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Rallye Dakar Blind Date in der Pampa

02.01.2009 ·  Wüstenrallye war einmal: Nun fahren die Rallyefahrer zum Jahresbeginn durch Südamerika bis hinauf auf 4600-Anden-Höhenmeter. Das Ziel heißt nun Buenos Aires, das Rennen weiter Rallye Dakar.

Von Bernd Steinle
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Das Dumme ist, dass ihm das alles jetzt nichts mehr hilft. Nicht die vielen Landkarten, nicht die persönlichen Aufzeichnungen, nicht die alten Roadbooks mit den Streckeninformationen. Und auch nicht die Erfahrung aus sieben Starts bei der Rallye Dakar. „Das war wie ein wertvoller Schatz für mich“, sagt der Copilot Michel Périn. „Jetzt ist es, als wenn ich diesen Schatz verloren hätte. Aber das ist eben die Dakar: in jeder Hinsicht unbarmherzig und herausfordernd.“

Das Gute ist, dass es den anderen nicht besser ergeht. Denn in diesem Jahr ist die Rallye Dakar besonders herausfordernd: Nachdem der Veranstalter ASO die Auflage 2008 aus Sicherheitsgründen abgesagt hatte, zog die Rallye nun mit Sack und Pack über den Atlantik und fand dort in Südamerika ein neues Zuhause. (siehe: Rallye Dakar: Der Terrorismus führt die Wüstentour nach Südamerika und Rallyesport-Kommentar: Mythen und Monster)

Dakar heißt jetzt Buenos Aires

In 14 Etappen wird es von Samstag an über 9574 Kilometer in einer großen Schleife durch Argentinien und Chile gehen. Start und Ziel sind in der argentinischen Hauptstadt. In anderen Worten: Dakar heißt jetzt Buenos Aires. Michel Périn macht sich dabei mit dem spanischen Rallyestar Carlos Sainz in einem der vier Race Touaregs des Volkswagen-Teams auf den Weg. Auch für dessen Motorsport-Direktor Kris Nissen wird die neu verortete Rallye zur Wundertüte. „Wir haben vom Veranstalter viele genaue Beschreibungen des Geländes bekommen, aber was uns genau erwartet, wissen wir nicht“, sagt er. „Wir haben null Ahnung von der Streckenführung, wir wissen nicht, wann was auf uns zukommt.“

Nur die jeweiligen Tageskilometer stehen fest. Und die besagen: „Es wird mindestens so hart wie bisher, wenn nicht härter“, sagt Nissen. Angesichts des „Blind Dates“ in Südamerika gilt das besonders für die Copiloten, die für Navigation und Orientierung zuständig sind. Also stöberte Michel Périn zur Vorbereitung in Paris durch Geschäfte und Bibliotheken, besorgte sich jede Landkarte über Argentinien und Chile, die er finden konnte, forschte im Internet und schaute sich Filme über die beiden Länder an. „Alles dreht sich darum, möglichst viel über die Beschaffenheit der Landschaften zu wissen, die wir durchfahren werden. Jedes Detail zählt und wird uns helfen, die Route besser einschätzen zu können“, sagt der Franzose.

Schwierige Gelände, niedrige Geschwindigkeiten

Doch auch auf die Fahrer wird im Lauf der zwei Wochen dauernden Rallye einiges zukommen. Nissen erwartet zum Teil trialartiges Geläuf, „ganz schwieriges Gelände, das man mit relativ niedriger Geschwindigkeit fahren muss“. Périns Partner, der Spanier Carlos Sainz, freut sich trotzdem schon auf die neue Dakar. Dreimal, 1992, 2002 und 2004, hat er bereits den argentinischen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen und dabei festgestellt: „In kaum einem anderen Land gibt es eine so große Leidenschaft der Menschen für Motorsport wie in Argentinien.“

Auf dem Duo Sainz/Périn ruhen daher – neben dem südafrikanisch-deutschen Gespann Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz – Nissens größte Hoffnungen auf den angepeilten Sieg. Daneben werden für die VW-Werksgruppe Mark Miller/Ralph Pitchford (Vereinigte Staaten/Südafrika) und Dieter Depping/Timo Gottschalk an den Start gehen.

VW baut auf Antrieb

Die schärfsten Rivalen sind die alten Bekannten: das BMW-X-Raid-Team mit dem erfahrenen Nasser Al-Attiyah aus Qatar, der mit der Schwedin Tina Thörner unterwegs sein wird, und natürlich der Seriensieger Mitsubishi. Der tritt zur neuen Dakar mit neuem Auto an: dem Racing Lancer mit 280 PS starkem Turbodieselmotor. „Wir sind bei der Dakar seit langem ungeschlagen, und wir fahren auch nach Südamerika mit dem Ziel zu gewinnen“, gibt Teamdirektor Dominique Serieys die Marschrichtung vor. Vorjahressieger Stephane Peterhansel hat sich bei seinem Sieg bei der Rallye Baja Portalegre 500 im Oktober in Portugal schon mit dem neuen Fahrzeug angefreundet. „Der Racing Lancer ist eines der besten Pakete, die ich in meiner Zeit bei Mitsubishi je gefahren bin“, sagt er.

VW-Direktor Nissen dagegen spekuliert darauf, dass sein Team, das in den vergangenen Jahren stets dem Erfahrungsvorsprung der Japaner in Sachen Wüstenrallyes hinterherrannte, diesmal dem Rivalen zumindest in der Frage des Antriebs ein Stück voraus ist – schließlich vertraut Volkswagen seit Jahren auf die Turbodiesel-Variante. „Und Mitsubishi ist noch nicht so viel mit dieser Technologie gefahren wie wir“, sagt er.

Bis hinauf in 4600 Meter Höhe

So oder so: Bei der Vorbereitung hat Nissen nichts dem Zufall überlassen. Weil die neue Dakar beim Überqueren der Anden bis in eine Höhe von 4600 Meter hinaufführt, hat er Mensch und Material bestmöglich darauf eingestellt – das Team durch eine Höhentour im Schweizer Bergort Arosa, das Auto durch die Simulation der Höhenluft in der konzerneigenen Klimakammer in Wolfsburg. Dabei wurde unter anderem ein neu entwickeltes Bauteil des 2,5-Liter-Triebwerks mit 280 PS getestet – ein Sensor, der während der Rallye permanent die aktuelle Höhenlage ermittelt. Die Motorelektronik soll so auch die maximale Drehzahl des komplexen Doppel-Turbolader-Systems regeln, um ein mögliches Überdrehen, bedingt durch die dünnere Luft, zu verhindern.

Das Volkswagen-Team sieht sich bestens präpariert, um in diesem Jahr als erster Hersteller die Rallye Dakar mit einem Diesel-Auto zu gewinnen. Sogar ein gutes Omen haben sie zu bieten: Am 12. März 2005 gewann ein Race Touareg die Rallye Por las Pampas durch Argentinien und Chile – es war erste Sieg für Volkswagen im Marathon-Rallyesport. Der Copilot des Erfolgsduos hieß Michel Périn. Ganz so verloren muss sich der Franzose auf seiner neuen Spielwiese also doch nicht fühlen.

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