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Pressestimmen „Auch einem Alonso kann mal der Motor platzen“

09.10.2006 ·  Spanien feiert Alonso bereits als neuen Formel-1-Weltmeister. „Er kann den Titel nun auch mit einem Renault Mégane holen.“ Warnende Worte ertönen nur vereinzelt. FAZ.NET präsentiert Pressestimmen zum Rennen in Suzuka.

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Spanien feiert Fernando Alonso noch vor dem letzten Rennen der Formel 1 in Brasilien als neuen Weltmeister. Fast alle Zeitungen des Landes druckten an diesem Montag auf ihren Titelseiten Fotos von den Freudensprüngen ab, die der Titelverteidiger nach seinem Sieg beim Rennen um den Großen Preis von Japan unternommen hatte. „Alonso hat den Schlüssel zum Titel in der Hand“, titelte das Sportblatt „Marca“ und zeigte das Bild eines lächelnden Alonso, der einen Schraubenschlüssel in den Himmel streckt.

Das Konkurrenzblatt „As“ meint: „Alonso steht einen Punkt vor dem Gewinn einer Weltmeisterschaft, die noch wertvoller sein wird als die vorige. Diesmal hatte er es mit einem Superchampion wie Michael Schumacher zu tun, der ihm den Titel bis zum letzten Moment streitig machte.“ Nach Ansicht des Fachblatts „Sport“ ließ Alonsos Sieg in Japan die Sportfans das Elend der spanischen Fußballnationalelf vergessen, die am Vorabend in der Qualifikation für die Europameisterschaft in Schweden 0:2 verloren hatte.
„Der Rennfahrer gab den Spaniern jene Illusionen zurück, die ihnen die Fußballer von Trainer Luis Aragonés wenige Stunden zuvor genommen hatten.“

Die letzte Runde im Rückwärtsgang?

Der Kolumnist Roberto Palomar witzelte: „Der supersympathische Alonso hat die Weltmeisterschaft so nahe, daß er den Titel im letzten Rennen in Brasilien auch mit einem Renault Mégane holen könnte. Noch besser wäre es, er führe die letzte Runde im Rückwärtsgang - aus Protest gegen die Schikanen des Weltverbandes Fia.“ Allerdings gibt es in Spanien auch warnende Stimmen. „Nichts ist unmöglich“, warnte der „Marca“-Korrespondent Marco Canseco. „Auch einem Alonso kann mal der Motor platzen.“

Internationale Pressestimmen im Überblick

Italien

„La Gazzetta dello Sport“: Schumi geht in Rauch auf, Alonso so gut wie sicher Weltmeister. Nach sechs Jahren wurde Schumacher wieder einmal von seinem Motor verraten. Es war einfach Pech. Schumacher hat es nicht verdient, seine außergewöhnliche Karriere auf so grausame Art zu beenden. Aber es ehrt ihn, wie gelassen er seine schmerzhafteste Niederlage hingenommen hat. Er hat im Laufe der Jahre auch gelernt, wie ein Champion zu verlieren. Und das heißt: Er ist bereit für das wirkliche Leben abseits der Pisten.

„Corriere della Sera“: Roter Rauch. Mit dem Motor ging auch Schumis Traum in Rauch auf. Schumis Pech.

„La Repubblica“: Schumachers bitteres Addio! Seit sechs Jahren hat das Auto Schumacher nicht mehr im Stich gelassen. Und jetzt ausgerechnet im schönsten Moment. Ferrari geht k.o., Alonso fliegt dem Weltmeistertitel entgegen.

„Il Tirreno“: Schumachers Weltmeisterschaft geht in Rauch auf. Bitter für Schumi: Es ist vorbei.

„La Stampa“: Ein Traum geht in Rauch auf. Schumacher kann auch verlieren.

„Il Secolo XIX:“ Das Fest in Kerpen endet mit Tränen.

„L' Eco di Bergamo“: Schumi vom Motor verraten. Ferrari geht in Rauch auf, aber die WM haben sie schon Anfang der Saison verloren.

„L'Unita“: Der Motorschaden reißt Schumi unsanft aus den Träumen.

Spanien

„El País“: Der Motor des Ferrari hielt dem Ehrgeiz eines Michael Schumacher nicht Stand.

„El Mundo“: Ferrari begeht in Japan Harakiri. Alonso hat endlich mal wieder das Glück auf seiner Seite.“ „El Periódico“: „Eine weiße Rauchsäule, die aus Schumachers Ferrari aufstieg, zeigte Alonso an, daß für ihn der Weg zur Titelverteidigung geebnet ist.

„Marca“: Alonso hat den Schlüssel zum Erfolg in der Hand. Schumacher akzeptiert seine Niederlage in Japan im Stile eines großen Sportsmanns.

