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Schumacher-Abschied Kerpen - eine Stadt zwischen Trauer und Stolz

23.10.2006 ·  Als sich die treuesten Fans zum letzten Mal in den Armen lagen, kullerten in Kerpen die Tränen. Die letzte Schumacher-Feier vor der Renn-Rente ihres Idols geriet in der Heimatstadt des 37jährigen zur rührseligen Abschiedsshow.

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Als sich die treuesten Fans zum letzten Mal in den Armen lagen, spielte die Regie in Kerpen einen Klassiker: „Niemals geht man so ganz“ von Trude Herr ließ bei den raubeinigsten Männern die Tränen kullern. Die letzte „Schumi“-Feier vor der Renn-Rente ihres Idols Michael Schumacher geriet in der Heimatstadt des 37jährigen zur rührseligen Abschiedsshow.

Noch einmal hatten sich mehr als 1000 Fans zum Abschiedsrennen ihres Idols beim Großen Preis von Brasilien herausgeputzt, schwenkten Ferrari-Fahnen in der Jahnhalle. Etwas Endgültiges lag in der Luft. „Heute gehen 16 Schumi-Jahre zu Ende“, sagte der Sportbeauftragte der Stadt, Dieter Follmann, und stellte eine eigens für diesen Tag von Radio Erft komponierte Hymne an. Die Menge sang: „Wir sagen danke, danke Schumi.“

„Dat war's“

Als der Formel-1-Pilot im Ferrari schließlich Gas gab, reckte Gabi Jingter die Faust in die Höhe, ihre Schumacher-Puppe fest unter den Arm geklemmt. „Die Chancen für den Titel stehen 50:50“, meinte die 45jährige. Wie sie hofften viele trotz der schlechten Chancen auf einen triumphalen Abschied des wohl berühmtesten Sohnes der 64.000-Einwohner-Stadt zwischen Köln und Aachen (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Formel-1-Finale in São Paulo).

Der Traum vom achten Weltmeistertitel zerplatzte in der neunten Runde. Mit einem zerstörten Hinterreifen geriet Schumacher in Sao Paulo ins Schlingern. Und Kerpen verstummte. Was der TV-Kommentator mit „Michael hat ein Problem“ beschrieb, hieß bei Reiner Ferling: „Det kann doch net immer sein, verdammt noch mal!“ Der Mann mit dem roten Zylinder voller Rennfahrer-Puppen - auch eine Institution unter den Schumacher-Fans - schlug die Hände vor das Gesicht. Ferling ahnte: „Dat war's.“

„Wir haben ja noch den Papsthügel

Sichtlich mitgenommen sagte der Sportbeauftragte Follmann: „Wir haben alle Höhen und Tiefen mitgemacht.“ Kerpen habe Schumacher viel zu verdanken. „Der Marketingwert, den er uns gebracht hat, würde für ein Unternehmen sicher im sechsstelligen Bereich liegen.“

Bürgermeisterin Marlies Sieburg schätzte den Verlust geringer ein: „Die roten Fahnen, die das Stadtbild durchaus bereichert haben, werden weniger werden.“ Aber das Michael-Schumacher-Kartcenter bleibe ein Magnet. Auch Stadtsprecher Detlev Geratz verbreitete Optimismus. Letztlich sei Kerpen mehr als Schumacher, sagte er und verwies auf ein prominentes Überbleibsel des Weltjugendtags 2005: „Wir haben ja noch den Papsthügel.“

Montezemolo bedankt sich

Unmittelbar nach dem letzten Rennen bedankte sich auch Ferrari-Boss Luca di Montezemolo bei Schumacher für die geleistete Arbeit. Er sagte, er freue sich „auf eine weitere Zusammenarbeit“ mit dem ihm außerhalb des Rennautos. „Wir sind Michael Schumacher von tiefstem Herzen dankbar. Wegen der Zuneigung, die wir alle für ihn empfinden, wird die Beziehung zwischen Ferrari und Schumacher weiter gehen“, schrieb Montezemolo in einem Beitrag für die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ (Montag-Ausgabe).

„Unternehmen bestehen aus den Menschen, die für sie arbeiten. Mit Schumacher wird sich Ferrari auch künftig mit technischen und menschlichen Werten ohne Gleichen bereichern“, sagte Montezemolo, der vor allem die menschlichen Qualitäten des Ausnahmefahrers lobte. „Jeder weiß, daß Michael ein großartiger Pilot ist. Viele haben aber erst nach dem Ausfall in Suzuka gemerkt, daß er auch ein Mensch mit außerordentlichen Qualitäten ist. Er ist loyal, solide, ausgeglichen und stets fest entschlossen, das Beste zu geben“, meinte der Ferrari-Chef: „Dieser Charakterzug war für Ferrari ausschlaggebend, um die Erfolge dieser Jahre zu erreichen.“ Schumacher habe sich auch „in schwierigen Momenten stets als ein Mitglied des Teams“ gegeben: „Mit seiner analytischen Klarheit hat er immer die Arbeit der Techniker zu effizienten Lösungen geführt.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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