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Nico Rosberg im Gespräch „Schnell fahren kann jeder“

09.06.2007 ·  Die ganze Formel 1 schwärmt von Lewis Hamilton. Fast unbemerkt hat sich daher Nico Rosberg etabliert. Im Interview mit der F.A.Z. spricht der 21-Jährige über Managementqualitäten, das Verhältnis zu Hamilton und die Pläne für die Zukunft.

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Die Formel 1 schwärmt von Lewis Hamilton. Fast unbemerkt hat sich im Schatten des sagenhaften Aufstiegs dieses britischen Debütanten Nico Rosberg, einst Teamkollege Hamiltons, etabliert. In seiner zweiten Formel-1-Saison macht der 21 Jahre Europäer mit deutschem Pass als Pilot von Williams so viel Tempo, dass selbst der besonnene Teamchef Frank Williams, seit 30 Jahren im Umgang mit Champions erfahren, eine schmeichelhafte Prognose wagt: „Nico“, sagt Sir Frank über seinen vielsprachigen Piloten, „wird ein Star.“ Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt Rosberg, wieso nur gute Manager gute Formel-1-Rennfahrer sind. Zudem spricht er über sein Verhältnis zu Hamilton und seine Zukunftspläne.

Ihr Teamchef lobt Sie öffentlich, der frühere Grand-Prix-Sieger Gerhard Berger behauptet, Sie wären für jedes Team interessant, „Ferrari eingeschlossen“. Was ist geschehen?

Ich bin selbstkritisch, habe im Winter viel nachgedacht und mich schließlich verbessert, auf der ganzen Linie. Das ist aber normal, wenn man als junger Fahrer in die Formel 1 kommt. Zudem sah ich 2006 schlechter aus, als ich war, weil wir viele Probleme mit dem Auto hatten. In der zweiten Hälfte der Saison hatte ich keine Chance, mit dem Rennwagen unter die ersten zehn zu kommen. Wenn man kaum einen Grand Prix zu Ende fahren kann, sondern nur Desaster erlebt, dann ist es schwierig, sich zu steigern.

Das heißt, der Aufschwung von Williams - Sie wurden Sechster in Spanien - ist Ihr Verdienst?

Nein, das Auto ist viel besser als im vergangenen Jahr. Und es ist auch nicht so, dass man als Pilot seine Grundschnelligkeit auf der Piste enorm steigern kann. Die ist da oder eben nicht. Man kann zwar mit etwas mehr Konstanz (bei den Rundenzeiten) etwas herausholen, aber das macht auch nicht den großen Unterschied aus. Entscheidender ist es, das Auto immer häufiger perfekt abzustimmen.

Sie sind effektiver geworden?

Ich versuche, meine Energie sinnvoll zu nutzen. Man muss verstehen, wo man sich reinhängen muss und wo weniger. Die PR-Arbeit (Medien, Sponsoren) muss sehr gut sein, aber man darf nicht zu viel investieren. Letztlich muss ich alles geben, um mit dem Team gut auskommen zu können. Man muss lernen, mit den Menschen umzugehen, aus den Ingenieuren das Beste herauszuholen.

Das klingt weniger nach einem Fahrerjob als nach einer Management-Aufgabe.

So ist es. Schnell fahren kann hier jeder. Jeder hat Talent, jeder hat Meisterschaften gewonnen auf dem Weg in die Formel 1. Alle können Auto fahren, vielleicht der eine oder andere ein bisschen besser. Aber so groß ist der Unterschied nicht. Entscheidend ist, dass man als recht junger Mensch direkt in eine führende Position gesetzt wird, in ein riesiges Team. (Williams beschäftigt 600 Mitarbeiter.) Wenn ich sehe, was man da als Fahrer bewirken kann, wenn man will und kann, dann ist das Wahnsinn.

So ein Auto wird doch von einer Hundertschaft Ingenieuren gebaut und verbessert, wo ist da Ihr immenser Einfluss?

Aber ich sitze im Auto. Die Ingenieure können nicht wissen, was ich fühle, warum ich in einer Kurve Zeit verliere. Das kann nur ich ihnen mitteilen. Bei manchem Test sind sie zum Beispiel begeistert. Ich aber weiß: Das ist nicht der Weg. Dann muss ich das durchdrücken. Letztlich geht es darum, die beste Abstimmung zu finden, damit du als Fahrer noch mehr auf der Strecke aus dir herausholen kannst. Dafür braucht man ein gutes Auto. Also muss es das Ziel des Fahrers sein, alles zu verstehen und im Team zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Sie haben also einen großen Anteil an der Leistungsfähigkeit Ihres Autos?

