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McLaren-Mercedes Vom Erfolg dramatisch gebremst

08.06.2009 ·  Für McLaren-Mercedes und Weltmeister Lewis Hamilton ist diese Formel-1-Saison gelaufen. Der Rennstall versinkt im Mittelmaß und braucht für sein Auto neue Teile. Behindert wird das Unterfangen aber durch das Testverbot.

Von Michael Wittershagen, Istanbul
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Ein ehemaliger Weltmeister ist mit düsterer Miene in das verspiegelte Motorhome von McLaren-Mercedes gekommen, und selbst Keke Rosberg empfindet beinahe schon Mitleid, wenn er an die derzeitige Situation denkt: „Mir tut es im Herzen weh, was hier gerade passiert. Das hat dieses Team nicht verdient“, sagt der 60 Jahre alte frühere Champion aus Finnland: „Ich bin wirklich enttäuscht – wie alle anderen auch.“ Diese Enttäuschung, sie ist überall zu erkennen: In den Gesichtern der beiden Piloten Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen ist sie zu sehen, in den Stimmen der Verantwortlichen des Teams kann man sie hören.

McLaren-Mercedes, das mit dem Briten Hamilton den aktuellen Weltmeister stellt, ist nur noch ein Rennstall im Mittelfeld der Formel 1. Die Ursache für die Krise sehen nicht wenige im Erfolg der jüngsten Vergangenheit. Bis zur letzten Kurve hat das Team 2008 gegen Ferrari um den Titel gekämpft. „Dafür zahlen wir gerade den Preis“, sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Die Ingenieure hatten ihre Kraft in das Wettrüsten mit den Italienern gesteckt – und deshalb die Entwicklung des neues MP4-24 vernachlässigt.

Die Folgen sind offensichtlich. Der Rennwagen hat nach den massiven Regeländerungen zu Beginn dieses Jahres vor allem in den schnellen Passagen Schwächen, er liegt viel zu unruhig auf dem Asphalt, vor allem beim Bremsen. Dem McLaren fehlt Abtrieb: „Es ist viel leichter, mit einem schnellen Auto zu gewinnen, als aus einem nicht konkurrenzfähigen Auto noch das Beste herauszuholen“, sagt Whitmarsh. Selbst das im Feld am besten funktionierende Energie-Rückgewinnungssystem Kers kann all das nicht kompensieren, ebenso wenig wie der Motor, mit dem auch Brawn GP an den Start geht und die Konkurrenz seit dem Auftakt in Melbourne regelmäßig düpiert hat.

Die Saison ist gelaufen

Am Sonntag reichte es beim Großen Preis der Türkei für Hamilton und Kovalainen nur zu den Rängen 13 und 14. Rosberg fällt zu alledem nur noch eines ein: „Vielleicht sollte man die Kräfte bündeln und sich schon auf die nächste Saison vorbereiten. Der Abstand an die Spitze ist inzwischen einfach zu groß.“ Diese Taktik hatte der Teamchef von Brawn GP, Ross Brawn, 2008 verfolgt und auf diese Weise Jenson Button bis an die Spitze des WM-Klassements katapultiert. Aber diesmal ist die Zukunft ungewiss. Denn aufgrund des Regelstreits zwischen dem Internationalen Automobil-Verband und der Teamvereinigung Fota ist nicht klar, auf was sich die Teams künftig vorbereiten sollen.

Also müssen sie vorerst durchhalten bei McLaren-Mercedes. „Natürlich ist es eine harte Situation für uns“, sagt Hamilton. „Wir wollen wieder ganz vorne dabei sein und um Siege kämpfen.“ Nach sieben Grand Prix ohne Sieg sucht der erfolgsverwöhnte Brite nach Orientierung: „Wir lernen noch immer“, sagt Hamilton. „Alle im Team versuchen, das Auto besser zu verstehen. Wir müssen aufpassen, dass wir im nächsten Jahr nicht die gleichen Fehler machen.“ Die Saison ist gelaufen, das steht seit dem Großen Preis der Türkei fest (siehe: Formel 1 in der Türkei: Button hängt Vettel ab).

Aber schon vor diesem Rennen war Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Dramatik der Situation bewusst – und er bemühte sich erst gar nicht, daraus ein Geheimnis zu machen. „Es wäre einigermaßen skurril, wenn wir noch immer von Titelverteidigung sprechen würden. Es geht jetzt um die Rückerlangung von Kräften.“ Nach dem nächsten Desaster fühlte er sich bestätigt: „Brawn fuhr 80 Sekunden schneller als wir. Wir haben auf den schnellen Passagen überhaupt keine Chance. Wir brauchen dramatische Verbesserungen. Das kann man aber nicht über Nacht regeln, leider. Wir werden aber hart daran arbeiten.“

„Wir brauchen neue Teile“

Behindert wird dieses Unterfangen durch das Testverbot während der Saison, weshalb Fehler in der Konstruktion der Boliden deutlich schwerer zu kompensieren sind als noch im vergangenen Jahr. „Wir brauchen neue Teile, und jeder in der Fabrik arbeitet hart, damit sie so schnell wie möglich fertig sind. Aber ich rechne nicht vor dem Rennen in Deutschland damit“, sagt Whitmarsh.

Der Grand Prix am Nürburgring wird erst Anfang Juli ausgetragen, zuvor erwarten noch Zehntausende verrückter Motorsportfans den Auftritt der Silberpfeile in Silverstone. „Ich habe keine Zweifel daran, dass wir zurückschlagen werden“, sagt Hamilton. Aber wann? Und so bleibt McLaren-Mercedes in Person von Norbert Haug derzeit nur eine Führungsrolle. Der Sechsundfünfzigjährige tritt als Vermittler zwischen FIA und Fota im Ringen um die Zukunft der Formel 1 auf (siehe: Norbert Haug: Ruhender Pol im Tollhaus). Aber auch das ist eher eine unangenehme Sache.

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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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