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Rallye „Wir gegen VW - das ist wie David gegen Goliath“

06.01.2007 ·  Abenteuer Rallye Dakar: Die deutsche Pilotin Jutta Kleinschmidt spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über ihren Wechsel von VW zu X-Raid BMW, die spät gestartete Dakar und ihre Beifahrerin, die schwedische Lieder singt.

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Abenteuer Rallye Dakar: Die deutsche Pilotin Jutta Kleinschmidt spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über ihren Wechsel von VW zu X-Raid BMW, die spät gestartete Dakar und ihre Beifahrerin, die schwedische Lieder singt.

Hören Sie gerne schwedische Popmusik?

Ich werde mich daran gewöhnen müssen. Aber Tina Thörner, meine neue Beifahrerin, hört auch gerne andere Musik. Alles aus den Sparten Rock und Pop. Als sie im vergangenen Jahr mit Giniel de Villiers gefahren ist, hatte sie soviel Musik dabei, dass sie keinen einzigen Song doppelt hören mussten.

Und sie soll de Villiers ab und zu mit Gesang unterhalten haben, was ihm angeblich nicht immer gefallen hat.

Bei mir im Auto hat sie bisher noch nicht gesungen. Wir haben mal vor einigen Jahren versucht, einen Song auf CD aufzunehmen. Das ist dann an meinen gesanglichen Fähigkeiten gescheitert. Aber sie singt ganz gut. In Schweden hat sie ja jetzt sogar zusammen mit einem Sänger den Song-Wettbewerb "Lampenfieber" gewonnen. Das ist so etwas wie das schwedische Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar".

Sie werden Tina Thörner sicher nicht nur wegen ihrer Musikvorlieben als Beifahrerin ausgewählt haben.

Tina hatte sich entschieden, bei VW nicht zu verlängern. Wir haben uns in Verbindung gesetzt. Dass sie auch noch ein wenig von BMW-Schweden unterstützt wird, das hat unsere Entscheidung dann noch zusätzlich erleichtert. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren wahnsinnig entwickelt. Dazu gehört auch ihre Ausbildung als Mentaltrainerin, die sie gerade gemacht hat. Auch ich profitiere jetzt davon.

Und wie fährt sich Ihr neuer Dienstwagen?

Gut. Bei unserem ersten Einsatz im November in Dubai waren wir sehr zufrieden. Die Autos haben gut gehalten, wir hatten zwar ein ganz kleines technisches Problem. Ein Wasserschlauch war gerissen. Aber eigentlich sind wir ganz zufrieden. Wir haben auf jeden Fall keine große Baustelle mehr zu bearbeiten.

Sie haben während Ihrer Jahre bei Volkswagen ja allerhand bewegt. Nun gehen die Wolfsburger ohne Sie auf große Afrikafahrt. Fiel Ihnen der Abschied nicht schwer?

Am Anfang schon, ganz klar. Aber ich habe mich so gut in das neue Team eingelebt und habe auch inzwischen viel bewegt. Wir haben jetzt ein super Auto beieinander. Und ich arbeite sehr gerne mit Sven Quandt (Teamdirektor bei X-Raid BMW) zusammen, der bereit ist, viel zu tun, um das Auto weit nach vorne zu bringen. Das macht ziemlich viel Spaß. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich eigentlich froh, dass es so gekommen ist. Ich bin nicht nur ein Fahrer, der sonst nichts sagt. Ich will auch Ideen einbringen, mitmachen. Bei X-Raid geht es familiärer zu. Sven ist ja selbst Dakar gefahren und versteht die Sportart von der Pike auf. Bei ihm ist es nicht so schwer, eine Idee durchzubringen und ihn von etwas zu begeistern. Oft bringt Sven auch eigene Ideen ein, oder die Mechaniker und Ingenieure tun es. Auch die werden zugelassen. Wir sprechen viel über unsere Ideen, und das macht es eigentlich aus.

VW hat bei Ihrem Weggang vermerkt, man habe stets die Gespräche mit Ihrem Management fortgesetzt. Trotzdem sind Sie nicht mehr zusammengekommen.

Es gab keine Verhandlungen. Es hat zwar Versuche gegeben, mit meinem Manager Willi Weber einen Besprechungstermin festzulegen. Ich hätte diese Entscheidung nicht getroffen und hatte voll auf Volkswagen gesetzt. Im Mai musste ich umdenken. Ich habe dann Kontakt zu Sven Quandt aufgenommen. Und wir sind uns sehr schnell einig geworden.

Es hieß, dass Ihre Leistungen bei der jüngsten Dakar nicht unumstritten gewesen seien. Zudem hätten Sie einen gestrandeten Teamgefährten stehengelassen, obwohl er Sie zum Anhalten aufgefordert hatte.

