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Motorrad-WM Ohne großen Erfolg, aber mit Bravour

17.07.2011 ·  Stefan Bradl muss am Sachsenring auch außerhalb des Rennens viel Arbeit leisten. Nach Platz zwei bleibt er in der WM-Wertung vorn, doch der Spanier Marquez holt auf. Eine Klasse höher kämpft Valentino Rossi mit Sorgen um die Maschine und die eigene Gesundheit.

Von Michael Wittershagen, Hohenstein-Ernstthal
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Als der Kampf vorbei war, schob Stefan Bradl das Visier seines Helmes nach oben, stieg von seiner Maschine, rannte zu den Fans und bedankte sich für deren Unterstützung. „Eigentlich bin ich nicht der Typ dafür“, sagte der Einundzwanzigjährige später. „Aber was da draußen los ist, ist einfach geil.“ Mehr als 100.000 Menschen waren am Sonntag an den Sachsenring gekommen, und jedes Mal, wenn Bradl an ihnen vorbeiraste, erhoben sie sich von ihren Sitzen, schrien und applaudierten für den zweiten Platz. „Das war ein brutales Gänsehaut-Feeling“, sagte Bradl, der die Gesamtwertung in der Moto2-Klasse mit 167 Punkten weiter vor Marc Marquez (120) anführt. Doch der Spanier holt auf, er gewann die letzten drei Grands Prix in Serie und baut im Rennen um die Weltmeisterschaft weiter Druck auf. „Es ist kein Kindergeburtstag“, sagte Bradl. „Hier werden auch schon mal die Messer rausgeholt.“

Doch in der Endphase des Rennens kämpfte er mit stumpfen Waffen. Der Hinterreifen seiner Kalex verlor mehr und mehr an Grip, Bradl konnte das Tempo von Marquez nicht mehr halten: „Fünf Runden vor Schluss habe ich gewusst: Mist, das war es jetzt!“ Wer dem Bayern nach der Siegerehrung ins Gesicht schaute, sah immer noch den Schweiß an der Stirn hinunterperlen. Immer wieder betonte Bradl zwar, dass er sich über diesen zweiten Platz freue, allein: Es war ihm kaum anzumerken.

Die 29 Runden und knapp 106 Kilometer auf der Berg-und-Tal-Bahn hatten Spuren hinterlassen. Genau wie das, was er in den Tagen zuvor hatte absolvieren müssen. „Der Druck von außen war gewaltig, die Tage hier waren sehr anstrengend“, sagte Bradl. „Jetzt bin ich froh, es geschafft zu haben.“ Womöglich war der Heim-Grand-Prix mit all den Erwartungen und Verpflichtungen die bislang größte Aufgabe für ihn in dieser Saison, er hat sie zwar nicht mit einem Erfolg, aber doch mit Bravour gemeistert.

Anders als die übrigen Deutschen. In der Klasse bis 125 Kubikzentimeter enttäuschten sowohl Jonas Folger (Siebter) als auch Sandro Cortese (Achter), beide spielten beim Erfolg des Spaniers Hector Faubel nicht mehr als eine Nebenrolle. „Mir fehlt im Moment das Selbstbewusstsein“, sagte Cortese und gab zu, dass ihn der Druck im Titelkampf ausgebremst hat. „Ich habe wohl zu oft auf die Tabelle gesehen, Punkte gezählt. Das war ein Fehler. Ich muss mich wieder von Rennen zu Rennen konzentrieren.“ Noch vor zwei Jahren fuhr Bradl mit Folger und Cortese in einer Klasse, inzwischen hat er beide auf der Strecke längst abgehängt. „Ich bin glücklich, dass ich derzeit die Nummer eins im deutschen Motorradrennsport bin – das muss man auskosten“, sagte Bradl. Und er will noch mehr, er will in die MotoGP-Klasse aufsteigen und sich mit den Besten überhaupt messen. Am Sachsenring gingen die Gespräche über den Aufstieg in ihre nächste Runde. „Es hat sich etwas getan“, sagte Bradl, „aber verkünden können wir es noch nicht“. Doch es scheint nur noch eine Frage von Wochen zu sein.

„Ich habe da jetzt ein Loch“

Einer, auf den der Bayer dann in der neuen Saison treffen könnte, ist Valentino Rossi. Doch der Italiener kämpft nach seinem Wechsel zu Ducati weiter mit großen Problemen. Rossi wurde am Sonntag Neunter und hatte im Ziel beinahe dreißig Sekunden Rückstand auf den Sieger Dani Pedrosa aus Spanien. Für Rossi war es abermals ein misslungenes Wochenende, war er doch lediglich als 16. und damit Vorletzter gestartet. Sein Motorrad bereitet ihm weiterhin Sorgen, genau wie die Gesundheit. Am Freitag stürzte der Zweiunddreißigjährige im Training, die Protektoren brachen, der Asphalt brannte das Leder und Teile der Haut an seinem rechten Ellbogen weg. „Ich habe da jetzt ein Loch“, sagte Rossi. „Man schaut ins Innere und sieht die Muskeln – aber das ist okay.“

Schon im vergangenen Jahr hatte der neunmalige Weltmeister am Sachsenring für Aufsehen gesorgt, weil er nur sechs Wochen nach einem Bruch des Schien- und Wadenbeins schon wieder auf sein Motorrad stieg. Mit dem Ausgang der WM hat Rossi in dieser Saison nichts mehr zu tun, diese Angelegenheit dürften Casey Stoner (168) und Jorge Lorenzo (153) unter sich ausmachen. Weltmeister Lorenzo wurde am Sachsenring Zweiter, er schob sich in der letzten Kurve noch an Stoner vorbei.

Ob Rossi und die anderen Zweirad-Akrobaten im nächsten Jahr wieder am Sachsenring fahren, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Der Vertrag zwischen dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC), der den Grand Prix ausrichtet, und der Dorna, dem Zentralvermarkter der Weltmeisterschaft, endet nach dieser Saison. Streitpunkt in Bezug auf eine Verlängerung des Kontrakts ist das Geld. Auch die jüngsten Verhandlungen zwischen den Beteiligten endeten ohne Ergebnis. Sicher ist, dass Bradl nun knapp vier Wochen bleiben bis zum nächsten Rennen in Brünn. Zeit, das Training abseits der Strecke wieder zu intensivieren. „Wir müssen immer weiter an uns arbeiten“, sagt Bradl. Auf dem Weg zum Titel wird auch das Motorrad weiter entwickelt, neue Teile kommen beim nächsten Rennen in Tschechien an die Maschine. Nichts soll unversucht bleiben, um am Ende den ganz großen Coup zu feiern. „Noch ist nichts gewonnen“, sagte Bradl. Er hat gerade einmal die Hälfte dieser Saison hinter sich gebracht.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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