18.04.2011 · Das Silber beginnt wieder leicht zu glänzen: Nico Rosberg wird in China Fünfter, Michael Schumacher fährt auf Platz acht. Dennoch ist Rosberg verärgert. Weil der Mercedes zu durstig ist, reicht es nicht zum Podium.
Von Anno Hecker, SchanghaiNico Rosberg hat sich nicht lange mit einem Feinschliff aufgehalten. Enttäuscht, verärgert, fast wütend hüpfte er aus seinem Mercedes. Fünfter in China, das ist kein schlechtes Ergebnis nach den Problemen seines Teams mit dem Boliden seit der Premiere. Vor ein paar Tagen noch wäre er wohl zufrieden gewesen mit seiner ersten Punkteausbeute 2011. Aber jetzt, nach 14 Führungsrunden im Großen Preis von China, stand dem Mercedes-Mann nicht der Sinn nach einem hoffnungsvollen Ausblick. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich das Tempo für die Führung haben könnte. Aber jetzt bin ich total enttäuscht. Es wäre viel mehr drin gewesen.“
Rosberg ist 25 Jahre alt, er fährt seit 2006 in der Formel 1, hat gleich in seinem ersten Grand Prix mit der schnellsten Rennrunde auf sich aufmerksam gemacht. Seit er Michael Schumacher in der Saison 2010 distanzierte, ist die Erwartung weiter gewachsen. Rosberg will endlich den ersten Sieg. Dazu hätte es am Sonntag nicht gereicht, aber zu einem Platz auf dem Podium in seinem 94. Formel-1-Rennen. Wenn denn dieser Funkspruch nicht gekommen wäre: „Ich musste Sprit sparen und konnte nicht mehr kämpfen.“
Da sausten sie vorbei. Die McLaren mit Lewis Hamilton und Jenson Button, später noch Mark Webber im Red Bull. Weil sich jemand verrechnet hatte? „Der Benzinverbrauch war höher als erwartet“, sagte Teamchef Ross Brawn, „wir kennen die Ursache noch nicht.“ Die Motoren sind sehr durstig. Rund 70 Liter, heißt es, verbraucht so ein Antrieb über 100 Kilometer im Rennbetrieb. Genaue Zahlen gibt niemand bekannt.
„Wir haben einen Riesenschritt nach vorne gemacht“
Allerdings sind die Rennställe erpicht darauf, den Durst so weit wie möglich zu reduzieren. Denn Gewicht bremst den Vortrieb. Je nach Strecke können zehn Kilogramm weniger an Bord die Rundenzeit um 0,4 Sekunden senken. Und so kalkulierte man bei Mercedes haarscharf auf der Basis der Trainingsresultate vom Freitag. Aber vielleicht nicht mit einer Beschleunigung. Rosberg hielt erstmals in dieser Saison das Tempo der McLaren. Nur erklären konnte es niemand. „Wenn ich das wüsste“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.
Es hat schon trübere Tage im Rennstall von Mercedes gegeben in den vergangenen Wochen. Nach dem Fehlstart in Melbourne und der Steigerung in Malaysia beginnt das Silber wieder leicht zu glänzen. „Das Auto war gut, wir hatten den Speed, um vorne rein fahren zu können“, sagte Rosberg über sein Intermezzo. Er gehörte zu den sechs Piloten, die sich zehn Mal an der Spitze ablösten: „Ein tolles Gefühl.“ Michael Schumacher kennt es schon ein bisschen länger.
Aber selbst der 91-malige Grand-Prix-Sieger hatte seinen Spaß am W 02 in China. Vor den Augen des Daimler-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und dessen Kollegen Thomas Weber fuhr der Rekordweltmeister von Platz vierzehn auf Rang acht vor. „Wir haben einen Riesenschritt nach vorne gemacht“, sagte der Rheinländer. Dank einer Formverbesserung von Geisterhand, glaubt man den Chefs des Projektes. „Wir haben nicht viel am Auto gemacht“, sagten Brawn und Haug unisono. „Wir kennen es aber jetzt viel besser und verstehen die Reaktionen bei der Abstimmungsarbeit.“
Schon beim Qualifikationstraining kam Rosberg den McLaren bis auf wenige Zehntelsekunden nahe (Vierter). Offensichtlich täuschte die Einschätzung nach der Bestzeit von Schumacher beim letzten Test in Barcelona doch nicht. Eine Rakete ist der Silberpfeil zwar nicht, aber sicher auch keine „Gurke“ wie kolportiert. Wenn der Rennstall den zickigen Heckflügel in den Griff bekommt, Schumacher verlor deshalb den Anschluss im Qualifikationstraining, dann steht Mercedes angeblich ein neuer Anfang bevor. „Jetzt“, sagte Schumacher in Schanghai, „beginnt die Saison richtig.“
Vielleicht wär ein Diesel...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 18.04.2011, 18:21 Uhr