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Sonntag, 19. Februar 2012
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Michael Schumacher Die persönlichen Grenzen testen

24.12.2009 ·  Ein Vertrag sporthistorischen Ausmaßes: Michael Schumacher kehrt zu Mercedes und in die Formel 1 zurück, für drei Jahre. Am 14. März 2010 ist die Rennpremiere im Silberpfeil. Das Ziel ist der oberste Platz auf dem Siegerpodest. Kein Zweifel: Diese Fahrer-Team-Kombination hat es in sich.

Von Michael Wittershagen und Anno Hecker
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Er machte erst gar nicht den Versuch, seine Gefühle zurückzuhalten: „Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft, wie ein kleiner Junge“, sagt Michael Schumacher am Mittwochmorgen. In der Nacht zuvor hatte der Vierzigjährige seine Unterschrift unter den Vertrag mit Mercedes-Grand-Prix gesetzt und damit auch schriftlich seine Rückkehr in die Formel 1 besiegelt. Drei Jahre umfasst die Vereinbarung, danach soll der Rekordweltmeister der Königsklasse als Markenbotschafter für den Konzern agieren. Er will es noch einmal wissen, seine persönlichen Grenzen testen und seine deutlich jüngeren Gegner herausfordern. „Mein Ziel wird natürlich sein, am Ende oben auf dem Treppchen zu stehen.“ Eine Kampfansage. „Ich glaube an die Kombination - an Mercedes und Ross Brawn“, sagt der Rheinländer. „Und an mir selbst zweifele ich auch nicht wirklich.“ Am 14. März 2010 wird er beim Grand Prix in Bahrain zum ersten Mal in einem Silberpfeil Gas geben; 1239 Tage nach seinem letzten Rennen in São Paulo.

Damit schließt sich der Kreis seiner Karriere als Rennfahrer. Aus dem einstigen Mercedes-Juniorteam hatte Schumacher 1991 den Sprung zu Jordan in die Formel 1 geschafft, war später mit Benetton und Ferrari sieben Mal Weltmeister geworden und avancierte so zum Rekordmann der Hochgeschwindigkeits-Branche. Sein treuer Helfer in dieser Zeit: Ross Brawn. Beim letzten Grand des Jahres 2009 in Abu Dhabi erzählte der Teamchef Schumacher erstmals von seinen Plänen. Davon, dass Mercedes bei Brawn GP einsteigen und dass Weltmeister Jenson Button das Team wohl verlassen werde. Es war wie eine Avance. Schumacher war sich zunächst nicht sicher. Aber nach dem nächsten Anruf von Brawn spielten die Gefühle verrückt: „Da ist mir das Rennfahrerherz aufgegangen“, sagt er am Mittwoch: „Da hat es in mir wieder gefunkt. Ich bin richtig aufgeregt.“

Dabei hätte er sich eine Rückkehr im Sommer noch nicht vorstellen können. In den Monaten vor seinem Rücktritt 2006 kostete ihn vieles in der Welt der Formel 1 nur noch zu viel Kraft; Sponsoren, die befriedigt werden wollten; Medien, die ihn im Fahrerlager belagerten; Fans, die nach ihm kreischten. Schumacher verabschiedete sich mit „leerem Akku“. Ein Comeback? „Diese Lust war eher nicht da.“

„Ich bin wieder voller Energie und Tatendrang“

So war war es der Zufall, der ihm die Gelegenheit bot. Im Juli war Ferrari-Pilot Felipe Massa auf dem Hungaroring bei mehr als 250 Kilometern in der Stunde eine rund 800 Gramm schwere Dämpferfeder gegen den Helm geflogen, der Brasilianer wurde schwer verletzt. Schumacher, der nur noch als Berater für die Scuderia tätig war, sollte den Brasilianer bis zur Genesung ersetzen. Aber eine Schädel- und Halswirbelverletzung, die er bei einem Motorradsturz erlitten hatte, durchkreuzte seine Pläne. „Wir wussten, dass Michael durch seine Testfahrten für Ferrari wieder auf den Geschmack gekommen war“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „er wollte wieder, konnte aber nicht. Das hat ihn geärgert.“ Und genau das war die Chance für Mercedes. Bei Ferrari sind die Cockpits in der neuen Saison besetzt mit Massa und Fernando Alonso, Schumachers altem Rivalen. Mercedes aber hatte neben Nico Rosberg noch einen Platz frei.

