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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rallye Dakar Für die wüste Tour auf Haltbarkeit getrimmt

03.01.2008 ·  Der Motorsportler Dirk von Zitzewitz sitzt abermals auf dem rechten Platz: Als Copilot von Giniel de Villiers im VW-Touareg hat er als einziger Deutscher eine realistische Chance, die dreißigste Rallye Dakar zu gewinnen. Das sieht auch die Konkurrenz so.

Von Leonhard Kazda
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Vor einer Woche hat Dirk von Zitzewitz das Steuer selbst in die Hand genommen und ein wichtiges Stück in Richtung der Dakar-Rallye zurückgelegt. Nein, der Weg führte den Mann aus Karlshof in der Holsteinischen Schweiz zwar nach Süden - aber nicht gleich bis Afrika. In Bad Nauheim steuerte der Rallye-Beifahrer seinen Flitzer auf den Parkplatz vor dem Sportpark. Andere Kunden dieser unter Sportlern beliebten Sportklinik kommen schon mal mit dem Hubschrauber, so Michael Schumacher, der regelmäßig in Bad Nauheim vorstellig wird. Für von Zitzewitz reichte ein Golf.

Am diesem Samstag wird der Motorsportler aus dem deutschen Norden in einem etwas größeren Volkswagen Platz nehmen: einem Race-Touareg. Am Steuer sitzt dann der Südafrikaner Giniel de Villiers, während Zitzewitz als eine Art menschliches Navigationssystem vom Startpunkt Lissabon aus die Richtung vorgibt. Schon bei der vergangenen „Dakar“ brachte es diese Fahrgemeinschaft an die Spitze, bis ein Defekt das Duo aus dem Rennen warf. Bei der 30. Auflage des berühmt-berüchtigten Wüstenrennens sitzt der 39 Jahre alte Copilot wieder auf dem rechten Platz: Von Zitzewitz ist der einzige Deutsche mit realistischen Chancen auf den Sieg.

Bei der letzten Rallye ging Platz eins verloren

An den Ausfall bei der vergangenen Dakar denkt von Zitzewitz noch oft. Es war am neunten Tag, als sie in ihrem Touareg merkten, dass etwas nicht stimmte. „Wir lagen so gut im Rennen.“ Nach dem Ruhetag in Atar in Mauretanien hatten Villiers/Zitzewitz den Vorsprung ausgebaut. Und dann kam dieser verflixte neunte Tag. „Es roch nach verbranntem Gummi, aus dem Motor kam Qualm“, erzählt von Zitzewitz. Der Brandursache ging der Deutsche dann mit einer kleinen Digitalkamera auf den Grund. Weil man im Dunkel des Motorraumes nicht sah, wo der Kern des Übels saß, blitzte der Copilot mit dem Fotoapparat auf die fragliche Stelle und machte sich so ein Bild. Ein wenig erfreuliches: „Ein Loch klaffte im Ventildeckel. Damit war klar: Motorschaden.“ 300 Kilometer musste der Touareg von einem Racetruck bis zum Biwak gezogen werden. Zehn wertvolle Stunden gingen verloren - und natürlich auch Platz eins.

„Der einzige Trost“, sagt von Zitzewitz, war die Schwäche der Maschine: „Wir hatten es nicht selbst versaut.“ Nachdem die Mechaniker von VW eine Nacht durchgearbeitet und den Touareg wieder repariert hatten, belegten de Villiers und von Zitzewitz noch Rang elf. In diesem Jahr soll es besser laufen. Volkswagen, so hofft von Zitzewitz, soll den Rückstand auf Hauptkonkurrent Mitsubishi verringert haben. Wegen der langen Dakar-Erfahrung sind die Japaner mit allen Belastungen für Mensch und vor allem Maschine bestens vertraut. Und so hat VW diesmal den Schwerpunkt der Entwicklungsarbeiten am Touareg auf die Haltbarkeit gelegt, sagt von Zitzewitz: „Wir fahren kein neues, aber ein optimiertes Auto.“ Die Siegchancen von Volkswagen sind in diesem Jahr so gut sind wie nie zuvor. Das sieht auch die Konkurrenz so. „Ich glaube, dass es jetzt für VW wirklich möglich ist, die Dakar zu gewinnen“, sagt Stéphane Peterhansel, der Sieger des zurückliegenden Rennens.

Die Leidenschaft für den Motorsport verdankt Zitzewitz seinem Vater

Mit dem Franzosen, der die Dakar sechsmal auf dem Motorrad und dreimal im Auto gewonnen hat, verbindet von Zitzewitz eine Gemeinsamkeit: seine Erfahrung als Zweiradpilot bei der Dakar. Das Motorradfahren ist auch nach seinem Umstieg auf den Beifahrersitz von Renn-Geländewagen eine Leidenschaft geblieben. Deshalb veranstaltet der Deutsche in der rennfreien Zeit auch Motorradreisen und Kurse. Entfacht hat das Feuer der Vater, der in den siebziger Jahren Rennen fuhr. „Ich hatte mir zu Weihnachten ein Fahrrad gewünscht“, erinnert sich von Zitzewitz: „Stattdessen stand neben dem Weihnachtsbaum aber ein Moped.“ Mit 14 fuhr er sein erstes Rennen. Fünf Jahre später wurde er erstmals deutscher Enduromeister. 15 Mal hat von Zitzewitz den nationalen Titel gewonnen. Auch sein Bruder Bert ist ein Motorrad-Ass, war deutscher Enduromeister und sechs Jahr lang Kapitän der Nationalmannschaft in dieser Motorraddisziplin.

Bert ist Karlshof und Holstein treu geblieben, betreibt dort ein Motorrad-Geschäft. Auch „Schnietzel“, so der Spitzname von Dirk von Zitzewitz, zieht es keineswegs nach Monte Carlo, wo so viele Steuerkünstler landen. „Das würde sich bei meinem Einkommen auch nicht ganz rentieren“, sagt er. Als Copilot liegt er deutlich unter dem Gehaltsniveau der VW-Rennfahrer. Über Sparmodelle im Fürstentum macht sich der Beifahrer also keine Gedanken. Zumal sich die Heimattreue bezahlt macht: „Ich mag es einfach, dass der Bäcker mir beim Brötchenkaufen auf die Schulter haut und sagt: Mensch, habt ihr mit diesem Motorschaden ein Pech gehabt.“ Deshalb hat sich von Zitzewitz auch besonders über einen kleinen Sponsorenvertrag aus der Gegend gefreut. Jetzt prangt der Name eines Müsliriegels aus Bad Schwartauer Produktion auf seiner VW-Kappe. „So etwas ist mir wichtig“, sagt er - und man spürt, dass es ihm dabei nicht nur ums Geld geht.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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