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Porträt Im Helm versteckt

10.09.2006 ·  Er ist ein Multimillionär, Deutschlands berühmtester (noch) aktiver Sportler und fast überall in der Welt bekannt. Wo auch immer von der Formel 1 die Rede ist, wird im gleichen Atemzug von Schumacher gesprochen. Aber niemand kennt ihn wirklich.

Von Anno Hecker, Monza
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Er erfüllt die Ansprüche nicht. Sicher, Michael Schumacher hat als Formel-1-Pilot alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Er ist ein Multimillionär, Deutschlands berühmtester noch aktiver Sportler und fast überall in der Welt bekannt. Jedenfalls wird er sogar nachts auf einem Flugfeld in Kasachstan um ein Autogramm gebeten. Wo auch immer von der Formel 1 die Rede ist, wird im gleichen Atemzug von Schumacher gesprochen.

Man kennt alle Zahlen, die ihn charakterisieren: nämlich als Nummer eins seines Sports. Einer Rennserie, die sogar die Regeln ändern ließ, um diesem erdrückenden Phänomen die Kraft zu nehmen. Aber kennt man Schumacher wirklich? Michael S. hat eine Frau, zwei Kinder, eine Villa, ein Flugzeug, einen Fuhrpark und ein Faible für Fußball. Er ist ehrgeizig, diszipliniert, ungeheuer fleißig und kann schlecht verlieren. Schluß.

Er läßt sich nicht ins Herz schauen

Schumacher verstand es in den vergangenen 15 Jahren, sein Privatleben für die Öffentlichkeit bis auf wenige Augenblicke auszublenden. Der Zaun um sein Anwesen wirkt symbolisch: Dieser introvertierte Mensch, die Galionsfigur ausgerechnet der Glimmerwelt Formel 1, läßt sich nicht ins Herz schauen. Weder zur Schau noch um die Forderungen an einen Weltstar zu erfüllen. Eher widerwillig hat er die Bedingungen für das geliebte Leben in der Hochgeschwindigkeitsbranche akzeptiert: bisweilen alberne Promotionstouren oder die ständige Medienpräsenz. Immer fühlte er sich dort am wohlsten, wo man ihn nicht wirklich kämpfen, leiden oder sich freuen sehen konnte: tief im Cockpit, versteckt unter dem Helm.

Was in seinem Oberstübchen ablief, wußte Schumacher vor allem in den schwierigen Momenten zu kaschieren. Als habe er nur deshalb trotzig eine naheliegende Reaktion verweigert, weil man sie von ihm verlangte: mal eine klare, schnelle Entschuldigung wie nach dem Rammstoß gegen Jacques Villeneuve 1997 in Jerez, Größe nach bitteren Niederlagen, Erklärungen für merkwürdige Manöver und Tränen, Gefühle eben.

Bei der Suche nach dem Menschen Schumacher stießen viele Porträtisten in den ersten Jahren auf einen Panzer. So entstand das Bild vom Computer, vom gefühllosen Autopiloten am Steuer. Ein großes Mißverständnis. Schumacher hat diese Einschätzung weh getan. Aber er nahm sie hin, um seine Verletzlichkeit nicht preisgeben zu müssen. Diese Einstellung prägt das zwiespältige Bild von einem der größten Sportler. Viele Millionen Menschen bewundern und respektieren ihn. Eine große Liebe ist es nicht geworden.

Quelle: F.A.Z. vom 11. September 2006
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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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