28.05.2006 · „Schummel-Schumi“ ist wieder da. Diesmal hat er falsch geparkt und wurde dafür bestraft. Nicht abgeschleppt, aber zurückgestellt auf den letzten Startplatz. Während er sich unschuldig fühlt, zieht die Konkurrenz mit deftigen Worten über den siebenmaligen Weltmeister her.
Als sich Michael Schumacher in Monaco kurz vor Mitternacht endlich ins Bett legen wollte, wurde er durch eine SMS aufgeschreckt. Die Sportkommissare des Automobil-Weltverbandes FIA hatten dem siebenmaligen Formel-1-Weltmeister nach achtstündiger Beratung wegen eines umstrittenen Manövers im Qualifying in den Straßenschluchten Monte Carlos die Pole Position aberkannt. Der Ferrari-Star wurde auf den letzten Startplatz strafversetzt und obendrein im Fahrerlager als Schummler an den Pranger gestellt.
Schumacher hatte eine Welle der Empörung ausgelöst, weil er den Ferrari wegen eines angeblichen Fahrfehlers an der Leitplanke parkte und dadurch alle nachfolgenden Konkurrenten behinderte. Schumacher war sich auch am Sonntag keinerlei Schuld bewußt und wollte seine als Foulspiel gewertete Aktion sogar beschönigen: „Wenn man über so viele Jahre hinweg erfolgreich ist, dann versuchen natürlich viele daran zu rütteln. Ich kann damit gut schlafen, man hat eben auch Feinde.“
„Er soll aufhören und uns in Ruhe lassen“
Für Schumachers Manager Willi Weber, in dessen Ferienhaus vor den Toren von Cannes der Ferrari-Star während des Wochenendes wohnt, war das FIA-Urteil ein Skandal: „Michael war doch vorverurteilt. Die Entscheidung ist sehr hart“. Die Pole Position wurde Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) am grünen Tisch zugesprochen.
„Michael wird hoffentlich seine Konsequenzen ziehen, aufhören und uns in Ruhe lassen. Für mich ist er ein Drecksack. Er soll mit der Formel 1 aufhören, denn er schadet unserem Sport“, polterte der frühere Weltmeister Keke Rosberg, während nur wenige Meter entfernt Renault-Teamchef Flavio Briatore vor Wut schäumte: „Das ist eines siebenmaligen Weltmeisters nicht würdig. Das Märchen, daß es ein Fahrfehler war, kann er mir nicht auf die Nase binden. Michael hält uns alle für Narren, wir sind doch nicht Schneewittchen und die sieben Zwerge.“
„Michael hat uns alle verarscht“
Ein wenig Unterstützung erhielt „Lügner Schumacher“ (Rosberg) von FIA-Präsident Max Mosley. „Man darf Michael nicht als Betrüger abstempeln, das würde zu weit gehen“, sagte der Engländer. Doch vor allen Dingen die Uneinsichtigkeit Schumachers brachte die Kollegen auf die Palme. „So etwas ist einfach nur peinlich für einen Weltmeister. Wenn es keine Absicht war, sollte man ihm die Superlizenz entziehen, dann hat er in einem Rennauto nichts verloren“, meinte Ex-Titelträger Jacques Villeneuve (BMW-Sauber/Kanada).
Die allgemeine Empörung brachte McLaren-Mercedes-Pilot Juan Pablo Montoya (Kolumbien) auf den Punkt, nachdem einige Piloten sogar schon den Rücktritt Schumachers als Vorsitzender der Fahrervereinigung „GPDA“ gefordert haben sollen. Montoya: „Michael hat uns alle verarscht.“
„Glaube nicht, daß ich schuldig bin“
Besonders die Häufung der Vorfälle rund um Schumacher in den letzten Jahren (Villeneuve: „Da hat es ja schon einiges gegeben“) stießen einigen Beobachtern bitter auf. Schumacher reagierte am Samstagabend, als er gegen 22.00 Uhr noch vor Bekanntgabe des FIA-Urteils das Fahrerlager verließ, fast schon gleichgültig auf die Vorwürfe seiner Kollegen. „Es sind ja über die Jahre hinweg immer die Gleichen, die diese Ding behaupten. Stehe ich hier vor Gericht? Wenn ich schuldig sein soll dafür, daß ich zu schnell fahre und dabei Fehler mache, dann bin ich schuldig. Aber ansonsten glaube ich nicht, daß ich schuldig bin“, betonte der Kerpener. Ferrari-Teamchef Jean Todt kritisierte das „unverständliche Urteil“ als „sehr ernsten Präzedenzfall“.