„Ich bin wieder voller Energie und Tatendrang und absolut motiviert“, sagt Schumacher, „ich habe wieder all die Energie, die mir damals gefehlt hat. Ich habe diese Pause gebraucht.“ Und dazu noch einmal eine dreimonatige Genesungszeit. Die Halsschmerzen vom August, die ihn schon beim ersten Anbremsen während der Testfahrt mit einem alten Ferrari bremsten, sind verflogen. „Ich kann an meiner Trainingsmaschine wieder alle Belastungen, die nötig sind, aushalten.“ Schmerzen hat nur Ferrari. Präsident Luca di Montezemolo wünscht seinem Starpiloten zwar alles Gute. Zwischen den Zeilen aber ließ der Markgraf durchblicken, dass er mit der Rückkehr in den Schoß von Mercedes nicht glücklich ist.

Wettbewerbsfähigkeit ist da

Den Stuttgartern ist dagegen mit der Verpflichtung Schumachers ein Coup gelungen. Auch innerbetrieblich. In Krisenzeiten wie diesen bedarf es für einen Hersteller guter Gründe, das Engagement in der Formel 1 zu rechtfertigen. Obwohl Mercedes' Sportchef Norbert Haug die Konzernführung mit einem plausiblen Finanzierungsplan überzeugte, der langfristig auf ein sich selbst tragendes Werksteam hinausläuft, lief der Betriebsrat Sturm. Er verwies auf schrumpfende Erlöse und Kurzarbeit, ignorierte aber bislang den PR-Wert des Formel-1-Projektes. So viele „positive Schlagzeilen“ wie in den vergangenen vier Wochen hat der Konzern über seine Motorsportaktivität selbst beim WM-Sieg von Lewis Hamilton 2008 nicht erhalten. An Vorschusslorbeer sparen selbst Schumacher gegenüber äußerst kritisch gesinnte Fachjournalisten nicht. „Seine Rückkehr ist großartig für den Sport“, sagte die Formel-1-Reporterin der „L'Equipe“, Anne Giuntini, „wir werden etwas Historisches erleben.“

Dass Schumacher mithalten kann mit den schnellsten Piloten der Welt, hat er zuletzt bei seinem Sieg im Kartrennen in Brasilien eindrucksvoll bewiesen. Allerdings haben sich die Boliden der Formel 1 in den vergangenen Jahren stark verändert. Und trotzdem: „Ich habe in meiner Karriere so viele verschiedene Autos gefahren, und es war immer eine meiner Stärken, dass ich mich an viele Dinge anpassen konnte.“ Vor allem schnell. Schumacher gehörte immer zu den Ersten, die sich mit neuen Autos selbst auf neuen Strecken schon nach wenigen Runden ans Limit herantasteten. Kaum einer studiert das Innenleben der Wagen, das Fahrverhalten so genau wie er, diskutiert derart intensiv mit den Technikern und Ingenieuren, sucht permanent die perfekte Abstimmung für das Auto. Zudem wird er von seiner Erfahrung profitieren, schließlich herrscht künftig wieder ein Nachtank-Verbot. Außer Schumacher hat dies von den derzeitigen Piloten Anfang der neunziger Jahre lediglich Rubens Barrichello schon einmal erlebt.

Michael Schumacher ist wieder da

In der Rennwagenfabrik von Brackley (England), wo Schumacher am Dienstag sein neues Team besuchte, tüfteln die Ingenieure derzeit am neuen Silberpfeil. Die Basis für einen schnellen und zuverlässigen Boliden hat Brawn schon in der vergangenen Saison geschaffen. Bei offiziellen Testfahrten im Februar wird Schumacher zum ersten Mal in den Silberpfeil steigen. „Darauf müssen mir uns so effizient wie möglich vorbereiten.“ Die neue Konstellation der Formel 1 belebt dann einen Klassiker: Deutschland gegen England. Hier das Mercedes-Team mit Schumacher und Rosberg, dort McLaren mit Hamilton und Button, den Weltmeistern der beiden vergangenen Jahre.