Im Moment habe ich viel Einfluss bei der Feinabstimmung an der Strecke. Aber ich habe noch keinen Einfluss auf die großen, generellen Entscheidungen, etwa auf den Fahrzeugbau. Über die Jahre muss man dahin kommen. Das ist zwar sehr komplex, es gibt ja fast für jedes Teil eine zuständige Person. Aber auf diesem Gebiet möchte ich sehr stark werden. Michael Schumacher hatte zum Ende seiner Karriere sicher einen großen Anteil an der Stärke des Ferraris.

Das hört sich so an, als wollten Sie bei Williams unter den Fahrern irgendwann den Ton angeben.

Natürlich. Das ist der Weg, schneller zu werden auf der Strecke. Wenn man sehr oft seine Meinung kompetent sagen kann zu vielen Dingen, dann hilft das. Nach eineinhalb Jahren kann ich noch nicht so weit sein. Aber ich behaupte schon, dass ich mein Auto gut abstimmen kann.

Michael Schumacher hat zum Schluss seiner Karriere gesagt, die Formel 1 sei ein ständiger Lernprozess.

Super, das empfinde ich auch so. Das mag schwer zu verstehen sein für die Menschen, die am Fernseher verfolgen, wie wir mit den Autos rumgurken. Aber es ist so, einfach uferlos.

Ist Hamiltons Aufstieg eine Motivation für Sie?

Ja, in gewisser Weise schon. Wir waren ja Teamkollegen in der Kart-Meisterschaft. Es freut mich sogar, dass er so stark ist. Denn jetzt weiß ich, warum es nicht so einfach war, gegen ihn zu gewinnen.

Es ist wohl auch nicht so einfach, seinen Ehrgeiz auszuhalten, oder?

Wir kommen gut klar miteinander. Wir sind zwei Jahre als Teamkollegen um die Welt gereist. Aber wenn zwei so ehrgeizige Typen längere Zeit zusammen sind, dann wird es eng. Nicht schlimm, aber es nervt.

Warum?

Weil alles zu einem Wettkampf wird, das ist extrem. Wir sind sehr ähnlich. Aber ich glaube, ich kann mich besser bremsen, wenn es zu viel wird.

Sie meinen, selbst ein Kinobesuch wird zum Wettlauf?

Das tritt dann überall auf. Ich hätte gute Beispiele, aber das behalte ich lieber für mich. Wenn ich das sage, nein, lieber nicht.

Sie wurden damals Zweiter in der Meisterschaft hinter Hamilton. Jetzt macht Hamilton Weltmeister Alonso bei McLaren zu schaffen. Leiten Sie daraus ab, dass Sie das auch können?

Nein, ich würde nie daherkommen und behaupten, ich fahre so gut. Hamilton fährt sensationell. Ich muss hier bei Williams oder woanders einen guten Job machen. Dann kriege ich auch irgendwann das Material, um weiter nach vorne zu kommen.

Ist Williams stark genug besetzt, um Weltmeister werden zu können?

Ich finde, bei Williams arbeiten sehr starke Leute, die Aerodynamik-Abteilung ist verstärkt worden. Vielleicht haben wir noch nicht genügend, um ganz nach vorne zu kommen, aber das kann sich ja noch entwickeln.

Sie werden Ihren bis Ende 2008 laufenden Vertrag erfüllen?

Ich glaube schon, dass ich bleiben werde.

Könnte das öffentliche Lob von Frank Williams auch einen strategischen Hintergrund haben?

Damit ich mehr Geld koste (falls Rosberg aus seinem Vertrag herausgekauft werden sollte, Anm. d. Red.)? Ich hoffe nicht.

Gibt es Anfragen anderer Teams?

Nicht wirklich. Es ist noch zu früh in der Saison. Außerdem wenden sich die Teams an den Manager.

Ihren Vater Keke, den Weltmeister von 1982. Streben Sie nicht nach Unabhängigkeit?

Doch, schon immer. Aber er hat so viel Erfahrung und Kenntnisse, da wäre es dumm, auf die Hilfe zu verzichten. Außerdem kann man nicht mehr ohne Management auskommen. Ich habe als Fahrer mit der Technik schon genügend Arbeit.

Welches Ergebnis erwarten Sie in Montreal?

Ich hoffe, wir können im Mittelfeld vorne bleiben, vor Renault, Red Bull und Toyota. Es geht sehr eng zu. Da kann die Tagesform entscheiden.

Das Gespräch führte Anno Hecker.

Quelle: F.A.Z., 09.06.2007, Nr. 131 / Seite 30
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