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Red Bull Racing Die Chancen sinken, das Party-Schiff nicht

26.05.2006 ·  Wenn nur diese Rennen nicht wären - die Formel 1 könnte so schön sein. Das Red Bull Racing Team hat das tollste Gebäude im Fahrerlager, die schönsten Frauen auf den Partys, und die Rennwagen sehen auch gut aus. Nur leider fahren sie konsequent hinterher.

Von Peter Hess, Monte Carlo
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Wenn nur diese Rennen nicht wären - die Formel 1 könnte so schön sein. Aber nein, es genügt nicht, einfach anzureisen, das tollste Gebäude im Fahrerlager zu errichten, die schönsten Frauen einzuladen, die Rennwagen auszupacken und zu putzen. Nein, diese sündhaft teuren Geschosse auf vier Rädern müssen partout noch bewegt werden, in Konkurrenz zu den Boliden der anderen Rennställe treten. Und da hört der Spaß für Red Bull Racing auf. Das Team des österreichischen Multimillionärs Dietrich Mateschitz hat in dieser Saison ganze zwei WM-Pünktchen gesammelt. Einmal wurde David Coulthard Achter, einmal Christian Klien. Eine Ausbeute nach sechs WM-Läufen, die im krassen Gegensatz zum finanziellen Aufwand und zum lautsprecherischen Auftritt des Rennstalls steht.

Als Red Bull im vergangenen Jahr die Überreste des Jaguar-Teams aufkaufte und in neuem Gewand an den Start brachte, verlieh der Rennstall der Formel 1 eine neue Note: laut, bunt, selbstironisch. Und die meisten im Vollgas-Zirkus erwiderten die neue Leichtigkeit mit einem Lächeln, wenn auch leicht irritiert und zögerlich. Als sich der Schotte David Coulthard als fleißiger Punktesammler erwies, kam dann schnell Respekt hinzu. Im zweiten Jahr sollte alles noch besser werden. Mit einem satten Budget ausgestattet, mit Ferrari-Motoren ausgerüstet, durch Technik-Superhirn Adrian Newey verstärkt, war das Ziel, von Platz sieben aus in der Branchen-Hierarchie möglichst weit nach oben zu kommen. Was folgte, war der Absturz. „Wir sind das Schlußlicht des Mittelfeldes“, schätzt der 23 Jahre alte österreichische Rennfahrer Klien die Lage ein.

Sieger nur beim Auffallen

Auch in Monte Carlo, wo an diesem Sonntag der Große Preis von Monaco ausgetragen wird, gewinnt Red Bull nur einen Wettbewerb: den des auffälligsten architektonischen Bauwerkes im Fahrerlager. Das „Energy Station“ genannte Ungetüm schwimmt auf Pontons im Hafenbecken. Es bietet auf drei Ebenen 1100 Quadratmeter Nutzfläche. Dort tummeln sich die Gäste des Rennstalls: Filmschaffende, weil Red Bull für den neuen Superman-Film werben hilft, Models, weil Red Bull bei jedem Grand Prix einen eigenen Schönheitswettbewerb veranstaltet, und Geschäftspartner, weil Einladungen die Beziehung frisch halten. Die obligatorische Party am Donnerstag abend stand unüblicherweise nicht allen mit einem Durchgangspaß zum Paddock-Bereich offen. Man fürchtete, das Partyschiff würde sinken. So wurden tagsüber als Einlaßkarte eine begrenzte Zahl von Schwimmbrillen verteilt. Über all die Aktivitäten berichtet dann die rennstalleigene Zeitung. Damit das „Red Bulletin“ täglich frisch erscheinen kann, kaufte man eigens eine mobile Druckerei.

Nirgendwo in diesem Jahr stehen die Chancen besser, daß die Gazette über einen Erfolg des Teams berichten kann. Denn die Schwächen der Rennwagen von Red Bull können hier durch einen günstigen Rennverlauf kompensiert werden. Im fordernden Kurvengeschlängel ohne Auslaufzonen werden viele liegenbleiben - wegen mechanischer Defekte oder fahrerischer Fehler.

Milchmädchenrechnung bei Motorbau

Wie konnte Red Bull nach dem erfolgreichen Jahr 2005 nur so schnell ins Hintertreffen geraten? Durch einen fatalen Denkfehler. Die Reduzierung der Motoren von zehn auf acht Zylinder verleitete die Techniker des Rennstalls zur Annahme: Dann können wir auch die Kühler um 20 Prozent kleiner konstruieren. Das stellte sich als Milchmädchenrechnung heraus, weil die um 200 PS schwächeren Triebwerke nun deutlich länger mit Vollgas belastet werden. In den ersten Wintertests platzten die Motoren reihenweise.

Bis das Grundsatz-Problem erkannt und behoben war, verstrichen fünf Wochen. So lange suchte sich das Team Teststrecken, wo niedrige Temperaturen herrschten: „Mehr als 15 Grad Außentemperatur waren tödlich für den Motor“, formulierte es Adrian Newey. Mit Verzögerung stellte sich dann noch heraus, daß auch an der Lenkung, am Getriebe und der Kupplung Handlungsbedarf bestand. „Wir haben den Rückstand immer noch nicht ganz aufgeholt“, sagt Klien. Kein Wunder. Während Red Bull technisches Notfallmanagement betrieb, verfeinerte die Konkurrenz, von einer gesunden Basis aus operierend, das Leistungsvermögen ihrer Boliden.

Humor bewahren ist die Devise

Der Cheftechniker, der die Kühlerkonstruktion verantwortete, betreut jetzt das Red-Bull-Projekt in der amerikanischen Nascar-Serie. Bis Adrian Neweys Einfluß auf Red Bull sichtbar wird, vergehen noch ein paar Wochen. Der Engländer, der für McLaren mehrere Weltmeisterschafts-Rennwagen baute, kam zu spät ins Team, um am Entwurf des 2006er Modells RB 2 mitzuwirken. Er konzentriert sich schon jetzt auf den RB 3 für 2007. Nebenbei versucht Newey, den von anderen entworfenen RB 2 zu verstehen und schneller zu machen. „Ab Mitte der Saison sollten wir eine halbe Sekunde schneller werden“, glaubt Klien. Aber das wird nicht reichen, um auch nur in die Nähe des Siegertreppchens zu kommen.

Red Bull bleibt nichts übrig, als auf 2007 zu warten und den Humor zu bewahren. Als ein Testfahrer einen Boliden in Silverstone verschrottete, kommentierte der Rennstall das offiziell so: „Tonio hat an seinem Auto einige interessante Chassis-Modifikationen vorgenommen, als er mit 270 Sachen in die Leitplanken schlug.“ Zumindest in Sachen Unverkrampftheit kann sich die Formel 1 ein Beispiel an Red Bull nehmen.

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