Ob er seine Familie erst davon überzeugen musste, sich wieder dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben? Schumacher muss lachen: „Nein“, sagt er. „Sie haben es alle in meinen Augen, in meinem Blick gesehen. Es ist genau das, was ich möchte.“ Michael Schumacher ist wieder da.

Er machte erst gar nicht den Versuch, seine Gefühle zurückzuhalten: „Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft, wie ein kleiner Junge“, sagt Michael Schumacher am Mittwochmorgen. In der Nacht zuvor hatte der Vierzigjährige seine Unterschrift unter den Vertrag mit Mercedes-Grand-Prix gesetzt und damit auch schriftlich seine Rückkehr in die Formel 1 besiegelt. Drei Jahre umfasst die Vereinbarung, danach soll der Rekordweltmeister der Königsklasse als Markenbotschafter für den Konzern agieren. Er will es noch einmal wissen, seine persönlichen Grenzen testen und seine deutlich jüngeren Gegner herausfordern. „Mein Ziel wird natürlich sein, am Ende oben auf dem Treppchen zu stehen.“ Eine Kampfansage. „Ich glaube an die Kombination - an Mercedes und Ross Brawn“, sagt der Rheinländer. „Und an mir selbst zweifele ich auch nicht wirklich.“ Am 14. März 2010 wird er beim Grand Prix in Bahrain zum ersten Mal in einem Silberpfeil Gas geben; 1239 Tage nach seinem letzten Rennen in São Paulo.

Damit schließt sich der Kreis seiner Karriere als Rennfahrer. Aus dem einstigen Mercedes-Juniorteam hatte Schumacher 1991 den Sprung zu Jordan in die Formel 1 geschafft, war später mit Benetton und Ferrari sieben Mal Weltmeister geworden und avancierte so zum Rekordmann der Hochgeschwindigkeits-Branche. Sein treuer Helfer in dieser Zeit: Ross Brawn. Beim letzten Grand des Jahres 2009 in Abu Dhabi erzählte der Teamchef Schumacher erstmals von seinen Plänen. Davon, dass Mercedes bei Brawn GP einsteigen und dass Weltmeister Jenson Button das Team wohl verlassen werde. Es war wie eine Avance. Schumacher war sich zunächst nicht sicher. Aber nach dem nächsten Anruf von Brawn spielten die Gefühle verrückt: „Da ist mir das Rennfahrerherz aufgegangen“, sagt er am Mittwoch: „Da hat es in mir wieder gefunkt. Ich bin richtig aufgeregt.“

Dabei hätte er sich eine Rückkehr im Sommer noch nicht vorstellen können. In den Monaten vor seinem Rücktritt 2006 kostete ihn vieles in der Welt der Formel 1 nur noch zu viel Kraft; Sponsoren, die befriedigt werden wollten; Medien, die ihn im Fahrerlager belagerten; Fans, die nach ihm kreischten. Schumacher verabschiedete sich mit „leerem Akku“. Ein Comeback? „Diese Lust war eher nicht da.“

„Ich bin wieder voller Energie und Tatendrang“

So war war es der Zufall, der ihm die Gelegenheit bot. Im Juli war Ferrari-Pilot Felipe Massa auf dem Hungaroring bei mehr als 250 Kilometern in der Stunde eine rund 800 Gramm schwere Dämpferfeder gegen den Helm geflogen, der Brasilianer wurde schwer verletzt. Schumacher, der nur noch als Berater für die Scuderia tätig war, sollte den Brasilianer bis zur Genesung ersetzen. Aber eine Schädel- und Halswirbelverletzung, die er bei einem Motorradsturz erlitten hatte, durchkreuzte seine Pläne. „Wir wussten, dass Michael durch seine Testfahrten für Ferrari wieder auf den Geschmack gekommen war“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „er wollte wieder, konnte aber nicht. Das hat ihn geärgert.“ Und genau das war die Chance für Mercedes. Bei Ferrari sind die Cockpits in der neuen Saison besetzt mit Massa und Fernando Alonso, Schumachers altem Rivalen. Mercedes aber hatte neben Nico Rosberg noch einen Platz frei.