„Sport“: Alonso hat den Titelgewinn greifbar nahe. Schumacher wirft bereits das Handtuch.

England

„Daily Mirror“: Michael Schumacher hat schon vor langer Zeit bewiesen, daß er weiß, wie ein Champion gewinnt. Gestern, als sein größter Traum platzte, bewies er, daß er auch wie ein Champion verlieren kann. Es gab keine Beschuldigungen, kein Fingerzeig, keine Schuldzuweisung, kein Götter verfluchen. Statt dessen schritt er in die Box, verfolgt von einer Horde Kameramänner, die nach Tränen suchten, und umarmte jeden Ferrari-Mechaniker. Schumacher verlor gestern ein Rennen und vielleicht den Titel, aber gewann ganz sicher Millionen Herzen.

„Daily Telegraph“: Nicht nur im Triumph ist Größe gefragt. Champions müssen auch wissen, wie sie zu verlieren haben. Michael Schumacher hat gestern alles richtig gemacht, indem er das grausamste aller Schicksale akzeptierte in einer Art und Weise, die jeden Korinther stolz gemacht hätte.

„The Independent“: Auf dem Rummelplatz neben der Rennstrecke von Suzuka steht ein Riesenrad, aber gestern drehte sich ein noch größeres Glücksrad zu Gunsten von Fernando Alonso und gegen Michael Schumacher, just in dem Moment, als genau das gegenteilige Resultat unvermeidlich schien.

„The Times“: Die Rauchzeichen deuten in Alonsos Richtung.

„The Sun“: Michael Schumacher, der ultimative Kämpfer auf allen Strecken, wirft das Handtuch eine Runde vor Schluss in die Ecke. Er überreichte die Fahrerkrone Fernando Alonso, nachdem er mit ansehen mußte, wie sich seine Titelchancen in Rauch auflösten.

„The Guardian“: From hero to zero - Schumachers Hoffnungen sind urplötzlich geplatzt. Es war ein Bild voll von Symbolik und Pathos. Im einen Moment zeigte die In-Board-Kamera Michael Schumachers Genie, als er regungslos seine rechte Hand vom Lenkrad nahm, um bei 260 Stundenkilometer mitten in einer Kurve ein paar Knöpfchen zu drücken, als nächstes wurde er langsamer und er schaute, wo er seine kaputte Maschine abstellen konnte. Die Hoffnungen des Deutschen platzten spektakulär durch einen Motorschaden.

Schweiz

„Basler Zeitung“: So bitter das Aus Michael Schumachers, so süß der Sieg Fernando Alonsos und so klar die Ausgangslage in der Weltmeisterschaft - diese dramatische Formel-1-Saison ist erst dann entschieden, wenn in zwei Wochen in Brasilien die Zielflagge fällt.

„Neue Zürcher Zeitung“: Eindrucksvoller als in der 37. Runde von Suzuka läßt sich der Begriff vom geplatzten Traum fast gar nicht illustrieren. In dem Augenblick, in dem der Motor im Heck des Ferrari-Rennwagens von Michael Schumacher sein Leben in einer weißen Rauchwolke aushauchte, hat offenbar auch der innere Antrieb den bis dahin im vorletzten Rennen und in der Formel-1-Weltmeisterschaft führenden Piloten verlassen.

„Tages-Anzeiger“: Schumachers Rauch feuerte Alonso an. In diesem Moment ballte Alonso voller Freude die Faust.

„Blick“: Schumis Traum ging in Rauch auf. Was für eine Tragödie kurz vor dem Rücktritt des vielleicht größten Rennfahrers aller Zeiten, der mit dem 8. Titel Ade sagen wollte. War es ein Kolben? War es ein Ventil? Das PS-Monster, im zweiten Rennen nach dem China-Sieg unterwegs, ist kaputt. Finito!

Frankreich

„L'Équipe“: Alonso fährt sich den Weg frei zum Titel. Nach drei Monaten mit vielfältigen Nöten knüpft Renault wieder an den Erfolg an. Und Schumacher hat einen Strich durch den Titel gemacht.

„Le Parisien“: Alonso hebt ab Richtung Titel. Schumacher, der Rote Baron, bleibt ein bitterer Nachgeschmack seiner Reise nach Japan. Die verflixte 37. Runde ließ für ihn große Hoffnungen in Rauch aufgehen.

„Libération“: Mit dem Sieg in Japan nimmt Alonso das Steuer mit Blick auf die Weltmeisterschaft wieder in die Hand. Schumachers Aufgabe katapultierte Alonso in den Orbit für eine zweiten WM-Titel.

„Le Figaro“: Das Glück ist für Alonso zum Greifen nahe, er steuert auf den Titel zu. Nach dem Sieg in Japan ist der Spanier gut plaziert, um in zwei Wochen zum Weltmeister gekürt zu werden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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