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Michael Schumacher „Er ist der schnellste Fahrer der Welt“

15.11.2007 ·  So schnell war ein Formel-1-Rentner noch nie: Auf Anhieb ist Rekordweltmeister Michael Schumacher beim Wintertest auf dem Grand-Prix-Kurs von Barcelona seinen früheren Rivalen davongefahren. Von Anno Hecker.

Von Anno Hecker
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Peu á peu steigt die alte Garde aus bei Ferrari. Erst war es der Konstrukteur Byrne, dann der Motorenmann Martinelli, Technikchef Brawn nahm sich ein Jahr Urlaub, bevor er zu Honda wechselte, und Rennleiter Todt dachte immer wieder laut über seine Pensionierung nach.

Nur einer aus diesem Quintett gibt wieder Gas in der Scuderia: Michael Schumacher sprang von seinem Team-Beobachtungs-Sofa (samt totaler Vernetzung) zurück ins Cockpit des Ferrari und drehte am Dienstag und Mittwoch auf der Rennstrecke von Barcelona 154 Runden. So schnell, als hätte er nicht vor 387 Tagen seinen letzten Grand-Prix im roten Boliden bestritten, als sei man mit bald 39 Jahren längst nicht überholt.

Die alten Mitstreiter staunten nicht schlecht

Nach den Bestzeiten an beiden Tagen überschlugen sich spanische Beobachter in Lobeshymnen. Ehemalige Kollegen staunten nicht schlecht, 3000 zahlende Fans fühlten sich gut unterhalten und der Ferrari-Testpilot Luca Badoer frischte seinen alten Eindruck auf: „Er ist der schnellste Fahrer der Welt.“

Ganz sicher weist das Treffen mit der Vergangenheit auf die Rückkehr der Formel 1 in alte Zeiten hin. In der nächsten Saison sind elektronische Fahrhilfen wie etwa die Traktionskontrolle verboten. Die Piloten werden nicht mehr beim Herausbeschleunigen aus den Kurven mit Verve auf das Gaspedal treten, sondern „den Fuß auf dem Gaspedal wie eine Hand verwenden“, erklärt der McLaren-Fahrer Pedro de la Rosa. Mehr Feingefühl ist für die rund 750 PS starken Kräfte im Heck gefragt. „Das Fahren wird definitiv schwieriger“, sagt BMW-Pilot Nick Heidfeld, „man sieht den Unterschied zwischen den Guten und dem Rest“, fügt Badoer hinzu.

Es hat alles gepasst

Was (nicht nur) Ferrari mit dem Verbot verloren geht, soll auch mit Hilfe von Schumacher wiedergefunden werden: Der alte Speed. Denn im Schnitt um 1,5 Sekunden sind die Rundenzeiten mit dem Einsatz der neuen, stark umstrittenen Einheitselektronik von einem Tochterunternehmen des Rennstalls McLaren gestiegen. Weil weder Weltmeister Kimi Räikkönen noch der Teamkollege Felipe Massa Erfahrung mit Formel-1-Rennern ohne Traktionskontrolle haben, hielten die Ingenieure der Scuderia den Einsatz des siebenmaligen Champions zum Start ihres Programms 2008 für hilfreich. „Ich glaube, ich kann gute Infos geben“, bestätigte Schumacher, „es hat alles gepasst: Meine Freude am Fahren und die Hilfe fürs Team.“

Auch wenn Bestzeiten bei Testfahrten wegen der kaum zu vergleichenden Programme der Teams nicht bierernst genommen werden; Schumachers ungebremstes Arbeitstempo an der Spitze aller Versuchsfahrer verstärkt den Gesamteindruck: Ferrari scheint auf dem Weg in die guten alten Zeiten. Und zwar – abgesehen vom Edelreservisten am Steuer – fast ohne Hilfe der früheren Gedankenstützen in der Chefetage. Der Einbruch im Übergangsjahr ist ausgeblieben. Im Gegenteil. Ferrari gewann, wenn auch mehr oder weniger glücklich, die Fahrer- und die Konstrukteurswertung. Was wiederum die italienische Fraktion im Allerheiligsten von Maranello entscheidend stärkte. Es geht doch!

Etwas für die Volksseele

Eigentlich hatte der Brite Ross Brawn nach einem Jahr Pause die Nachfolge von Rennleiter und Ferrari-Generaldirektor Todt in Maranello antreten wollen. Allerdings nur freihändig, ohne den Einfluss des allgegenwärtigen Franzosen. Das war offenbar zunächst nicht möglich und schließlich nicht mehr nötig. Nun versucht Brawn als Aufbauhelfer von Honda „meine alten Leute“ zu schlagen, während Ferrari was für die Volksseele tut: Weil Todt sich sich ganz auf seinen Job als Ferrari-Geschäftsführer konzentrieren will (oder soll), übernimmt Stefano Domenicali die Leitung des Formel-1-Teams: ein für seinen hektischen Job als Teammanger erstaunlich freundlicher Italiener, seit 1991 herangezogen, mit Haut und Haaren Ferraristi.

Schumacher wird ihm helfen. Vielleicht auch mal wieder als Testfahrer. Denn rund gehts beim Rheinländer auch in den Ruhephasen. Zuletzt trainierte er seinen Fahrstil auf dem Motorrad. So intensiv, dass er sogar Ducati-Werksfahrer Marco Melandri bei Testfahrten in Valencia überraschte: „Man sollte ihm eine Wildcard für das Rennen auf dem Sachsenring geben.“

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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