Das ist völliger Quatsch. Es war ja genau umgekehrt. Aber man kann solche Gerüchte nicht aufhalten.

Sven Quandt hat noch im April gesagt: "Wie soll ich Jutta Kleinschmidt bezahlen?" Wir können doch davon ausgehen, dass Sie anständig bezahlt werden?

Dazu möchte ich jetzt gar nichts sagen. Im Prinzip muss man davon ausgehen, dass Sven alles aus seiner eigenen Tasche zahlt. Geld war nicht das Thema. Es ging in meiner ganzen Karriere niemals um Geld. Für mich ist es wichtig, ein konkurrenzfähiges Auto auf die Räder stellen zu können. Das war meine Forderung. Die Aussage von ihm stammt ja auch aus der Zeit, in der wir noch nicht miteinander gesprochen hatten.

War an dem Gerücht, Sie würden sich dem Team Ihres ehemaligen Lebensgefährten Jean-Louis Schlesser anschließen, etwas dran?

Es war wirklich so, dass Jean-Louis mit mir telefoniert und mir ein Auto angeboten hat. Das war sehr nett von ihm und wäre sicher eine Alternative gewesen, wenn ich bei Sven nicht untergekommen wäre.

Schlesser hat Sie eine Weile ziemlich despektierlich behandelt. Verstehen Sie sich wieder mit ihm?

2002, das war ein schwieriges Jahr für ihn. Da war er auch mal aufgebracht mit mir. Er war eben sauer, dass wir 2001 die Dakar gewonnen hatten. Das hat er nicht verkraftet. Daraufhin war kurzzeitig Totenstille. Aber das hat sich im Jahr danach eigentlich schon wieder gelegt. Heute ruft er mich oft an. Es ist wieder ein ganz entspanntes Verhältnis.

VW, so hieß es kürzlich, will den Dakar-Sieg. Sie wollen mit X-Raid aufs Podium. Ist ihr Wechsel nicht in mancher Hinsicht ein Abstieg?

Ich bin realistisch. Wir sind im Vergleich zu Volkswagen oder Mitsubishi schon so etwas wie David gegen Goliath. Unser Etat umfasst nur einen Bruchteil der Etats der Werksteams. Für mich war im Leben immer wichtig: Wie bin ich mit mir selbst zufrieden, was habe ich erreicht, kann ich darauf stolz sein? Im Moment bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Und jetzt gehen wir zur Dakar.

Die Rallye-Veranstalter haben versucht, die Strecke sicherer zu machen, und weniger Ortsdurchfahrten in die Route aufgenommen.

Das ist sehr vernünftig. Das hat mir im vergangenen Jahr nicht gefallen. Viele dieser Ortsdurchfahrten sind unnötig. Es mag von den Bildern her vielleicht ganz hübsch sein. Aber es ist wirklich unnötig. Dieses Mal sind wir wieder mehr in der Wüste. Das liegt mir viel mehr.

Die Dakar 2007 startet eine Woche später als sonst. Ist das nicht ein Traditionsbruch?

Dass die Rallye eine Woche später anfängt, ist für uns Fahrer schön. Da kann man wenigstens noch richtig Silvester feiern. Klar, es ist schon so etwas wie ein Traditionsbruch, aber kein so schlimmer.

Rallyefahren kann man ja in seinem Leben eine ganze Weile, wenn man fit und gesund bleibt. Oder schmieden Sie auch schon mal andere Pläne wie Ihre Beifahrerin Tina Thörner, die schon bei der zurückliegenden Rallye Familienpläne hatte?

Wir haben Tina erst einmal erklärt, dass sie ihren Partner Matthias Ekström wenigstens ab und zu treffen muss und dass so etwas durch das Telefon einfach nicht geht. Klar, auch ich mache mir schon einmal Gedanken. Ich habe eigentlich so viele Ideen, dass ich schon wieder aussortiere. Die Bandbreite ist groß. Ich könnte dem Motorsport treu bleiben oder in einem ganz anderen Bereich arbeiten. Wenn es so weit ist, muss man offen für alles sein. Ich habe keine Angst vor neuen Dingen. Das war schon immer so in meinem Leben. Zugegeben, ich musste in diesem Jahr ein gutes Auto aufgeben. Aber in meinem Leben habe ich schon wiederholte Male neue Sachen gemacht. Ich bin kein Mensch, der sich an etwas klammert. Wenn es an der Zeit ist: Weg damit! Und neu denken!

Das Gespräch führte Leonhard Kazda.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 7. Januar 2007
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