30.07.2009 · Bald wird das „Kinn der Nation“ endlich wieder dort zu finden sein, wo es hingehört: unter einem Formel-1- Helm. Michael Schumacher ist mittlerweile vierzig. Höchste Zeit für ihn, zu beweisen, dass er zwar älter geworden, aber noch ganz der Alte ist.
Von Evi SimeoniEs war an einem Sonntagnachmittag vor zehn Jahren, als Michael Schumacher glaubte, er müsse sterben. Er hatte auf der Rennstrecke in Silverstone zu bremsen versucht – doch die Bremsen seines Ferrari reagierten nicht. Das Auto brach aus, im Kiesbett wurde er langsamer, doch raste er mit immer noch 109 Kilometern pro Stunde in eine Mauer. Jahre später schilderte er, wie er die folgenden Sekundenbruchteile erlebte: „Plötzlich spüre ich, wie mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus. Und dann denke ich, so fühlt es sich wohl an, wenn du auf dem Weg nach oben bist.“
Eine deutliche Warnung, möchte man meinen, für den damals 30 Jahre alten Kerpener. Fünf Jahre zuvor hatte er das Rennen in Imola gewonnen, bei dem der damalige Superstar Ayrton Senna tödlich verunglückte. Es war ein Bild für Zyniker: Von jenem Tag an war der Brasilianer Vergangenheit – der Deutsche die Zukunft. In der Folge wurde Schumacher zweimal Weltmeister. Was wollte er also jetzt, im Juli 1999, noch mehr erreichen?
Schumacher wurde zum Sinnbild für dauerhaften Erfolg
Drei Monate später war Schumachers Beinbruch notdürftig ausgeheilt, und er startete zum Großen Preis von Malaysia. In den folgenden Jahren erhöhte er die Zahl seiner Titelgewinne auf sieben, er führte den Rennstall Ferrari zu historischer Blüte, übertraf einen Rekord nach dem anderen und wurde zum Sinnbild für dauerhaften Erfolg. Schumacher und Formel-1-Rennen, das war fast dasselbe, nicht nur für seine Fans.
Offenbar auch für Schumacher selbst. Als er im Oktober 2006 seine Karriere vorerst beendete, verloren nicht nur die Branche ihre populärste Figur, Ferrari seinen größten Star, RTL seine Quotengarantie und die deutschen Rennstrecken den Kultstatus. Schumacher, der fortan als Fußgänger und Ferrari-Berater in der roten Kluft immer mehr wie ein verkleideter Pensionär wirkte, hatte auch ein Stück seiner Identität verloren. Als Hobbyfahrer raste er auf Motorrädern seiner alten Persönlichkeit hinterher und produzierte immer schlimmere Stürze. Derweil behauptete er, zufrieden zu sein mit seinem Leben auf dem Gutshof am Genfer See, wo seine Frau Westernpferde züchtet.
Das „Kinn der Nation“ gehört unter einen Rennhelm
Er war es wohl nicht. In drei Wochen wird das „Kinn der Nation“ endlich wieder dort zu finden sein, wo es hingehört: unter einem Formel-1- Helm. Das Siegerpodest allerdings wird nicht so leicht zu erobern sein. Schumacher ist mittlerweile vierzig Jahre alt. Höchste Zeit natürlich für einen Mann, zu beweisen, dass er zwar älter geworden, aber noch ganz der Alte ist. Doch das ist schwer, auch wenn das Rennfieber noch schwelt.
Eine plausible Erklärung für seinen akuten Rückfall hat ihm der schwere Unfall seines einstigen Teamkollegen Felipe Massa jedenfalls geliefert. Schumacher kann – zumindest für eine Weile – wieder einfädeln in den laufenden Verkehr, direkt von der Standspur. Und offenbar ist sein innerer Motor in den vergangenen drei Jahren nie ausgegangen. Ein Abklatsch? Eine Wiederholung gar? So ist das eben in der Formel 1. Man fährt nie von A nach B. Man fährt immer nur im Kreis.
Michael Schumacher hilft Ferrari und Massa
Christoph Runge (Chris271)
- 30.07.2009, 19:58 Uhr
Liebe Frau Evi Simeoni
Bernd Haberzettl (banano_de)
- 02.08.2009, 17:12 Uhr