Teamorder ist seit 2002 verboten.
Direkt nach dem Grand Prix in Hockenheim am 25. Juli hatten die Streckenrichter Ferrari für das dubiose Manöver in der 49. Runde zu einem Bußgeld von umgerechnet 77.500 Euro verurteilt. Zudem verwiesen die Kommissare den Fall an den Weltrat. Gemäß dem Fia-Regelwerk wären weitere Strafen von Punktabzug über eine Sperre bis hin zum WM-Ausschluss möglich gewesen. Der Rennstall hatte eine Teamorder stets bestritten. Mit Funksprüchen seien die beiden Piloten lediglich auf die aktuelle Renn-Situation hingewiesen worden, beteuerte Teamchef Stefano Domenicali. Alonso ist als zweimaliger Weltmeister die Nummer eins bei Ferrari, auch wenn der Rennstall das offiziell nie zugeben würde. Zudem liegt der Spanier in der WM-Wertung vor Massa.
Die Aktion hatte in der Formel 1 eine heftige Debatte über den Sinn des Teamorder-Verbots ausgelöst. Der amtierende Champion Jenson Button, sein McLaren-Stallrivale Hamilton und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug votierten nach dem Vorfall von Hockenheim für eine Beibehaltung des Verbots. In weiten Teilen des Fahrerlagers wird aber offenbar eine salomonische Lösung bevorzugt: Der Teamorder-Bann wird abgeschafft, aber alle Teams verpflichten sich stillschweigend dazu, derartige Anweisungen an ihre Fahrer möglichst selten anzuwenden.
Das Urteil galt auch als erste große Bewährungsprobe für Fia-Chef Jean Todt. Als Ferrari-Teamchef hatte der Franzose mit Schumacher den Rennstall einst durch seine erfolgreichste Ära geführt. 2001 gab er Barrichello in Österreich das Kommando: „Let Michael pass for the Championship.“ Wegen des Interessenkonflikts überließ Todt seinem Stellvertreter Graham Stoker die Leitung der Sondersitzung des Weltrats. Todts Vorgänger Max Mosley hatte zuvor eine harte Strafe für Ferrari gefordert. Todt indes ist seit seiner Amtsübernahme auf Ausgleich bedacht und deutlich von Mosleys Konfrontationskurs abgerückt.