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Robert Kubica Auf der Ideallinie - nicht nur in der Formel 1

07.09.2008 ·  Robert Kubica ist trotz seiner erst 23 Jahre längst angekommen in der Formel 1. Das mag auch mit seiner ehrgeizigen Lebensführung zusammenhängen. Denn der Pole mag keine Umwege - im Leben genauso wenig wie im Rennsport.

Von Anno Hecker, Spa-Francorchamps
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Vor knapp zwei Jahren saß Robert Kubica auf einer Pressekonferenz neben Michael Schumacher. Gerade hatten die beiden den Großen Preis von Italien in Monza beendet. Der Deutsche strahlte als Sieger, bevor er mit gewählten Worten das Ende einer Ära ankündigte: seinen Rücktritt zum Ende des Jahres 2006. Alle schauten auf Schumacher. Nur Kubica starrte gedankenverloren geradeaus. Als habe er damals an einen Leitspruch in der Formel 1 gedacht: Einer geht – und einer kommt.

Robert Kubica, 23 Jahre alt, geboren in Krakau, ausgewählt und hineingeworfen in die Formel 1 von BMW-Sauber, ist längst angekommen. In seinem ersten Rennen ersetzte er den ehemaligen Weltmeister Jacques Villeneuve, im dritten jubelte er mit dem Meisterpiloten Schumacher auf dem Podium, im 25. (Bahrein 2008) erreichte er die erste Pole Position, und im 29. (Kanada) gewann er zum ersten Mal.

„Kubica schneidet wie das Messer durch die Butter“

Kubica brach damit erstmals seit dem Herbst 2006 in die Phalanx der Abonnement-Sieger Ferrari und McLaren ein. Diese Tour hat ein Tempo, das selbst der größten Konkurrenz imponiert: „Kubica“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach dem vergangenen Rennen in Valencia, „schneidet wie das Messer durch die Butter.“

Diese Schärfe sieht und hört man ihm an. Kubica hat ein kantiges Gesicht. Seine schneidende Stimme transportiert Sätze, die keine Umwege machen. Vielleicht hat sein Lebensweg seine Sprache geformt: immer geradeaus. Mit 13 zog es ihn aus dem Elternhaus nach Italien. Ohne ein Wort Italienisch zu können, überzeugte Kubica alle Welt im gelobten Land des Kart-Sports, dass es eine Sprache gibt, die jeder versteht: Bestzeiten.

„Drei Sachen für die Insel? Auto, Reifen und Benzin“

Kubica erhielt einen Werksvertrag als Kart-Pilot, Italienischunterricht quasi frei Haus und die Bestätigung, zeitraubende Kurven auslassen zu können. Er lacht schnell, gibt gerne einen Blick auf das Gesicht unter dem großen Schirm seiner Sponsorenkappe frei. Da ist nichts zu entdecken von dem verbissenen Ehrgeiz, an den sich manch Mittelmäßiger so verzweifelt klammert, aber ein klarer Blick für das Ziel. „Robert“, sagt BMW-Sportchef Mario Theissen, „ordnet dem Motorsport alles unter.“

Und jeden. Seine Freizeit verbringt Kubica gerne mit Drifts auf der Kart-Bahn. Die Freundin darf zuschauen. Und so muss man die Antworten des jungen Rennfahrers zu seiner Lebensführung wohl ernst nehmen. Als BMW fragte, was er auf eine einsame Insel mitnehmen wolle, präzisierte Kubica seine Prioritäten: „Auto, Reifen und Benzin.“

Ein Strich in der Landschaft - oder ein Ausrufezeichen

Auch im wirklichen Leben achtet er nicht nur ständig auf die Ideallinie, sondern auf jedes Maß, das ihn beschleunigt. Fünf Kilogramm trotzte Kubica seinem Körper vor der Saison ab, um als Leichtgewicht den Ingenieuren mehr Spielraum bei der Verteilung des Ballastes im Boliden einzuräumen. So steht er nun mit 1,84 Metern und 69 Kilogramm wie ein Strich in der Formel-1-Landschaft – oder wie ein Ausrufungszeichen.

Kubica fordert nicht nur sich bis ans Limit. Auch BMW-Sauber bekommt die Lust des Polen zu spüren, ständig die Grenzen auszuloten. „Seit Kanada, als ich die Fahrerwertung anführte, vermisse ich ein bisschen das Gefühl im Team, dass wir eine Chance hatten, die Weltmeisterschaft zu gewinnen“, sagte Kubica dieser Zeitung, „man weiß schließlich nicht, ob man diese Gelegenheit wieder bekommt. Ich denke, damit hätten wir besser umgehen können.“

„Verglichen mit dem Saisonbeginn, haben wir verloren“

Etwa mit einer stärkeren Konzentration auf die Gegenwart, als sich wegen der umfassenden Regeländerungen intensiv mit dem Boliden für 2009 auseinanderzusetzen? BMW bestreitet, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit nachgelassen hat. Kubica aber verweist auf den gewachsenen Rückstand hinter Ferrari und McLaren-Mercedes: „Verglichen mit dem Saisonbeginn, haben wir verloren. Da waren wir teilweise noch vor ihnen.“

Ein Grund für Trübsal ist das nicht. BMW unterstützte Kubica schließlich massiv, als er im vergangenen Jahr mit der Motorbremse nicht zurechtkam. Diese elektronische Fahrhilfe, eigentlich eine Unterstützung des Fahrers, funktionierte nicht in Verbindung mit dem aggressiven Fahrstil Kubicas, seinem fast brachialen Einlenken. Inzwischen ist diese Elektronik verboten. „Jetzt ist es viel leichter für mich. Und in gewisser Hinsicht gibt mir das Team mehr von dem, was ich brauche.“

Ein Vertragsverlängerung wird er sich gut bezahlen lassen

Die Ergebnisse sprechen für sich. Kubica hat seinen Teamkollegen, den erfahrenen und zweifellos schnellen Nick Heidfeld, in elf von dreizehn Versuchen im Qualifikationstraining hinter sich gelassen. An diesem Samstag blieb Kubica als Achter erstmals ohne technische Probleme hinter Heidfeld zurück, der als Fünfter das Rennen aufnehmen wird (Siehe auch: Formel 1 in Spa: Pole Position für Hamilton, Heidfeld auf Rang fünf). An der Position des Polen innerhalb des Teams ändert das allerdings nichts.

Die von BMW angestrebte vorzeitige Verlängerung seines Vertrages (über 2009 hinaus) wird sich Kubica angesichts der Nachfrage zweifellos ordentlich bezahlen lassen. „Ich weiß nichts davon“, sagte er zu den handfesten Hinweisen, das halbe Fahrerlager jage ihn. Dabei setzte er ein Pokerface auf, eine gut trainierte Mimik, seit ein paar Formel-1-Fahrer „zur Zerstreuung“– wie Kubica sagt – im Fahrerlager die Karten mischen. Das Blatt des Krakauers in dieser Runde ist glänzend. Einen potentiellen Trumpf wird sich BMW kaum nehmen lassen.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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