„Ich bin wieder voller Energie und Tatendrang und absolut motiviert“, sagt Schumacher, „ich habe wieder all die Energie, die mir damals gefehlt hat. Ich habe diese Pause gebraucht.“ Und dazu noch einmal eine dreimonatige Genesungszeit. Die Halsschmerzen vom August, die ihn schon beim ersten Anbremsen während der Testfahrt mit einem alten Ferrari bremsten, sind verflogen. „Ich kann an meiner Trainingsmaschine wieder alle Belastungen, die nötig sind, aushalten.“ Schmerzen hat nur Ferrari. Präsident Luca di Montezemolo wünscht seinem Starpiloten zwar alles Gute. Zwischen den Zeilen aber ließ der Markgraf durchblicken, dass er mit der Rückkehr in den Schoß von Mercedes nicht glücklich ist.

Wettbewerbsfähigkeit ist da

Den Stuttgartern ist dagegen mit der Verpflichtung Schumachers ein Coup gelungen. Auch innerbetrieblich. In Krisenzeiten wie diesen bedarf es für einen Hersteller guter Gründe, das Engagement in der Formel 1 zu rechtfertigen. Obwohl Mercedes' Sportchef Norbert Haug die Konzernführung mit einem plausiblen Finanzierungsplan überzeugte, der langfristig auf ein sich selbst tragendes Werksteam hinausläuft, lief der Betriebsrat Sturm. Er verwies auf schrumpfende Erlöse und Kurzarbeit, ignorierte aber bislang den PR-Wert des Formel-1-Projektes. So viele „positive Schlagzeilen“ wie in den vergangenen vier Wochen hat der Konzern über seine Motorsportaktivität selbst beim WM-Sieg von Lewis Hamilton 2008 nicht erhalten. An Vorschusslorbeer sparen selbst Schumacher gegenüber äußerst kritisch gesinnte Fachjournalisten nicht. „Seine Rückkehr ist großartig für den Sport“, sagte die Formel-1-Reporterin der „L'Equipe“, Anne Giuntini, „wir werden etwas Historisches erleben.“

Dass Schumacher mithalten kann mit den schnellsten Piloten der Welt, hat er zuletzt bei seinem Sieg im Kartrennen in Brasilien eindrucksvoll bewiesen. Allerdings haben sich die Boliden der Formel 1 in den vergangenen Jahren stark verändert. Und trotzdem: „Ich habe in meiner Karriere so viele verschiedene Autos gefahren, und es war immer eine meiner Stärken, dass ich mich an viele Dinge anpassen konnte.“ Vor allem schnell. Schumacher gehörte immer zu den Ersten, die sich mit neuen Autos selbst auf neuen Strecken schon nach wenigen Runden ans Limit herantasteten. Kaum einer studiert das Innenleben der Wagen, das Fahrverhalten so genau wie er, diskutiert derart intensiv mit den Technikern und Ingenieuren, sucht permanent die perfekte Abstimmung für das Auto. Zudem wird er von seiner Erfahrung profitieren, schließlich herrscht künftig wieder ein Nachtank-Verbot. Außer Schumacher hat dies von den derzeitigen Piloten Anfang der neunziger Jahre lediglich Rubens Barrichello schon einmal erlebt.

Michael Schumacher ist wieder da

In der Rennwagenfabrik von Brackley (England), wo Schumacher am Dienstag sein neues Team besuchte, tüfteln die Ingenieure derzeit am neuen Silberpfeil. Die Basis für einen schnellen und zuverlässigen Boliden hat Brawn schon in der vergangenen Saison geschaffen. Bei offiziellen Testfahrten im Februar wird Schumacher zum ersten Mal in den Silberpfeil steigen. „Darauf müssen mir uns so effizient wie möglich vorbereiten.“ Die neue Konstellation der Formel 1 belebt dann einen Klassiker: Deutschland gegen England. Hier das Mercedes-Team mit Schumacher und Rosberg, dort McLaren mit Hamilton und Button, den Weltmeistern der beiden vergangenen Jahre.

Ob er seine Familie erst davon überzeugen musste, sich wieder dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben? Schumacher muss lachen: „Nein“, sagt er. „Sie haben es alle in meinen Augen, in meinem Blick gesehen. Es ist genau das, was ich möchte.“ Michael Schumacher ist wieder da.

Quelle: F.A.Z.
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