03.06.2008 · Max Mosley erhielt bei der Vertrauensabstimmung nach seiner Sex-Affäre eine deutliche Mehrheit und darf FIA-Präsident bleiben. Doch das Votum ist nicht das Ende der Affäre, sondern der Beginn weiterer Konfrontationen. So kreiselt man in eine Krise.
Von Anno HeckerJetzt trifft die Formel 1 der Schlag. Dazu muss man kein Prophet sein. Wer Max Mosley in den vergangenen 15 Jahren als Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) erlebt hat, der ahnt, wie der Brite seinen Erfolg auskosten wird: mit Hieben für die Opposition. Deshalb hielten sich seine Gegner in den vergangenen Wochen weitgehend aus der öffentlichen Debatte zurück.
Deshalb verzichteten die Mosley gegenüber kritischen Automobil-Konzerne wie BMW und Honda, Mercedes und Toyota auf eine knallharte Konfrontation und am Dienstag auf konkrete Reaktionen. Sie wissen, dass das Rennen gelaufen ist. Und ballen doch die Faust in der Tasche.
100 Millionen Mitglieder repräsentiert - und nichts zu sagen
Das ist die Botschaft von Paris. Mosley erhielt zwar eine deutliche Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Gemessen an den üblichen Wahlergebnissen mit Resultaten wie sonst nur in Einparteien-Staaten ist das Ergebnis aber eher alarmierend. Ein Drittel will den Chef nicht mehr. Und darunter sind große Klubs wie der ADAC oder das amerikanische Pendant.
Die Gruppe der 24 Automobil-Verbände, die Mosley nicht mehr duldet, repräsentiert rund 100 der 117 Millionen Mitglieder in der FIA. Und hatte doch nichts zu sagen. Aus dieser Erkenntnis wächst weiterer Widerstand. Es ist also nicht mehr wichtig, ob die Befürworter Mosleys den nachweislichen Autoritätsverlust des FIA-Präsidenten und den Schaden für den Verband nach den veröffentlichten sadomasochistischen Spielchen für verschmerzbar halten oder aus anderen Gründen ignoriert haben.
ADAC-Blockade der FIA-Arbeit fällt wohl nicht weiter auf
Wichtiger ist die Frage, ob in Paris eine Chance vergeben wurde, endlich wieder aus den Schlagzeilen zu kommen. Die Antwort ist schon am Dienstag, Minuten nach dem Votum für Mosley gegeben worden. Der ADAC kündigte die Mitarbeit auf allen Ebenen. Im Sport würde man zwar von einem schlechten Verlierer sprechen. Der ADAC hatte aber keine Wahl, er hätte andernfalls sein Gesicht verloren. Andere folgten dieser absehbaren Entscheidung.
Wahrscheinlich fällt die Blockade der FIA-Arbeit durch die Opposition nicht so auf wie ein Unfall in der Formel 1. Aber sie wird den Verband etwa bei der Entwicklung der Verkehrssicherheit bremsen. Das Nachspiel führt also nicht zur Befriedung, sondern zu weiteren Rückschlägen. Davon kann auch die Formel 1 nicht verschont bleiben. Denn in den vergangenen Tagen hat sich eine kaum für möglich gehaltene Konfrontation abgezeichnet.
Für den FIA-Präsidenten ist noch eine Rechnung offen
Bernie Ecclestone riet seinem „Freund“ aus alten Tagen nicht nur dringend zurückzutreten. Er warnte auch vor den Winkelzügen Mosleys. „Ich bin mir zu 100 Prozent, nein zu einer Million Prozent sicher, dass er über 2009 hinaus Präsident bleiben will“, sagte Ecclestone der Times“. Mosley selbst habe ihm das gesagt. Ist das Angebot des FIA-Chefs, im Herbst 2009 zurücktreten zu wollen, also wieder ein geschickter Schachzug gewesen?
Wer so wie Ecclestone vor seinem einstigen Partner warnt, der dürfte es bei aller Geschmeidigkeit in Zukunft schwer haben, mit Mosley weiter Hand in Hand die Geschicke der Formel 1 zu lenken. Für den FIA-Präsidenten ist noch eine Rechnung offen. Auch der Formel 1 als Paradestück der FIA steht nun bevor, was sie nach dem Skandaljahr 2007 unbedingt vermeiden wollte: ein harter Schlagabtausch. So kreiselt man in eine Krise.